Zehn Mona­te für ein straf­voll­zugs­recht­li­ches Eil­ver­fah­ren

Art.19 Abs. 4 GG gewähr­leis­tet nicht nur das for­mel­le Recht und die theo­re­ti­sche Mög­lich­keit, die Gerich­te anzu­ru­fen, son­dern gibt dem Rechts­schutz­su­chen­den Anspruch auf eine tat­säch­lich wirk­sa­me gericht­li­che Kon­trol­le [1].

Zehn Mona­te für ein straf­voll­zugs­recht­li­ches Eil­ver­fah­ren

Wirk­sam ist nur ein Rechts­schutz, der inner­halb ange­mes­se­ner Zeit gewährt wird. Nament­lich der vor­läu­fi­ge Rechts­schutz im Eil­ver­fah­ren hat so weit wie mög­lich der Schaf­fung voll­ende­ter Tat­sa­chen zuvor­zu­kom­men, die nicht mehr rück­gän­gig gemacht wer­den kön­nen, wenn sich eine Maß­nah­me bei end­gül­ti­ger rich­ter­li­cher Prü­fung als rechts­wid­rig erweist [2].

Hier­aus erge­ben sich für die Gerich­te Anfor­de­run­gen an die Aus­le­gung und Anwen­dung der jewei­li­gen Geset­zes­be­stim­mun­gen über den Eil­rechts­schutz [3]. Wo die Dring­lich­keit eines Eil­an­tra­ges es erfor­dert, muss das ange­ru­fe­ne Gericht, wenn es eine Stel­lung­nah­me der Gegen­sei­te ein­holt, die für eine recht­zei­ti­ge Ent­schei­dung erfor­der­li­che Zügig­keit der Kom­mu­ni­ka­ti­on sicher­stel­len, indem es etwa für Über­mitt­lun­gen per Fax sorgt, kur­ze Fris­ten setzt und benö­tig­te Akten zeit­nah bei­zieht [4].

In der hier vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ent­schie­de­nen Ver­fas­sungs­be­schwer­de bedeu­te­te dies: Das Land­ge­richt Ros­tock [5]) hat die­sen Anfor­de­run­gen nicht genügt, indem es zunächst den vom Beschwer­de­füh­rer begehr­ten und von der Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt nach Rechts­hän­gig­keit im März 2019 ange­kün­dig­ten Ter­min für eine augen­ärzt­li­che Unter­su­chung im Juli 2019 abge­war­tet und schließ­lich erst am 15.01.2020 – nach­dem der Eil­rechts­schutz­an­trag des Beschwer­de­füh­rers über 10 Mona­te anhän­gig war – eine Ent­schei­dung über die­sen getrof­fen hat.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 20. April 2020 – 2 BvR 162/​20

  1. vgl. BVerfGE 35, 382, 401 f.; 37, 150, 153; 101, 397, 407; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 37, 150, 153; 65, 1, 70[]
  3. vgl. BVerfGE 49, 220, 226; 77, 275, 284; 93, 1, 13 f.; stRspr[]
  4. vgl. BVerfG, Beschluss vom 03.08.2011 – 2 BvR 1739/​10 28 f.; Beschluss vom 05.09.2013 – 1 BvR 2447/​11 10[]
  5. LG Ros­tock, Beschluss vom 15.01.2020 – 11 StVK 323/​19 (1[]