Straf­ba­re Ver­let­zung einer Gemein­schafts­mar­ke – und das mit der Uni­ons­mar­ke iden­ti­sche Zei­chen

Bei der Aus­le­gung des Benut­zungs­be­griffs des § 143a Abs. 1 Mar­kenG ist die nicht abschlie­ßen­de Auf­zäh­lung von Benut­zungs­hand­lun­gen in Art. 9 Abs. 3 UMV (gleich­lau­tend mit § 9 Abs. 2 GMV) zu berück­sich­ti­gen.

Straf­ba­re Ver­let­zung einer Gemein­schafts­mar­ke – und das mit der Uni­ons­mar­ke iden­ti­sche Zei­chen

Für natio­na­le Mar­ken ent­hält § 14 Abs. 3 Mar­kenG eine ent­spre­chen­de Rege­lung. Unter den Benut­zungs­be­griff fällt danach unter ande­rem die Ein­fuhr von Waren "unter dem Zei­chen".

Nach Auf­fas­sung des OLG Stutt­gart 1 ist im Ein­schmug­geln mar­ken­ge­schütz­ter Ware, bei dem die Mar­ken­zei­chen über­klebt sind, ein Benut­zen des Mar­ken­zei­chens nicht zu sehen, denn der Wort­sinn set­ze vor­aus, dass das Zei­chen in irgend­ei­ner Wei­se ein­ge­setzt oder wenigs­tens kennt­lich gemacht wer­de; eine Ein­fuhr "unter dem Zei­chen" kön­ne jeden­falls dann nicht mehr bejaht wer­den, wenn das Zei­chen bei der Ein­fuhr ver­steckt gehal­ten wer­de.

Die­ser Ansicht konn­te der Bun­des­ge­richts­hof jeden­falls im vor­lie­gen­den Fall nicht zustim­men 2. Der Anwen­dung von § 143a Mar­kenG ist eben­so wie der­je­ni­gen des § 14 Mar­kenG ein mar­ken­funk­tio­na­ler Benut­zungs­be­griff zugrun­de zu legen 3. Der Mar­ken­in­ha­ber erhält den Schutz sei­ner spe­zi­fi­schen mar­ken­recht­li­chen Inter­es­sen um sicher­zu­stel­len, dass die Mar­ke ihre Funk­ti­on erfül­len kann 4. Erfor­der­lich ist, dass die Benut­zung des Zei­chens durch einen Drit­ten die Funk­tio­nen der Mar­ke beein­träch­tigt oder beein­träch­ti­gen könn­te 5. Haupt­funk­ti­on der Mar­ke ist es, die Her­kunft der Ware gegen­über den Ver­brau­chern zu gewähr­leis­ten 6. Die Ein­fuhr einer sol­chen Ware ist unab­hän­gig davon, ob der Täter heim­lich oder offen impor­tiert, geeig­net, die Her­kunfts­funk­ti­on der Mar­ke 7 zu beein­träch­ti­gen. Der Schutz des Mar­ken­ge­set­zes rich­tet sich gegen den Import jeg­li­cher ohne Zustim­mung des Mar­ken­in­ha­bers mit der Mar­ke ver­se­he­ner Waren. Da die im Aus­land erfolg­te Kenn­zeich­nung von Waren infol­ge des Ter­ri­to­ria­li­täts­prin­zips nicht vom Ver­bie­tungs­recht des Mar­ken­in­ha­bers erfasst wird, soll bereits der Ein­tritt der mit dem Zei­chen ver­se­he­nen Waren in den Gel­tungs­be­reich der mar­ken­recht­li­chen Nor­men als inlän­di­sche Ver­let­zungs­hand­lung ver­folg­bar sein 8. Ein­fuhr "unter dem Zei­chen" ist dem­nach der Import wider­recht­lich gekenn­zeich­ne­ter Ware 9. Sie stellt eine Benut­zungs­hand­lung zur Begrün­dung einer Mar­ken­rechts­ver­let­zung dar 10. Unge­ach­tet des­sen, dass Art. 9 Abs. 3 UMV bzw. § 9 Abs. 2 GMV nur Aus­le­gungs­re­geln ent­hal­ten und nicht Gegen­stand der Straf­norm sind, steht ihr Wort­laut die­sem Ver­ständ­nis nicht ent­ge­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Janu­ar 2018 – 5 StR 554/​17

  1. OLG Stutt­gart, NStZ-RR 2000, 25 f.[]
  2. Fezer, Mar­ken­recht, 4. Aufl., § 14 Mar­kenG Rn. 860; Ebert-Wei­den­fel­ler in: Achenbach/​Ransiek/​Rönnau, Hand­buch des Wirt­schafts­straf­rechts, 4. Aufl., Kapi­tel Mar­ken­straf­recht Rn. 69; vgl. auch BGH, Urteil vom 10.06.1998 – 5 StR 72/​98, StV 1998, 663[]
  3. Büscher aaO § 14 Mar­kenG Rn. 120[]
  4. EuGH GRUR 2007, 318 Nr. 21[]
  5. EuGH GRUR 2005, 153 Nr. 59[]
  6. EuGH GRUR 2003, 55 Nr. 51; Büscher aaO § 14 Mar­kenG Rn. 121[]
  7. vgl. Thier­ing in: Ströbele/​Hacker/​Thiering, § 14 Rn. 97 f.[]
  8. Schw­ey­er in: v. Schultz, Mar­ken­recht, 3. Aufl., § 14 Mar­kenG Rn. 228[]
  9. Hacker aaO Rn. 179; Ekey aaO § 14 Rn. 328; Schw­ey­er aaO[]
  10. Fezer aaO[]