Vor­ent­hal­te­ne Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge – und die not­wen­di­gen Fest­stel­lun­gen des Straf­rich­ters

Ein Schuld­spruch wegen der Vor­ent­hal­tung von Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­gen hält revi­si­ons­ge­richt­li­cher Über­prü­fung nicht stand, wenn die Berech­nung der vor­ent­hal­te­nen Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge nicht nach­voll­zieh­bar ist.

Vor­ent­hal­te­ne Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge – und die not­wen­di­gen Fest­stel­lun­gen des Straf­rich­ters

Dem Tat­ge­richt obliegt es nach stän­di­ger Recht­spre­chung, die geschul­de­ten Bei­trä­ge – für die jewei­li­gen Fäl­lig­keits­zeit­punk­te geson­dert – nach Anzahl, Beschäf­ti­gungs­zei­ten, Löh­nen der Arbeit­neh­mer und der Höhe des Bei­trags­sat­zes der ört­lich zustän­di­gen Kran­ken­kas­se fest­zu­stel­len, um eine revi­si­ons­ge­richt­li­che Nach­prü­fung zu ermög­li­chen, weil die Höhe der geschul­de­ten Bei­trä­ge auf der Grund­la­ge des Arbeits­ent­gelts nach den Bei­trags­sät­zen der jewei­li­gen Kran­ken­kas­sen sowie den gesetz­lich gere­gel­ten Bei­trags­sät­zen der Ren­ten, Arbeits­lo­sen- und Pfle­ge­ver­si­che­rung zu berech­nen ist.

Falls sol­che Fest­stel­lun­gen im Ein­zel­fall nicht mög­lich sind, kann die Höhe der vor­ent­hal­te­nen Bei­trä­ge auf Grund­la­ge der tat­säch­li­chen Umstän­de geschätzt wer­den. Die Grund­sät­ze, die die Recht­spre­chung bei Taten nach § 370 AO für die Dar­le­gung der Berech­nungs­grund­la­gen der ver­kürz­ten Steu­ern ent­wi­ckelt hat, gel­ten inso­weit ent­spre­chend.

Es genügt nicht, die vor­ent­hal­te­nen Sozi­al­ver­si­che­rungs­bei­trä­ge ledig­lich der Höhe nach anzu­ge­ben. Viel­mehr müs­sen die Urteils­grün­de die Berech­nungs­grund­la­gen und Berech­nun­gen im Ein­zel­nen wie­der­ge­ben1.

Ist dem Revi­si­ons­ge­richt die sach­lich­recht­li­che Über­prü­fung auf­grund unzu­rei­chen­der Fest­stel­lung der Berech­nungs­grund­la­gen nicht zuver­läs­sig mög­lich, so beruht das Urteil grund­sätz­lich auf einer Ver­let­zung des Geset­zes (§ 337 StPO; BGH, Urteil vom 12.05.2009 – 1 StR 718/​08 aaO 2548, Rn. 23 zu Besteue­rungs­grund­la­gen).

Aus­nahms­wei­se kann trotz unzu­rei­chen­der Dar­stel­lung ein Beru­hen dann aus­ge­schlos­sen wer­den, wenn sich die Dar­stel­lungs­män­gel allein auf die Über­prüf­bar­keit der Höhe der hin­ter­zo­ge­nen Steu­ern oder Sozi­al­ab­ga­ben – mit­hin die Über­prüf­bar­keit des Schuld­um­fangs – durch das Revi­si­ons­ge­richt bezie­hen und auf der Grund­la­ge der getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen sicher aus­ge­schlos­sen wer­den kann, dass die Berech­nung den Ange­klag­ten in Bezug auf den Schuld­um­fang beschwert2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. Juli 2018 – 1 StR 111/​18

  1. vgl. hier­zu aus­führ­lich BGH, Beschluss vom 20.04.2016 – 1 StR 1/​16, Rn. 6, NStZ 2017, 352, 353 mwN
  2. BGH, Urteil vom 12.05.2009 – 1 StR 718/​08 aaO, Rn. 24 zur Steu­er­be­rech­nung