Vor­sätz­li­che Markt­ma­ni­pu­la­ti­on – und die Ein­zie­hung des Wertersatzes

Bei der Bemes­sung der Höhe des gemäß §§ 73, 73c StGB ein­zu­zie­hen­den Wert­er­sat­zes unter­lie­gen die Auf­wen­dun­gen für die Durch­füh­rung der Geschäf­te dem Abzugs­ver­bot des § 73d Abs. 1 Satz 2 StGB. Die Ein­zie­hung von Wert­er­satz ist folg­lich in vol­ler Höhe des aus jeder Tat Erlang­ten anzuordnen.

Vor­sätz­li­che Markt­ma­ni­pu­la­ti­on – und die Ein­zie­hung des Wertersatzes

Wer­den Akti­en zum Zwe­cke der Markt­ma­ni­pu­la­ti­on zu einem zuvor abge­spro­che­nen Preis gehan­delt, kön­nen Auf­wen­dun­gen zum Erwerb der Akti­en nicht in Abzug gebracht wer­den. An die­ser Rechts­la­ge1 hat sich durch das Gesetz zur Reform der straf­recht­li­chen Ver­mö­gens­ab­schöp­fung nichts geän­dert2.

Aller­dings ist das erlang­te Etwas, des­sen Wert nach § 73c StGB der Ein­zie­hung unter­liegt, in zwei Schrit­ten zu bestim­men3. Zunächst ist – in einem den bis­he­ri­gen Über­le­gun­gen des Land­ge­richts vor­an­ge­hen­den ers­ten Schritt – das erlang­te Etwas rein gegen­ständ­lich zu bestim­men. Danach ist etwas im Sin­ne des § 73 StGB „erlangt“, wenn es in irgend­ei­ner Pha­se des Tat­ab­laufs in die Ver­fü­gungs­ge­walt des Täters über­ge­gan­gen ist und ihm so zur tat­säch­li­chen Ver­fü­gung steht, dass es wirt­schaft­lich genutzt wer­den kann; erlangt ist ein Ver­mö­gens­wert nur dann, wenn der Täter oder Teil­neh­mer zumin­dest die fak­ti­sche Ver­fü­gungs­ge­walt über den ent­spre­chen­den Ver­mö­gens­ge­gen­stand erlangt hat4. Die Ein­zie­hung knüpft an einen durch die Tat tat­säch­lich beim Täter ein­ge­tre­te­nen Ver­mö­gens­vor­teil an5. Dies bedingt, dass der Tatrich­ter die tat­säch­li­che Durch­füh­rung der Akti­en­ge­schäf­te unter Nut­zung der jewei­li­gen Depots und gege­be­nen­falls einer Clea­ring­stel­le als zen­tra­lem Kon­tra­hen­ten näher in den Blick zu neh­men haben wird.

Weiterlesen:
Einziehung - und die Bezeichnung der Gegenstände

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. Novem­ber 2020 – 2 StR 32/​20

  1. vgl. BGH, Urteil vom 27.11.2013 – 3 StR 5/​13, Rn. 29 f.[]
  2. BT-Drs. 18/​9525, S. 55; Kor­te, NZWiSt 2018, 231, 235[]
  3. BT-Drs. 18/​9525, 56, 62[]
  4. vgl. nur BGH, Beschluss vom 17.03.2016 – 1 StR 628/​15, Rn. 12 mwN; auch BGH, Beschluss vom 27.05.2008 – 3 StR 50/​08, NStZ 2008, 623 zu § 73 StGB aF[]
  5. BGH, Beschluss vom 14.05.2020 – 1 StR 555/​19, Rn. 10 mwN[]