Vor­ent­hal­ten und Ver­un­treu­en von Arbeits­ent­gelt – und die geschul­de­ten Beträ­ge

Dem Tat­ge­richt obliegt es nach stän­di­ger Recht­spre­chung, die geschul­de­ten Bei­trä­ge – für die jewei­li­gen Fäl­lig­keits­zeit­punk­te geson­dert – nach Anzahl, Beschäf­ti­gungs­zei­ten, Löh­nen der Arbeit­neh­mer und der Höhe des Bei­trags­sat­zes der ört­lich zustän­di­gen Kran­ken­kas­se fest­zu­stel­len, um eine revi­si­ons­ge­richt­li­che Nach­prü­fung zu ermög­li­chen 1, weil die Höhe der geschul­de­ten Bei­trä­ge auf der Grund­la­ge des Arbeits­ent­gelts nach den Bei­trags­sät­zen der jewei­li­gen Kran­ken­kas­sen sowie den gesetz­lich gere­gel­ten Bei­trags­sät­zen der Ren­ten, Arbeits­lo­sen­und Pfle­ge­ver­si­che­rung zu berech­nen ist 2.

Vor­ent­hal­ten und Ver­un­treu­en von Arbeits­ent­gelt – und die geschul­de­ten Beträ­ge

Falls sol­che Fest­stel­lun­gen im Ein­zel­fall nicht mög­lich sind, kann die Höhe der vor­ent­hal­te­nen Bei­trä­ge auf Grund­la­ge der tat­säch­li­chen Umstän­de geschätzt wer­den 3.

Danach durf­te das Land­ge­richt im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall die Höhe der vor­ent­hal­te­nen Bei­trä­ge schät­zen. Die Grund­la­gen die­ser Schät­zung hat es nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt, indem es das aus­ge­zahl­te Net­to­ar­beits­ent­gelt für jeden ein­zel­nen Arbeit­neh­mer anhand der fest­ge­stell­ten Pro­vi­si­ons­zah­lun­gen über die abge­schlos­se­nen Abon­ne­ments fest­ge­stellt und tabel­la­risch auf­ge­führt hat. Dabei hat es sich rechts­feh­ler­frei an den güns­tigs­ten Bei­trags­sät­zen ori­en­tiert, um einen als erwie­sen ange­se­he­nen Min­dest­schuld­um­fang (§ 261 StPO) 4 fest­stel­len zu kön­nen.

Zwar hat es der Hoch­rech­nung des Net­to­ent­gelts auf das Brut­to­ent­gelt nach § 14 Abs. 2 Satz 2 SGB IV 5 die unzu­tref­fen­de Annah­me zugrun­de gelegt, dass die Abzü­ge vom Brut­to­ar­beits­lohn, näm­lich Lohn­steu­er, Soli­da­ri­täts­zu­schlag, ggf. Kir­chen­steu­er und Sozi­al­ver­si­che­rungs­ab­ga­ben, in der Steu­er­klas­se – VI immer 40 % betra­gen. Der Bun­des­ge­richts­hof kann aber anhand der mit­ge­teil­ten Berech­nungs­grund­la­gen hier aus­schlie­ßen, dass eine Neu­be­rech­nung des Brut­to­ent­gelts für den jewei­li­gen Arbeit­neh­mer pro Monat einen Scha­dens­be­trag erge­ben hät­te, der zu einer maß­geb­li­chen Ver­än­de­rung des Schuld­ge­halts der Taten und zu einer abwei­chen­den Straf­zu­mes­sung durch das Land­ge­richt geführt hät­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Dezem­ber 2018 – 1 StR 444/​18

  1. BGH, Beschlüs­se vom 04.03.1993 – 1 StR 16/​93, StV 1993, 364; vom 20.04.2016 – 1 StR 1/​16, NStZ 2017, 352, 353; und vom 05.07.2018 – 1 StR 111/​18 Rn. 12; Urteil vom 20.03.1996 – 2 StR 4/​96, NStZ 1996, 543; Münch­Komm-StG­B/­Rad­tke StGB, 3. Aufl., § 266a Rn. 61, 133[]
  2. BGH, Urteil vom 11.08.2010 – 1 StR 199/​10, NStZ-RR 2010, 376[]
  3. BGH, Beschluss vom 10.11.2009 – 1 StR 283/​09, NStZ 2010, 635 Rn. 4 ff.; Münch­Komm-StG­B/­Rad­tke StGB, 3. Aufl., § 266a Rn. 136 f.[]
  4. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 20.12 2016 – 1 StR 505/​16, Stra­Fo 2017, 254, 256; vom 06.04.2016 – 1 StR 523/​15, NStZ 2016, 728, 729; und vom 10.11.2009 – 1 StR 283/​09, NStZ 2010, 635 Rn. 8[]
  5. vgl. hier­zu BGH, Beschlüs­se vom 20.04.2016 – 1 StR 1/​16, NStZ 2017, 352, 353; und vom 06.04.2016 – 1 StR 523/​15, wis­tra 2016, 363 Rn. 18 ff.[]