Pro­zess­be­trug im Insol­venz­eröff­nungs­ver­fah­ren

Der Betrug setzt vor­aus, dass der Täter durch Täu­schung einen Irr­tum erregt und der Getäusch­te irr­tums­be­dingt eine Ver­mö­gens­ver­fü­gung vor­nimmt 1.

Pro­zess­be­trug im Insol­venz­eröff­nungs­ver­fah­ren

In Fäl­len des Pro­zess­be­tru­ges als Unter­fall des Drei­ecks­be­tru­ges trifft ein Organ der Rechts­pfle­ge irr­tums­be­dingt eine Ent­schei­dung, die unmit­tel­bar die Ver­mö­gens­la­ge der mate­ri­ell Berech­tig­ten ver­än­dert 2.

Die Betrugs­hand­lung kann im Pro­zess­ver­kehr jeder Art began­gen wer­den 3, also auch im Eröff­nungs­ver­fah­ren nach § 11 ff. InsO, da der Insol­venz­schuld­ner gegen­über dem Insol­venz­ge­richt zu wahr­heits­ge­mä­ßen Aus­künf­ten und Anga­ben ver­pflich­tet ist (§ 13 Abs. 1 Satz 7 InsO, § 4 InsO i.V.m. § 138 ZPO).

Ergibt sich hier­bei, dass die Ent­schei­dun­gen des Insol­venz­ge­richts – näm­lich die Abwei­sung der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens man­gels Mas­se bzw. die Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens – die Ver­mö­gens­ver­fü­gung dar­stel­len, wird das Gericht bei sei­ner Ent­schei­dung zu beden­ken haben, dass nach der Abwei­sung der Insol­venz­eröff­nung man­gels Mas­se die Ein­zelzwangs­voll­stre­ckung der Insol­venz­schuld­ner wei­ter­hin mög­lich ist 4 und jeden­falls inso­weit die Scha­dens­er­mitt­lung nach den Grund­sät­zen der Ver­mö­gens­ge­fähr­dung zu erfol­gen hat 5. Zudem wird es in den Blick zu neh­men haben, ob die Tat sich noch im Sta­di­um des ver­such­ten Betrugs befand 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. August 2017 – 1 StR 625/​16

  1. BGH, Beschluss vom 30.06.2015 – 3 StR 9/​15, wis­tra 2015, 392 Rn. 4[]
  2. Kindhäuser/​Neumann/​Paeffgen, StGB, 5. Aufl., § 263 Rn. 340[]
  3. Lack­ner-LK, StGB, 10. Aufl., § 263 Rn. 304[]
  4. Schil­ken in Jae­ger, Insol­venz­ord­nung, § 26 Rn. 6[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 20.09.2016 – 2 StR 497/​15, BGHR StGB § 263 Abs. 1 Ver­mö­gens­scha­den 91; vgl. BVerfG, Beschluss vom 07.12 2011 – 2 BvR 2500/​09, BVerfGE 130, 1 – 51, Rn. 174; Tie­de­mann-LK, StGB, 12. Aufl., § 263 Rn. 234; Fischer, StGB, 64. Aufl., § 263 Rn. 159 mwN[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 25.10.1971 – 2 StR 238/​71, BGHSt 24, 257; Tie­de­mann-LK, StGB, 12. Aufl., § 263 Rn. 236[]