Vor­ent­hal­ten und Ver­un­treu­en von Arbeits­ent­gelt – und die Ver­jäh­rung

Nach § 78a Satz 1 StGB beginnt die Ver­fol­gungs­ver­jäh­rung sobald die Tat been­det ist.

Vor­ent­hal­ten und Ver­un­treu­en von Arbeits­ent­gelt – und die Ver­jäh­rung

Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung – von der abzu­wei­chen der vor­lie­gen­de Fall kei­nen Anlass gibt – tritt bei Taten des Vor­ent­hal­tens und Ver­un­treu­ens von Arbeits­ent­gelt nach § 266a Abs. 1 StGB als ech­tem Unter­las­sungs­de­likt Been­di­gung erst ein, wenn die Bei­trags­pflicht erlo­schen ist 1,

  • sei es durch Bei­trags­ent­rich­tung,
  • sei es durch Weg­fall des Bei­trags­schuld­ners 2 oder
  • durch das Aus­schei­den des Täters aus der Ver­tre­ter­stel­lung 3.

Die Bei­trags­pflicht einer natür­li­chen Per­son erlischt, wenn kein ande­rer Grund (Zah­lung, Ver­jäh­rung) vor­liegt, erst mit dem Tod der natür­li­chen Per­son 4. Es ist uner­heb­lich, wann die gewerb­li­che Tätig­keit des Ein­zel­un­ter­neh­mens ein­ge­stellt wird. Denn das Ein­zel­un­ter­neh­men ist nicht der Arbeit­ge­ber nach § 266a Abs. 1 StGB, da die­sem die eigen­stän­di­ge Rechts­per­sön­lich­keit fehlt.

Ver­tre­ter ist nach § 14 Abs. 2 Satz 1 StGB u.a. der­je­ni­ge, der von dem Inha­ber eines Betrie­bes bzw. Unter­neh­mens oder sonst dazu befugt ist, den Betrieb ganz oder zum Teil zu lei­ten. Für einen Ver­tre­ter in die­sem Sin­ne beginnt die Ver­jäh­rungs­frist, sobald sei­ne Pflicht zu han­deln, ent­fällt 5. Dies ist der Fall, sobald sei­ne Ver­tre­ter­stel­lung endet.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Dezem­ber 2018 – 1 StR 444/​18

  1. vgl. nur BGH, Beschluss vom 07.03.2012 – 1 StR 662/​11, wis­tra 2012, 235 Rn. 4; Fischer, StGB, 66. Aufl., § 78a Rn. 14 und § 266a Rn. 18a[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 07.03.2012 – 1 StR 662/​11, NZWiSt 2013, 64 mwN[]
  3. Münch­Komm-StG­B/­Rad­tke StGB, 3. Aufl., § 266a Rn. 116[]
  4. vgl. Thul in Mül­ler­Gu­gen­ber­ger, Wirt­schafts­straf­recht, 6. Aufl., A. Bei­trags­vor­ent­hal­tung Rn. 278; Hüls/​Reichling, Stra­Fo 2011, 305 f.[]
  5. BGH, Urteil vom 04.04.1979 – 3 StR 488/​78, BGHSt 28, 371, 380; Münch­Komm-StG­B/­Rad­tke StGB, 3. Aufl., § 266a Rn. 116[]