Unrich­ti­ge Dar­stel­lung der wirt­schaft­li­chen Lage einer Bank-Akti­en­ge­sell­schaft

Das abs­trak­te Gefähr­dungs­de­likt des § 400 Abs. 1 Nr. 1 AktG bedarf einer ein­schrän­ken­den Aus­le­gung.

Unrich­ti­ge Dar­stel­lung der wirt­schaft­li­chen Lage einer Bank-Akti­en­ge­sell­schaft

Die Vor­schrift dient dem Schutz von Aktio­nä­ren und drit­ten Per­so­nen, die zu der Akti­en­ge­sell­schaft in recht­li­cher oder wirt­schaft­li­cher Bezie­hung ste­hen oder in eine sol­che Bezie­hung tre­ten wol­len und des­halb an dem Ver­mö­gens­stand, den Ver­hält­nis­sen und der Ver­trau­ens­wür­dig­keit der Gesell­schaft inter­es­siert sind 1.

Ange­sichts die­ses Schutz­zwecks sind Erklä­run­gen aus dem Tat­be­stand aus­zu­schlie­ßen, die bei abs­trak­ter Betrach­tungs­wei­se für eine Ent­schei­dung der geschütz­ten Per­so­nen, mit der Gesell­schaft in recht­li­che oder wirt­schaft­li­che Bezie­hun­gen zu tre­ten, nicht rele­vant sind 2.

Dabei ist bei einer Bank zu berück­sich­ti­gen, dass dem Ver­hält­nis der feh­ler­haft dar­ge­stell­ten Ertrags­la­ge (hier: von ins­ge­samt rund 112 Mio. €: Gewinn in Höhe von 81 Mio. € statt Ver­lust in Höhe von 31 Mio. €) zur Bilanz­sum­me und zum Gesamt­ge­schäfts­vo­lu­men kei­ne aus­schlag­ge­ben­de Bedeu­tung zukom­men kann. Die­ser Bezugs­rah­men ist für Ban­ken wenig geeig­net, da die­se auf­grund ihres Geschäfts­zwecks – Ent­ge­gen­nah­me von Fremd­gel­dern zwecks Aus­rei­chung von Dar­le­hen im Aktiv­ge­schäft – regel­mä­ßig über beson­ders hohe Bilanz­sum­men ver­fü­gen, mit­hin sich die Rela­ti­on in den meis­ten Fäl­len als gering­fü­gig dar­stel­len wird.

Ohne­hin kön­nen quan­ti­ta­ti­ve Gren­zen, wie sie in der Lite­ra­tur dis­ku­tiert wer­den 3, nur Anhalts­punk­te für die Erheb­lich­keit lie­fern. Sie stel­len ledig­lich Indi­ka­to­ren dar und sind durch qua­li­ta­ti­ve Beur­tei­lungs­kri­te­ri­en zu ergän­zen. Ins­be­son­de­re in Zwei­fels­fäl­len ist eine Gesamt­be­trach­tung aller Umstän­de unver­zicht­bar 4.

Eine sol­che Gesamt­be­trach­tung muss auch bei einer Bank vor­ge­nom­men wer­den. Dabei muss ein­ge­stellt wer­den, dass die Ertrags­la­ge der Bank für die Kapi­tal­markt­öf­fent­lich­keit unter dem Ein­druck der Sub­prime-Kri­se und des durch sie her­vor­ge­ru­fe­nen all­ge­mei­nen Miss­trau­ens gegen­über Finanz­in­sti­tu­ten von gro­ßer Bedeu­tung war. Soweit das Land­ge­richt ergän­zend aus­führt, dass es für die Erheb­lich­keit kei­nen Unter­schied mache, ob die unrich­ti­ge Dar­stel­lung der Ertrags­la­ge zu einem Wech­sel vom Ver­lust- in den Gewinn­be­reich füh­re, ver­mag dies im vor­lie­gen­den Fall nicht zu über­zeu­gen. Vor dem Hin­ter­grund der Sub­prime-Kri­se war es viel­mehr von nicht gerin­gem Belang, ob die Bank trotz ange­spann­ter Kapi­tal­markt­la­ge einen (klei­nen) Quar­tals­ge­winn errei­chen konn­te oder ob sie – von die­ser getrof­fen – einen Ver­lust hin­zu­neh­men hat­te. Dies gilt umso mehr vor dem Hin­ter­grund des (ursprüng­lich) geplan­ten Bör­sen­gangs.

Inso­weit muss auch näher dar­legt wer­den, ob die­ser zum Zeit­punkt der Ver­öf­fent­li­chung des Quar­tals­be­rich­tes und der Pres­se­mit­tei­lung noch beab­sich­tigt war. Gera­de für (poten­ti­el­le) Anle­ger war die Fra­ge bedeut­sam, ob trotz ange­spann­ter Kapi­tal­markt­la­ge ein Gewinn erzielt wer­den konn­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 12. Okto­ber 2016 – 5 StR 134/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 16.12 2004 – 1 StR 420/​03, BGHSt 49, 381; Schaal in Erbs/​Kohlhaas, Straf­recht­li­che Neben­ge­set­ze, Ergän­zungs­lie­fe­rung Sep­tem­ber 2016, AktG § 400 Rn. 2[]
  2. OLG Frank­furt, NStZ-RR 2002, 275[]
  3. vgl. Beck Bil-Kom­m/­Schell­horn/Win­kel­jo­hann HGB, § 264 Rn. 56[]
  4. vgl. Dan­ne­cker in Staub, Groß­kom­men­tar HGB, 5. Aufl., § 331 Rn. 64 mwN[]