Steu­er­hin­ter­zie­hung – und die nach­zu­ent­rich­ten­den Sozialversicherungsbeiträge

Nach­zu­ent­rich­ten­de Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge sind auf­grund des in § 370 Abs. 4 Satz 3 AO nor­mier­ten Kom­pen­sa­ti­ons­ver­bo­tes erst auf der Straf­zu­mes­sungs­ebe­ne zu berücksichtigen.

Steu­er­hin­ter­zie­hung – und die nach­zu­ent­rich­ten­den Sozialversicherungsbeiträge

Nach dem Kom­pen­sa­ti­ons­ver­bot des § 370 Abs. 4 Satz 3 AO ist eine Steu­er im Fest­set­zungs­ver­fah­ren auch dann ver­kürzt, wenn die Steu­er, auf die sich die Tat bezieht, „aus ande­ren Grün­den“ hät­te ermä­ßigt wer­den kön­nen. Maß­geb­lich für das Ver­ständ­nis des Kom­pen­sa­ti­ons­ver­bots ist sein inne­rer Bezug zur Tat­be­stands­ver­wirk­li­chung. Dem­nach sind dem Täter nur der­ar­ti­ge Steu­er­vor­tei­le anzu­rech­nen, die sich aus der unrich­ti­gen Erklä­rung selbst ergeben.

Dies gilt jeden­falls, wenn die­se mit den ver­schlei­er­ten steu­er­er­hö­hen­den Tat­sa­chen in einem unmit­tel­ba­ren wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang ste­hen und dem Täter ohne Wei­te­res von Rechts wegen zuge­stan­den hät­ten [1].

Einen sol­chen aus­rei­chen­den Zusam­men­hang hat der Bun­des­ge­richts­hof neben ande­ren, sich ohne Wei­te­res aus wahr­heits­ge­mä­ßen Anga­ben erge­ben­den Steu­er­schul­den nun­mehr auch bezüg­lich nach­zu­ent­rich­ten­der Sozi­al­ver­si­che­rungs­ab­ga­ben aner­kannt, die auf durch Arbeit­neh­mer erziel­ten Betriebs­ein­nah­men las­ten [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Novem­ber 2020 – 1 StR 328/​19

  1. st. Rspr.; BGH, Urtei­le vom 13.09.2018 – 1 StR 642/​17, BGHSt 63, 203 Rn. 16; und vom 16.01.2020 – 1 StR 113/​19 Rn. 45[]
  2. BGH, Urteil vom 17.09.2020 – 1 StR 576/​18 Rn. 28[]

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