Straf­ba­re Ver­let­zung einer Gemein­schafts­mar­ke – und das Anhal­ten der Ware durch den Zoll

Eine Ein­fuhr liegt vor, wenn die gekenn­zeich­ne­te Ware aus dem Aus­land tat­säch­lich in den Schutz­be­reich des Mar­ken­ge­set­zes über­führt wor­den ist 1.

Straf­ba­re Ver­let­zung einer Gemein­schafts­mar­ke – und das Anhal­ten der Ware durch den Zoll

Täter die­ser Ver­let­zungs­hand­lung ist nicht nur, wer im Zeit­punkt des Grenz­über­tritts bzw. bei Nicht­uni­ons­wa­ren im Zeit­punkt ihres Sta­tus­wech­sels zu Uni­ons­wa­ren die tat­säch­li­che Ver­fü­gungs­ge­walt über die Ware hat, son­dern auch der die Ein­fuhr ver­an­las­sen­de im geschäft­li­chen Ver­kehr han­deln­de inlän­di­sche Bestel­ler der Ware 2.

Auch eine Grenz­be­schlag­nah­me steht der Ein­fuhr nicht ent­ge­gen 3.

Die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung 4 über­zeugt nicht, da dadurch der Grenz­be­schlag­nah­me, die gemäß § 146 Abs. 1 Satz 1 Mar­kenG "bei der Ein­fuhr" erfolgt, die­se also vor­aus­setzt, die Grund­la­ge ent­zo­gen wür­de 5. Der in den ver­schie­dens­ten Geset­zen ver­wen­de­te Ein­fuhr­be­griff ist kein ein­heit­li­cher, son­dern muss für jedes von ihnen nach sei­nem spe­zi­el­len Sinn und Zweck aus­ge­legt wer­den 6. Die Auf­nah­me der "Ein­fuhr" als Benut­zungs­hand­lung soll­te den Ver­let­zungs­tat­be­stand im Inter­es­se effek­ti­ven Mar­ken­schut­zes gera­de so weit wie mög­lich nach vor­ne ver­la­gern 7.

Die­ser Ziel­rich­tung wür­de es nicht ent­spre­chen, für eine voll­ende­te Ein­fuhr nicht schon das Her­ein­schaf­fen der Ware ins inlän­di­sche Hoheits­ge­biet genü­gen zu las­sen, son­dern bei­spiels­wei­se zusätz­lich zu for­dern, dass die Ware die Zoll­stel­le pas­siert hat. Gelangt die Ware in das Bun­des­ge­biet, kommt es für die Benut­zungs­hand­lung der Ein­fuhr nicht mehr dar­auf an, ob ein nach­fol­gen­des Inver­kehr­brin­gen als wei­te­re eigen­stän­di­ge Ver­let­zungs­hand­lung durch die Beschlag­nah­me ver­hin­dert wird 8.

Unge­ach­tet des "Anhal­tens" der Ware durch den deut­schen Zoll am Flug­ha­fen Tegel liegt daher im ver­fah­rens­ge­gen­ständ­li­chen Fall eine Ein­fuhr vor. Sie erfolg­te auch zum Zweck des Inver­kehr­brin­gens 9 und stellt eine Benut­zungs­hand­lung im Sin­ne des § 143a Abs. 1 Nr. 1 Mar­kenG dar.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Janu­ar 2018 – 5 StR 554/​17

  1. Büscher aaO § 14 Mar­kenG Rn. 575; Ingerl/​Rohnke, Mar­ken­ge­setz, 3. Aufl., § 14 Mar­kenG Rn. 241; Schw­ey­er aaO § 14 Rn. 228; vgl. dem­ge­gen­über zur Durch­fuhr EuGH GRUR 2006, 146[]
  2. OLG Ham­burg, GRUR-RR 2007, 350 f.; Ingerl/​Rohnke aaO § 14 Rn. 244[]
  3. OLG Ham­burg aaO; Büscher aaO; Ebert-Wei­den­fel­ler aaO Rn. 70; Ekey aaO, § 14 Mar­kenG Rn. 329; Fezer aaO, § 14 Mar­kenG Rn. 860; Hacker in: Ströbele/​Hacker/​Thiering, § 14 Rn. 179; Ingerl/​Rohnke aaO[]
  4. OLG Bre­men, NJWE-Wett­bR 2000, 46[]
  5. Hacker aaO[]
  6. BGH, Urteil vom 11.10.1986 – 2 StR 335/​86, BGHSt 34, 180, 182 mwN[]
  7. Ingerl/​Rohnke aaO Rn. 244[]
  8. Ingerl/​Rohnke aaO[]
  9. vgl. zu die­sem Erfor­der­nis Hacker aaO § 14 Rn. 181 ff.; Büscher aaO § 14 Mar­kenG Rn. 575; Ingerl/​Rohnke § 14 Rn. 241 f.[]