Kapi­tal­erhö­hungs­schwin­del – und der Schutz­weck des § 82 GmbHG

§ 82 GmbHG ver­folgt den Zweck, jede Täu­schung der Öffent­lich­keit über die wesent­li­chen wirt­schaft­li­chen Grund­la­gen des Unter­neh­mens zu ver­hin­dern 1.

Kapi­tal­erhö­hungs­schwin­del – und der Schutz­weck des § 82 GmbHG

Geschützt wird das Ver­trau­en der Gesell­schafts­gläu­bi­ger oder sons­ti­ger inter­es­sier­ter Drit­ter in den Wahr­heits­ge­halt der Han­dels­re­gis­ter­ein­tra­gung und deren Grund­la­gen oder sons­ti­ge öffent­li­che Mit­tei­lun­gen über die Ver­mö­gens­la­ge der Gesell­schaft.

Dem­ge­mäß geht es bei dem abs­trak­ten Gefähr­dungs­tat­be­stand auch in Bezug auf eine Erhö­hung des Stamm­ka­pi­tals um Äuße­rungs­de­lik­te.

§ 82 GmbHG soll jeden, der mit der Gesell­schaft in Geschäfts­ver­bin­dung tre­ten will, vor Täu­schun­gen schüt­zen und ihm die Mög­lich­keit geben, sich durch Ein­sicht in das Han­dels­re­gis­ter und des­sen Unter­la­gen über die wirt­schaft­li­che Lage des Unter­neh­mens zu unter­rich­ten. Wer­den erheb­li­che Umstän­de ver­schwie­gen, wird die Äuße­rung ins­ge­samt falsch.

Maß­ge­ben­der Zeit­punkt für die Beur­tei­lung der Rich­tig­keit einer Anga­be ist der Ein­gang beim Regis­ter­ge­richt. Wenn die Anga­be zu die­ser Zeit nicht mit der Wirk­lich­keit über­ein­stimmt, ist sie falsch im Sin­ne von § 82 Abs. 1 Nr. 3 GmbHG.

Auf den vor­he­ri­gen Ent­schluss des Geschäfts­füh­rers zum Ziel der Mit­tel­ver­wen­dung kommt es nicht an. Auch die Befrie­di­gung eines Gläu­bi­gers der Gesell­schaft durch Wei­ter­lei­tung der an die Gesell­schaft geleis­te­ten Ein­la­gen­zah­lung erfolgt zwar im All­ge­mei­nen in Aus­übung der Ver­fü­gungs­macht der Geschäfts­füh­rung 2.

Bei Kapi­tal­erhö­hun­gen wird auch meist schon vor­ab eine Bestim­mung über die Ver­wen­dung des auf die Erhö­hung ein­zu­zah­len­den Kapi­tals getrof­fen, wes­halb die Geschäfts­lei­tung um der Errei­chung die­ses geschäft­li­chen Ziels wil­len an die Gesell­schaf­ter­ver­samm­lung mit dem Anlie­gen der Auf­brin­gung zusätz­li­cher Mit­tel her­an­tritt. Ver­wen­dungs­ab­spra­chen sind vor die­sem Hin­ter­grund im All­ge­mei­nen unschäd­lich 3.

Anders liegt es dann, wenn die Gesell­schaft letzt­lich nur die Durch­gangs­sta­ti­on einer Leis­tung des Infe­ren­ten an einen Gesell­schafts­gläu­bi­ger ist, bei der jede Ein­wir­kungs­mög­lich­keit der Geschäfts­füh­rung aus­ge­schlos­sen wird 4.

Eine Falsch­an­ga­be gegen­über dem Regis­ter­ge­richt im Sin­ne von § 82 Abs. 1 Nr. 3 GmbHG liegt in einer sol­chen Kon­stel­la­ti­on auch vor, wenn der Geschäfts­füh­rer nicht über die Anla­ge ver­fü­gen kann, weil die kre­dit­ge­ben­de Bank eine Ver­fü­gung über die auf dem Geschäfts­kon­to gut geschrie­be­ne Beträ­ge zu ande­ren Zwe­cken als zur Rück­füh­rung einer Ver­bind­lich­keit ver­hin­dert 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Juni 2016 – 2 StR 520/​15

  1. vgl. Schaal in Erbs/​Kohlhaas, Straf­recht­li­che Neben­ge­set­ze, 207. Lfg., § 82 GmbHG Rn. 10[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 29.01.2001 – – II ZR 183/​00, ZIP 2001, 513, 515[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 22.03.2010 – – II ZR 12/​08, BGHZ 185, 44, 49[]
  4. vgl. BGH, Ver­säum­nis­ur­teil vom 18.03.2002 – – II ZR 364/​00, WM 2002, 965, 966[]
  5. vgl. Münch­Komm-GmbH­G/Wiß­mann, GmbHG, 2. Aufl., § 82 Rn. 124, 229[]