Schmier­geld­zah­lun­gen im geschäft­li­chen Ver­kehr – und die Unrechts­ver­ein­ba­rung

Vor­aus­set­zung einer Unrechts­ver­ein­ba­rung im Sin­ne von § 299 Abs. 1 StGB aF ist, dass der Vor­teil als Gegen­leis­tung für eine künf­ti­ge unlau­te­re Bevor­zu­gung ange­nom­men bzw. gewährt wird [1].

Schmier­geld­zah­lun­gen im geschäft­li­chen Ver­kehr – und die Unrechts­ver­ein­ba­rung

Bevor­zu­gung in die­sem Sin­ne bedeu­tet dabei die sach­frem­de Ent­schei­dung zwi­schen zumin­dest zwei Bewer­bern, setzt also Wett­be­werb und Benach­tei­li­gung eines Kon­kur­ren­ten vor­aus [2]. Das Tat­be­stands­merk­mal der Bevor­zu­gung im Wett­be­werb ist nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs sub­jek­ti­viert; es genügt, wenn die zum Zwe­cke des Wett­be­werbs vor­ge­nom­me­nen Hand­lun­gen nach der Vor­stel­lung des Täters geeig­net sind, eine Bevor­zu­gung im Wett­be­werb zu ver­an­las­sen [3]. Der Vor­stel­lung eines bestimm­ten ver­letz­ten Mit­be­wer­bers bedarf es dabei nicht [4].

Mit­be­wer­ber sind nicht nur die Erwerbs­ge­nos­sen, die sich im Ein­zel­fall um den Absatz ihrer Waren oder Leis­tun­gen bemüht haben und für die Erfül­lung der Auf­trä­ge in Aus­sicht genom­men sind, son­dern alle Gewer­be­trei­ben­den, die Waren oder Leis­tun­gen glei­cher oder ver­wand­ter Art her­stel­len oder in den geschäft­li­chen Ver­kehr brin­gen. Es genügt, dass der Bestechen­de mit der Mög­lich­keit des Wett­be­werbs ande­rer gerech­net hat [5].

Wegen der Beschrän­kung auf Bevor­zu­gun­gen im Wett­be­werb wur­den sons­ti­ge Fäl­le der mit „Schmier­geld­zah­lun­gen“ erkauf­ten Ver­let­zung von Pflich­ten durch Ange­stell­te oder Beauf­trag­te eines Unter­neh­mens außer­halb von Wett­be­werbs­la­gen nicht von § 299 Abs. 1 StGB aF erfasst.

Danach ver­nein­te der Bun­des­ge­richts­hof im hier ent­schie­de­nen Fall eine Straf­bar­keit wegen Bestechung bzw. Bestech­lich­keit im geschäft­li­chen Ver­kehr:

Nach den Fest­stel­lun­gen gab es aus der (den objek­ti­ven Umstän­den ent­spre­chen­den) Sicht der Betei­lig­ten kei­ne Wett­be­werbs­si­tua­ti­on, in der die E. AG gegen­über ande­ren mög­li­chen Inter­es­sen­ten hät­te bevor­zugt wer­den kön­nen. Dem Urteil ist viel­mehr zu ent­neh­men, dass der Zeu­ge He. der ers­te und ein­zi­ge ernst­haf­te (Kauf)Interessent war. Alle wei­te­ren Bemü­hun­gen, einen sol­chen zu fin­den, waren bis dahin vor dem Hin­ter­grund einer ange­spann­ten Situa­ti­on auf dem Immo­bi­li­en­markt unmit­tel­bar nach Beginn der Finan­zund Ban­ken­kri­se erfolg­los geblie­ben. Wie­der­ge­ge­ben wird in die­sem Zusam­men­hang die Aus­sa­ge des Zeu­gen T. in der Haupt­ver­hand­lung, man habe das Objekt „wie Sauer­bier“ ange­bo­ten und inso­weit unter erheb­li­chem Druck gestan­den. Denn es bestand sei­tens der Ge. die Sor­ge vor einer Auf­he­bung des Bebau­ungs­plans und dem damit ein­her­ge­hen­den Wert­ver­lust des Are­als. Damit lie­gen die Vor­aus­set­zun­gen des § 299 Abs. 1 StGB aF nicht vor.

Für die­se Fra­ge ist auch der Gesichts­punkt der Ver­trags­ab­wick­lung uner­heb­lich. Denn der Wett­be­werb wird nicht tan­giert, wenn die den Bezug von Waren oder Leis­tun­gen betref­fen­de Ent­schei­dung bereits abge­schlos­sen ist [6].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Janu­ar 2020 – 5 StR 385/​19

  1. BGH, Urteil vom 10.07.2013 – 1 StR 532/​12, NStZ 2014, 42, 43 f.; Beschluss vom 14.07.2010 – 2 StR 200/​10, wis­tra 2010, 447[]
  2. BGH, Beschluss vom 29.04.2015 – 1 StR 235/​14, NStZ-RR 2015, 278[]
  3. BGH, Beschluss vom 29.04.2015 – 1 StR 235/​14, aaO; vgl. krit. Bür­ger NZWiSt 2016, 72 f.[]
  4. BGH, Urteil vom 16.07.2004 – 2 StR 486/​03, NJW 2004, 3129, 3133[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 09.10.1990 – 1 StR 538/​89, inso­weit in BGHSt 37, 191 nicht abge­druckt; Münch­Komm-StGB/K­rick, 3. Aufl., § 299 Rn. 76[]
  6. vgl. Münch­Komm-StGB/K­rick, aaO, Rn. 76 mwN; NKStGB/​Dannecker, 5. Aufl., § 299 Rn. 73; BGH, Urteil vom 27.03.1968 – – I ZR 163/​65, NJW 1968, 1572, 1574[]