Ver­un­treu­ung mit­hil­fe von Toch­ter­fir­men

Vor dem Bun­des­ge­richts­hofs blieb jetzt die Revi­si­on gegen ein Urteil des Land­ge­richts Wies­ba­den ohne Erfolg, in dem ein Vor­stands­mit­glied der AEGIS-Grup­pe wegen Untreue in 68 Fäl­len zu einer Gesamt­frei­heits­stra­fe von 11 Jah­ren und 3 Mona­ten ver­ur­teilt wur­de [1].

Ver­un­treu­ung mit­hil­fe von Toch­ter­fir­men

Nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts Wies­ba­den war der Ange­klag­te geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied der AEGIS Media GmbH mit Sitz in Wies­ba­den, deren Geschäfts­tä­tig­keit sich auf die Media­pla­nung vor­nehm­lich im Bereich der Fern­seh­wer­bung, erstreck­te. Die­se unter­hielt regio­nal agie­ren­de Medi­en­agen­tu­ren wie zum Bei­spiel die Carat Wies­ba­den GmbH, deren Auf­ga­be es war, Wer­be­zei­ten auf eige­ne Rech­nung ein­zu­kau­fen und an die Kun­den wei­ter­zu­ver­kau­fen. Abhän­gig vom Volu­men der Agen­tur erhiel­ten sie Rabat­te in Form von kos­ten­frei­en Wer­be­zei­ten (sog. Agen­tur­frei­zei­ten). Die­se ver­kauf­ten die Agen­tu­ren unter ande­rem im Rah­men von Son­der­ver­ein­ba­run­gen zu ver­güns­ti­gen Prei­sen an inter­es­sier­te Kun­den.

Im Rah­men eines sol­chen Ver­kaufs von Agen­tur­frei­zei­ten traf der der Ange­klag­te mit der ZHP GmbH eine heim­li­che Zusatz-Ver­ein­ba­rung, dass die­se nicht nur 20% des Lis­ten­prei­ses an die Agen­tur zah­len soll­te, son­dern dar­über hin­aus rund 50 % des Lis­ten­prei­ses an Dritt­ge­sell­schaf­ten für angeb­li­che Bera­tungs­leis­tun­gen. Bei die­sen Dritt­ge­sell­schaf­ten han­del­te es sich um auf Ver­an­las­sung des Ange­klag­ten gegrün­de­te Satel­li­ten­fir­men, deren Exis­tenz inner­halb der AEGIS-Grup­pe nicht bekannt war und über deren Gel­der vom Ange­klag­ten als Treu­hän­der ein­ge­setz­te Per­so­nen auf des­sen Anwei­sung ver­füg­ten.

Des Wei­te­ren bewirk­te der Ange­klag­te unter ande­rem durch Mani­pu­la­tio­nen in der Buch­hal­tung, dass die Agen­tu­ren über Jah­re hin­weg Wer­be­zei­ten ver­kauf­ten in der Annah­me, die­se sei­en für 70% des Lis­ten­prei­ses von der Emer­son FF GmbH güns­tig ein­ge­kauft wor­den. Tat­säch­lich han­del­te es sich aber um eige­ne Agen­tur­frei­zei­ten der Agen­tu­ren. Die Agen­tu­ren zahl­ten dem­entspre­chend ohne Rechts­grund 70 % des Lis­ten­prei­ses an die Emer­son FF GmbH. Der Ange­klag­te ver­an­lass­te, dass auch die­se Gel­der monat­lich an die Satel­li­ten­fir­men wei­ter­ge­lei­tet wur­den.

Hier­durch ent­stand der AEGIS-Grup­pe ein Scha­den von ins­ge­samt 37,8 Mio. €. Die­se Sum­me nutz­te der Ange­klag­te unter ande­rem zur Finan­zie­rung sei­nes auf­wän­di­gen Lebens­stils.

Das Land­ge­richt hat den Ange­klag­ten auf­grund die­sen Sach­ver­halts wegen 68 Fäl­len der Untreue im beson­ders schwe­ren Fall gemäß § 266 Abs. 1 2. Alt., Abs. 2 StGB ver­ur­teilt.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Revi­si­on des Ange­klag­ten, der die Ver­let­zung for­mel­len und mate­ri­el­len Rechts bean­stan­det hat­te, als offen­sicht­lich unbe­grün­det ver­wor­fen, weil die Nach­prü­fung des Urteils kei­nen Rechts­feh­ler zu sei­nem Nach­teil erge­ben hat. Die Ver­ur­tei­lung ist damit rechts­kräf­tig.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Dezem­ber 2010 – 2 StR 196/​10

  1. LG Wies­ba­den, Urteil vom 12.05.2009 – 6 KLs 1160 Js 26113/​05[]