Woh­nungs­ein­bruch­dieb­stahl – und der erfor­der­li­che Straf­an­trag

Nach § 247 StGB bedarf es für die Ver­fol­gung des Woh­nungs­ein­bruch­dieb­stahls eines Straf­an­tra­ges, wenn einer der Mit­tä­ter ein mit dem Opfer in häus­li­cher Gemein­schaft leben­der Ange­hö­ri­ger ist.

Woh­nungs­ein­bruch­dieb­stahl – und der erfor­der­li­che Straf­an­trag

StGB gilt nach sei­nem ein­deu­ti­gen Wort­laut – anders als § 248a StGB – nicht nur für den Grund­tat­be­stand des Dieb­stahls nach § 242 StGB, son­dern für alle sei­ne – auch in §§ 243, 244, 244a StGB nor­mier­ten – Bege­hungs­wei­sen, gleich ob gesetz­lich als beson­ders schwe­re Fäl­le oder als Qua­li­fi­ka­ti­ons­tat­be­stän­de aus­ge­stal­tet 1, damit auch für das Ver­ge­hen gemäß § 244 Abs. 1 Nr. 3 StGB.

Auf die Form der Betei­li­gung des­je­ni­gen, des­sen Ange­hö­ri­ger der Ver­letz­te ist, kommt es dabei nicht an 2.

§ 77 Abs. 2 StGB, wonach ein Über­gang des Antrags­rechts beim Tod des Ver­letz­ten statt­fin­det, ist nur in den Fäl­len anwend­bar, "die das Gesetz bestimmt"; sie gilt daher nicht für das Straf­an­trags­er­for­der­nis nach § 247 StGB, der einen der­ar­ti­gen Über­gang – anders als etwa § 194 Abs. 1 Satz 5 oder § 230 Abs. 1 Satz 2 StGB – nicht vor­sieht 3.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat erwo­gen, ob mög­li­cher­wei­se die Erben selbst Ver­letz­te gemäß § 247 StGB gewe­sen sein könn­ten, wobei die Erben­stel­lung im Wege des Frei­be­wei­ses zu klä­ren gewe­sen wäre. Zwar ist das Antrags­recht als höchst­per­sön­li­ches Recht nicht ver­erb­lich. Das Eigen­tum der Ver­stor­be­nen ging jedoch kraft Geset­zes unmit­tel­bar mit dem Tod auf die Erben über (§ 1922 Abs. 1 BGB). Im Sin­ne des § 247 StGB ver­letzt ist – jeden­falls – der Eigen­tü­mer 4.

Da für die Straf­an­trags­be­rech­ti­gung die Zeit der Tat maß­ge­bend ist 5, käme ein ori­gi­nä­res Antrags­recht der Erben im vor­lie­gen­den Fall in Betracht, wenn ent­we­der der Woh­nungs­ein­bruch­dieb­stahl (§ 244 Abs. 1 Nr. 3 StGB) über den Erb­fall hin­aus fort­ge­dau­ert oder der Mit­tä­ter dem Erb­fall zeit­lich nach­fol­gend eine den ande­ren Mit­tä­tern zure­chen­ba­re Unter­schla­gung (§ 246 Abs. 1 StGB) began­gen hät­te. Bei­de Alter­na­ti­ven lie­gen hier nicht vor.

Eine Ver­let­zung des Eigen­tums der Straf­an­trag­stel­ler durch den Woh­nungs­ein­bruch­dieb­stahl schei­det schon des­halb aus, weil die­ser mit dem Tod der I. B. bereits been­det war. Daher braucht der Bun­des­ge­richts­hof nicht zu ent­schei­den, ob ein Straf­an­trags­recht auch dem­je­ni­gen zusteht, des­sen Ver­letz­ten­ei­gen­schaft aus­schließ­lich im Zeit­raum zwi­schen for­mel­ler Voll­endung und mate­ri­el­ler Been­di­gung der Tat besteht.

Ein Dieb­stahl ist been­det, wenn – in wei­te­rer Ver­wirk­li­chung der Zueig­nungs­ab­sicht des Täters – der Gewahr­sam an der Beu­te gefes­tigt und gesi­chert ist. Wann der Zeit­punkt erreicht ist, hängt von den Umstän­den des Ein­zel­falls ab. Maß­ge­ben­de Kri­te­ri­en sind, ob sich der Täter noch im unmit­tel­ba­ren Herr­schafts­be­reich des Bestoh­le­nen befin­det oder noch direk­te Ein­griffs­mög­lich­kei­ten von die­sem oder einem drit­ten Beob­ach­ter – gege­be­nen­falls in der Form der Nach­ei­le – vor­han­den sind 6.

Mit dem Tod der I. B. trat die Been­di­gung des Woh­nungs­ein­bruch­dieb­stahls ein. Nach den Fest­stel­lun­gen leb­te die Ver­stor­be­ne allein in dem Wohn­haus, in das der Mit­an­ge­klag­te U. G. ein­brach. Durch den Tod ende­te der durch ihren gene­rel­len Gewahr­sams­wil­len begrün­de­te Gewahr­sam an den im Wohn­haus befind­li­chen Sachen, ohne dass er auf eine ande­re Per­son – etwa einen Mit­be­woh­ner oder eine (anwe­sen­de) Haus­an­ge­stell­te – hät­te über­ge­hen kön­nen 7. Ein I. B. oder einer sol­chen Per­son zuzu­ord­nen­der Herr­schafts­be­reich exis­tier­te danach nicht mehr. Dass für den Mit­an­ge­klag­ten das rea­le Risi­ko des Ein­schrei­tens eines Drit­ten bestand, ist hier weder fest­ge­stellt noch sonst ersicht­lich.

Eine dem Tod der I. B. zeit­lich nach­fol­gen­de Unter­schla­gung, mit der das Eigen­tum der Straf­an­trag­stel­ler ver­letzt wor­den wäre, liegt eben­so wenig vor. Ins­be­son­de­re der vom Mit­an­ge­klag­ten U. G. vor­ge­nom­me­ne Abtrans­port der Beu­te stellt kei­ne eigen­stän­di­ge Unter­schla­gungs­hand­lung zum Nach­teil der Erben dar.

Mit der Been­di­gung des Woh­nungs­ein­bruch­dieb­stahls war auch die Zueig­nung end­gül­tig abge­schlos­sen. Es waren ein Aneig­nungs- und ein Ent­eig­nungs­er­folg ein­ge­tre­ten.

Hat sich indes ein Täter eine frem­de Sache durch eine straf­ba­re Hand­lung bereits zuge­eig­net, kann er sie sich in einem spä­te­ren Zeit­punkt nicht noch ein­mal im Sin­ne von § 246 Abs. 1 StGB zueig­nen, ohne vor­her sei­ne Schein­ei­gen­tü­mer­po­si­ti­on wie­der auf­ge­ge­ben zu haben 8; eine sol­che Posi­ti­on lässt sich nicht belie­big wie­der­ho­lend begrün­den. Ohne Ein­fluss hier­auf ist, dass die (ers­te) straf­ba­re Zueig­nungs­hand­lung – wie hier – nicht ver­folgt wer­den kann.

Die ange­klag­te pro­zes­sua­le Tat (§ 264 StPO) umfasst auch kein sons­ti­ges ver­folg­ba­res straf­ba­res Ver­hal­ten der Ange­klag­ten, so dass das Ver­fah­ren ein­zu­stel­len ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 21. Dezem­ber 2016 – 3 StR 453/​16

  1. vgl. Münch­Komm-StG­B/Hoh­mann, 2. Aufl., § 247 Rn. 2; NK-StGB-Kind­häu­ser, 4. Aufl., § 247 Rn. 2[]
  2. vgl. LK/​Vogel, StGB, 12. Aufl., § 247 Rn. 5[]
  3. vgl. OLG Hamm, Beschluss vom 06.06.2003 – 2 Ss 367/​03, NStZ-RR 2004, 111, 112 [für § 266 Abs. 2 i.V.m. § 247 StGB]; NK-StGB-Kind­häu­ser aaO, Rn. 9 aE[]
  4. s. hier­zu im Ein­zel­nen BGH, Urteil vom 26.07.1957 – 4 StR 257/​57, BGHSt 10, 400, 401 ff.; S/​S‑Eser/​Bosch, StGB, 29. Aufl., § 247 Rn. 10 f.; LK/​Vogel aaO, Rn. 6[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 12.07.1979 – 4 StR 204/​79, BGHSt 29, 54, 55 f.; S/S‑­Stern­berg-Lie­ben/Bosch aaO, § 77 Rn. 10[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 08.10.2014 – 5 StR 395/​14, BGHR StGB § 252 Fri­sche Tat 5; Beschlüs­se vom 18.02.1988 – 4 StR 28/​88, BGHR StGB § 252 Fri­sche Tat 3; vom 01.09.1999 – 1 StR 416/​99, NStZ 2000, 31; vom 26.05.2000 – 4 StR 131/​00, NStZ 2001, 88, 89 mwN; vom 01.02.2011 – 3 StR 432/​10, NStZ 2011, 637, 638[]
  7. vgl. BGH, Urtei­le vom 14.01.1987 – 3 StR 546/​86, BGHR StGB § 242 Abs. 1 Gewahr­sam 1; vom 09.12 2009 – 5 StR 403/​09, Stra­Fo 2010, 122 f.; S/​S‑Eser/​Bosch aaO, § 242 Rn. 30[]
  8. vgl. BGH, Beschluss vom 07.12 1959 – GSSt 1/​59, BGHSt 14, 38; fer­ner BGH, Urteil vom 17.10.1961 – 1 StR 382/​61, BGHSt 16, 280, 281 f.; Beschluss vom 13.07.1995 – 1 StR 309/​95, NStZ-RR 1996, 131, 132; Münch­Komm-StG­B/Hoh­mann aaO, § 246 Rn. 40; SSW-StG­B/Kud­lich, 3. Aufl., § 246 Rn.20[]