Teil­wei­se Geld­wä­sche – ganz Geld­wä­sche

Ist Giral­geld sowohl aus recht­mä­ßi­gen Zah­lungs­ein­gän­gen als auch aus von § 261 Abs. 1 Satz 2 StGB erfass­ten Straf­ta­ten her­vor­ge­gan­gen, han­delt es sich dabei ins­ge­samt um einen „Gegen­stand“, der aus Vor­ta­ten „her­rührt“, wenn der aus die­sen stam­men­de Anteil bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se nicht völ­lig uner­heb­lich ist.

Teil­wei­se Geld­wä­sche – ganz Geld­wä­sche

Gegen­stand ist jeder Ver­mö­gens­ge­gen­stand, der sei­nem Inhalt nach beweg­li­che oder unbe­weg­li­che Sachen oder Rech­te umfasst [1]. Dazu gehört Buch­geld eben­so wie For­de­run­gen im All­ge­mei­nen [2].

Der Tat­ob­jekts­ei­gen­schaft der gesam­ten Gut­ha­ben steht nicht ent­ge­gen, dass die­se im genann­ten Tat­zeit­raum sowohl aus recht­mä­ßi­gen Zah­lungs­ein­gän­gen als auch aus den Untreue- und Betrugs­straf­ta­ten des Ange­klag­ten resul­tier­ten. Jeden­falls bei den von dem Land­ge­richt fest­ge­stell­ten Antei­len des Zuflus­ses aus delik­ti­schen Quel­len zwi­schen 5, 9 % bis ca. 35 % in den Jah­ren 2007 bis 2009 war das jewei­li­ge Giral­geld ins­ge­samt ein aus Straf­ta­ten nach § 261 Abs. 1 Satz 2 StGB stam­men­der Gegen­stand. Es bedarf daher vor­lie­gend kei­ner Fest­le­gung, ob es in Fäl­len der Ver­mi­schung von Mit­teln aus recht­mä­ßi­gen und unrecht­mä­ßi­gen Quel­len einer Min­dest­quo­te des delik­ti­schen Anteils bedarf [3], um ins­ge­samt von einem taug­li­chen Tat­ob­jekt der Geld­wä­sche aus­ge­hen zu kön­nen.

Der Bun­des­ge­richts­hof folgt damit einer in der Recht­spre­chung [4] und in der Straf­rechts­wis­sen­schaft [5] viel­fach ver­tre­te­nen Auf­fas­sung. Danach kommt es in Fäl­len der Ver­mi­schung im Grund­satz ledig­lich dar­auf an, dass der aus Vor­ta­ten her­rüh­ren­de Anteil bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tung nicht völ­lig uner­heb­lich ist. Dafür spricht sowohl die Aus­le­gung des § 261 Abs. 1 StGB anhand der Ent­ste­hungs­ge­schich­te als auch der mit der Straf­vor­schrift ver­folg­te Zweck [6]. Aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en im Zuge der Ein­füh­rung des § 261 StGB ist die Vor­stel­lung der am Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren Betei­lig­ten deut­lich abzu­le­sen, Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de, die aus einer Ver­mi­schung von Mit­teln aus lega­len und ille­ga­len Quel­len ent­stan­den sind, ins­ge­samt als Gegen­stän­de anzu­se­hen, die aus einer Straf­tat her­rüh­ren [7]. Die­se Vor­stel­lung hat in den sprach­lich wei­ten Begrif­fen „Gegen­stand“ und „her­rührt“ hin­rei­chend deut­lich Aus­druck gefun­den [8]. Der Zweck des Geld­wä­sche­tat­be­stan­des, das Ein­schleu­sen von Ver­mö­gens­ge­gen­stän­den aus bestimm­ten Kri­mi­na­li­täts­for­men in den lega­len Finanz- und Wirt­schafts­kreis­lauf zu ver­hin­dern [9], spricht eben­falls für eine Ein­be­zie­hung von Ver­mi­schungs­kon­stel­la­tio­nen in den Kreis gemäß § 261 Abs. 1 StGB taug­li­cher Tat­ob­jek­te [10]. Die not­wen­di­ge Begren­zung [11] erfolgt, indem der aus delik­ti­schen Quel­len stam­men­de Anteil nicht ledig­lich völ­lig uner­heb­lich sein darf.

Unter die Tathnad­lung des Ver­wen­dens i.S.v. § 261 Abs. 2 Nr. 2 StGB fällt jeder bestim­mungs­ge­mä­ße Gebrauch des inkri­mi­nier­ten Gegen­stan­des [12].Das ist bei allen Ver­fü­gun­gen über das jewei­li­ge Gut­ha­ben auf dem Kon­to in Gestalt des Täti­gens von Über­wei­sun­gen, der Bar­ab­he­bung, der Ertei­lung von Ermäch­ti­gun­gen zum Last­schrif­ten­ein­zug sowie der von Ein­zugs­er­mäch­ti­gun­gen der Fall. Dabei ist für das Last­schrift­ein­zugs­ver­fah­ren und die Ertei­lung von Ein­zugs­er­mäch­ti­gun­gen selbst dann nur eine Tat­hand­lung anzu­neh­men, wenn die Begüns­tig­ten mehr­fach von der ihnen erteil­ten Ermäch­ti­gung (bei peri­odisch fäl­lig wer­den­den Schul­den) Gebrauch gemacht haben.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Mai 2015 – 1 StR 33/​15

  1. vgl. Fischer, StGB, 62. Aufl., § 261 Rn. 6; Neu­heu­ser in Mün­che­ner Kom­men­tar zum StGB, 2. Aufl., Band 4, § 261 Rn. 29 mwN; näher Voß, Die Tat­ob­jek­te der Geld­wä­sche, 2007, S. 16 ff.[]
  2. Neu­heu­ser aaO mwN; sie­he auch BT-Drs. 12/​989 S. 27 li.Sp.[]
  3. so etwa Bar­ton NStZ 1993, 159, 163 f.; Leip/​Hardtke wis­tra 1997, 281, 283; Leip, Der Straf­tat­be­stand der Geld­wä­sche, 2. Aufl., S. 108 – 110[]
  4. OLG Karls­ru­he, Beschluss vom 20.01.2005 – 3 Ws 108/​04, NJW 2005, 767, 769[]
  5. etwa Schmidt/​Krause in Leip­zi­ger Kom­men­tar zum StGB, 12. Aufl., Band 8, § 261 Rn. 12; Alten­hain in Nomos Kom­men­tar zum StGB, 4. Aufl., Band 3; § 261 Rn. 76 f.; sie­he auch Neu­heu­ser aaO Rn. 55 f.; krit. Voß aaO S. 50 – 52[]
  6. eben­so Alten­hain aaO § 261 Rn. 76[]
  7. BT-Drs. 12/​3533 S. 12 re.Sp. mit dem dor­ti­gen Bei­spiel[]
  8. sie­he zur Wort­be­deu­tung „her­rüh­ren“ bereits BGH, Beschluss vom 18.02.2009 – 1 StR 4/​09, BGHSt 53, 205, 208 – 210 Rn. 12 – 15[]
  9. BT-Drs. 12/​989 S. 26 li.Sp.[]
  10. eben­so OLG Karls­ru­he aaO, Alten­hain aaO; inso­weit auch Neu­heu­ser aaO; Leip/​Hardtke wis­tra 1997, 281, 284[]
  11. vgl. BT/​Drucks. 12/​989 S. 27 li.Sp.[]
  12. Neu­heu­ser NStZ 2008, 492, 496 mwN[]