Kre­dit­be­trug zulas­ten aus­län­di­scher Kapi­tal­ge­ber

§ 265b StGB umfasst auch Straf­ta­ten zu Las­ten aus­län­di­scher Kre­dit­ge­ber.

Kre­dit­be­trug zulas­ten aus­län­di­scher Kapi­tal­ge­ber

Das abs­trak­te Gefähr­dungs­de­likt § 265b StGB umfasst auch Straf­ta­ten, die unter den Vor­aus­set­zun­gen der §§ 3 ff. StGB zu Las­ten aus­län­di­scher Kre­dit­ge­ber began­gen wer­den.

Der Tat­be­stand des Kre­dit­be­tru­ges schützt sowohl das indi­vi­du­el­le Ver­mö­gen des Kre­dit­ge­bers als auch das über­in­di­vi­du­el­le Rechts­gut der Kre­dit- und Volks­wirt­schaft 1.

Vor die­sem Hin­ter­grund schei­det eine Beschrän­kung auf Taten gegen inlän­di­sche Kre­dit­ge­ber aus.

Für im Inland auch gegen­über aus­län­di­schen Kre­dit­ge­bern began­ge­ne Taten (§ 9 Abs. 1 StGB) gel­ten die all­ge­mei­nen Regeln.

Die Anwend­bar­keit einer Straf­norm auf aus­län­di­sche Rechts­gü­ter ist durch Aus­le­gung ihres Tat­be­stan­des zu ermit­teln 2. Tat­be­stän­de, die aus­schließ­lich dem Schutz kol­lek­ti­ver Rechts­gü­ter die­nen, erfas­sen grund­sätz­lich nur inlän­di­sche Inter­es­sen, was eine trans­na­tio­na­le Erwei­te­rung des straf­recht­li­chen Schut­zes aller­dings nicht von vor­ne­her­ein aus­schließt 3. Für Tat­be­stän­de, die – wie hier – trans­na­tio­nal aner­kann­te Indi­vi­du­al­rechts­gü­ter schüt­zen, kommt es jedoch auf die Staats­an­ge­hö­rig­keit des Rechts­guts­trä­gers oder die Bele­gen­heit des geschütz­ten Rechts­gu­tes nicht an 4.

§ 265b StGB umfasst auch Taten zum Nach­teil aus­län­di­scher Kre­dit­ge­ber. Die trans­na­tio­na­le Wir­kung ergibt sich bereits aus der Betrof­fen­heit des Indi­vi­du­al­ver­mö­gens der betrof­fe­nen Kre­dit­ge­ber. Dass der Norm dane­ben auch noch eine kol­lek­tiv­schüt­zen­de Kom­po­nen­te zukommt, ändert hier­an nichts.

Soweit die Revi­si­on dem Gesetz ver­schie­de­ne Anhalts­punk­te für einen dem Aus­lands­be­zug ent­ge­gen­ste­hen­den Wil­len des Gesetz­ge­bers ent­neh­men will, ver­mag der Bun­des­ge­richts­hof dem nicht zu fol­gen.

Eine Begren­zung des Tat­be­stan­des auf Taten gegen inlän­di­sche Kre­dit­ge­ber kann – ent­ge­gen auch in der Instanz­recht­spre­chung und im Schrift­tum ver­tre­te­ner Auf­fas­sung 5 – nicht aus einem inne­ren Bezug der Norm zum Gesetz über das Kre­dit­we­sen (KWG) abge­lei­tet wer­den.

Zwar hat § 265b StGB sei­ne kri­mi­nal­po­li­ti­schen Wur­zeln in dem frü­he­ren Tat­be­stand der Kre­dit­er­schlei­chung (§ 50 KWG aF, vgl. RGBl.1934 I, S. 1203 ff.; zur Strei­chung der Norm vgl. die Neu­fas­sung des KWG mit Wir­kung ab 1.01.1962, BGBl.1961 I, S. 881; dazu näher Kieß­ner, Kre­dit­be­trug, 1985, S. 25 ff.). Weder im Rah­men der der Schaf­fung des § 265b StGB vor­aus­ge­gan­ge­nen rechts­po­li­ti­schen Dis­kus­si­on um eine erneu­te Pöna­li­sie­rung betrü­ge­ri­scher Ver­hal­tens­wei­sen im Vor­feld des Betru­ges noch im Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren zu § 265b StGB stand jedoch eine erneu­te dog­ma­ti­sche Ver­or­tung im KWG im Raum 6.

Auch inhalt­lich hat der Gesetz­ge­ber bei der Ein­füh­rung des § 265b StGB die Mög­lich­keit einer akzes­so­ri­schen Aus­ge­stal­tung gera­de nicht auf­ge­grif­fen: Einer­seits hat er aus des­sen Begriffs­be­stim­mun­gen nur bestimm­te Ele­men­te über­nom­men (vgl. § 19 Abs. 1 Nr. 1, 2 und 4 KWG aF i.d. bis zum 30.06.1993 gel­ten­den Fas­sung). Ande­rer­seits geht § 265b StGB deut­lich über die Gren­zen des KWG hin­aus, indem er auch den wirt­schaft­lich bedeut­sa­men Kreis der Betriebs- und Unter­neh­mens­kre­di­te erfasst 7.

Auch dass § 265b StGB – anders als § 264 StGB – kei­nen Ein­gang in den Kata­log der von § 6 StGB erfass­ten inter­na­tio­na­len Rechts­gü­ter gefun­den hat, schließt eine Anwen­dung des § 265b StGB auf Inland­s­ta­ten zum Nach­teil aus­län­di­scher Kre­dit­ge­ber nicht aus. § 6 StGB begrün­det eine vom Tat­ort­prin­zip unab­hän­gi­ge Ver­fol­gungs­zu­stän­dig­keit; die Rege­lung erfasst uni­ver­sell aner­kann­te Rechts­gü­ter, die die (inter­na­tio­na­le oder – im Fall des § 6 Nr. 8 StGB – euro­päi­sche) Staa­ten­ge­mein­schaft als sol­che betref­fen, und deren Ver­let­zung eine Bedro­hung der gemein­sa­men Sicher­heits­in­ter­es­sen der Staa­ten bedeu­tet 8.

Das Feh­len einer aus­drück­li­chen Erwei­te­rung des Tat­be­stan­des auf trans­na­tio­na­le Rechts­gü­ter begrün­det – auch im Ver­gleich zu ande­ren Tat­be­stän­den, die sol­che Erwei­te­run­gen auf­wei­sen – kei­nen Umkehr­schluss auf eine rein inner­staat­li­che Schutz­rich­tung des Tat­be­stan­des.

Ein sol­cher Umkehr­schluss lässt sich ins­be­son­de­re nicht der Rege­lung des Sub­ven­ti­ons­be­grif­fes in § 264 Abs. 7 Nr. 2 StGB (Sub­ven­ti­ons­be­trug) ent­neh­men. Anders als beim Tat­be­stand des Kre­dit­be­tru­ges sind beim Sub­ven­ti­ons­be­trug fis­ka­li­sche Inter­es­sen unmit­tel­bar berührt; der mit einer Erwei­te­rung auf aus­län­di­sche Rechts­guts­trä­ger ver­bun­de­ne Ein­griff in frem­de Hoheits­rech­te ver­stand sich des­halb nicht von selbst 9, wes­halb es inso­weit der im Rah­men des Gesetz­ge­bungs­ver­fah­rens vom Son­der­aus­schuss ein­ge­füg­ten Klar­stel­lung 10 bedurf­te.

Nichts ande­res ergibt sich aus der aus­drück­li­chen Erwei­te­rung der geschütz­ten Rechts­gü­ter des § 299 Abs. 3 StGB (Bestech­lich­keit und Bestechung im geschäft­li­chen Ver­kehr) auf Hand­lun­gen im aus­län­di­schen Wett­be­werb. Auch der Gesetz­ge­ber hielt die Erstre­ckung der bei­den Tat­be­stän­de auf "Hand­lun­gen im aus­län­di­schen Ver­kehr" schon nach dem Wort­laut der sei­ner­zeit bestehen­den Rege­lung für mög­lich 11. Zu der gleich­wohl (klar­stel­len­den) aus­drück­li­chen Erwei­te­rung des Tat­be­stan­des sah er sich durch die aus Art. 2 Abs. 2, Art. 3 Abs. 2 der vom Rat der Euro­päi­schen Uni­on beschlos­se­nen Gemein­sa­men Maß­nah­me vom 22.12 1998 betref­fend die Bestechung im pri­va­ten Sek­tor 12 begrün­de­te Pflicht der Mit­glied­staa­ten, die Bestra­fung von Bestech­lich­keit und Bestechung im geschäft­li­chen Ver­kehr "sicher­zu­stel­len", ver­an­lasst 13.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Okto­ber 2014 – 1 StR 114/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 10.04.2014 – 1 StR 649/​13; im Ergeb­nis noch offen gelas­sen im BGH, Beschluss vom 07.02.2002 – 1 StR 222/​01, NStZ 2002, 433, 435, und bei BGH, Beschluss vom 21.02.1989 – 4 StR 643/​88, BGHSt 36, 130 ff.; wie hier auch OLG Cel­le wis­tra 1991, 359; Tie­de­mann in LK-StGB, 12. Aufl., § 265b Rn. 10 ff. mwN; Lack­ner in Lackner/​Kühl, StGB, 28. Aufl., § 265b Rn. 1; Per­ron in Schönke/​Schröder, StGB, 29. Aufl., § 265b Rn. 3; Krack NStZ 2001, 505, 506; Kieß­ner, Kre­dit­be­trug, 1985, S. 55 f.; Lam­pe, Der Kre­dit­be­trug, 1980, S. 33 ff.; a. A. offen­bar Fischer, StGB, 61. Aufl., § 265b Rn. 3 mwN; Hoyer in SK-StGB, 112. Lfg., § 265b Rn. 6 ff.; von Rin­te­len, Über­in­di­vi­du­el­le Rechts­gü­ter im Vor­feld des Betru­ges?, Diss.1993, S. 121 ff.; Schub­arth ZStW 92 (1980), 80, 91 f.; s.a. RefE zum 1. WiKG 1974, S. 36 ff. und Bericht Son­der­aus­schuss für die Straf­rechts­re­form, BT-Drs. 7/​5291, S. 14, 16[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 31.07.1979 – 1 StR 21/​79, BGHSt 29, 85, 88[]
  3. vgl. u.a. BGH, Urteil vom 24.04.1963 – 2 StR 81/​63, BGHSt 18, 333, 334[]
  4. BGH, Beschluss vom 26.07.1967 – 4 StR 38/​67, BGHSt 21, 277, 280 und Urteil vom 15.12 1955 – 4 StR 342/​55, BGHSt 8, 349, 355; s.a. BGH, Beschluss vom 31.07.1979 – 1 StR 21/​79, BGHSt 29, 85, 88; vgl. auch OLG Köln NJW 1982, 2740[]
  5. OLG Stutt­gart NStZ 1993, 545; Heger in Lackner/​Kühl, StGB, § 265b Rn. 1; Sali­ger in SSW-StGB, 2. Aufl., § 265b Rn. 2[]
  6. vgl. hier­zu Kieß­ner aaO S. 29 ff.[]
  7. BR-Drs. 5/​75, S. 4 ff.; BT-Drs. 7/​3441, S. 4 f., 32[]
  8. vgl. Saf­fer­ling, Inter­na­tio­na­les Straf­recht, 2011, S. 28; vgl. auch Werle/​Jeßberger in LK-StGB, 12. Aufl., § 6 Rn. 2 a.E.[]
  9. vgl. die aus die­sem Grun­de rein inlän­di­sche Wir­kung von Straf­tat­be­stän­den bei Ein­grif­fen in Steu­er­sys­te­me, Schmitz/​Wulf in Münch­Komm-StGB, § 370 AO Rn. 9 ; oder in staat­li­che Ver­sor­gungs­sys­te­me, vgl. BGH, Beschluss vom 31.07.1979 – 1 StR 21/​79, BGHSt 29, 85, 88 []
  10. vgl. BT-Drs. 7/​5291, S. 10[]
  11. vgl. BT-Drs. 14/​8998, S. 7 f.[]
  12. 98/​742/​JI, Abl. EG 1998 Nr. L 358, S. 2 ff.[]
  13. BT-Drs. 14/​8998, S. 7 f.[]