Wür­gen als gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zung

Nicht jeder Angriff auf den Hals des Opfers in der Form des Wür­gens ist eine das Leben gefähr­den­de Behand­lung im Sin­ne des § 224 Abs. 1 Nr. 5 StGB.

Wür­gen als gefähr­li­che Kör­per­ver­let­zung

Von maß­geb­li­cher Bedeu­tung sind viel­mehr Dau­er und Stär­ke der Ein­wir­kung, die zwar nicht dazu füh­ren müs­sen, dass das Opfer der Kör­per­ver­let­zung tat­säch­lich in Lebens­ge­fahr gerät, aber abs­trakt geeig­net sein muss, das Leben des Opfers zu gefähr­den 1.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hielt der Ehe­mann sei­ne Ehe­frau etwa zehn Sekun­den mit fes­tem Griff mit bei­den Hän­den am Hals gepackt, drück­te mit den Dau­men in die Kehl­kopf­ge­gend, wodurch die Atem­we­ge teil­wei­se ver­legt wur­den. Ange­sichts der als glaub­haft ange­se­he­nen Bekun­dun­gen der Ehe­frau – Todes­angst und das Gefühl, ein Schlei­er bil­de sich vor ihr, ver­spürt und gedacht zu haben, sie ste­he kurz vor der Bewusst­lo­sig­keit – ist es für den Bun­des­ge­richts­hof recht­lich nicht zu bean­stan­den, dass das Land­ge­richt eine abs­trakt lebens­ge­fähr­den­de Tat­hand­lung ange­nom­men hat. Der rechts­me­di­zi­ni­sche Sach­ver­stän­di­ge, dem sich die Straf­kam­mer ange­schlos­sen hat, hat­te aus­ge­führt, es hän­ge bei einem Angriff auf den Hals mit der fest­ge­stell­ten Dau­er und Inten­si­tät weit­ge­hend vom Zufall ab, näm­lich vom Druck­punkt des Wür­ge­griffs und der kör­per­li­chen Kon­sti­tu­ti­on des Ange­grif­fe­nen, ob lebens­wich­ti­ge Funk­tio­nen zer­stört wer­den, ins­be­son­de­re die für die Sauer­stoff­ver­sor­gung des Gehirns wich­ti­ge Blut­zu­fuhr bzw. Blut­ab­fuhr beein­träch­tigt oder der Kehl­kopf ein­ge­drückt wird. Hät­te der Druck­punkt gering­fü­gig anders gele­gen, hät­te sich das Ver­let­zungs­bild ganz anders dar­stel­len kön­nen. Für den Täter sei nicht kon­trol­lier­bar, ob durch das kräf­ti­ge Zudrü­cken des Hal­ses eine kreis­lauf­re­le­van­te Vene, emp­find­li­che Tei­le des Kehl­kopfs oder der Stimm­lip­pen getrof­fen wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Dezem­ber 2016 – 1 StR 344/​16

  1. vgl. BGH, Urteil vom 25.10.2005 – 4 StR 185/​05, NStZ-RR 2006, 11, 12 mwN[]