Zeit­lich beschränk­ter Aus­schluss der Öffent­lich­keit – und das wäh­rend­des­sen geführ­ten Ver­stän­di­gungs­ge­spräch

Beschränkt sich der Aus­schluss der Öffent­lich­keit auf einen bestimm­ten Ver­fah­rens­ab­schnitt wie die Dau­er der Ver­neh­mung einer Beweis­per­son, so umfasst er nach stän­di­ger Recht­spre­chung alle Ver­fah­rens­vor­gän­ge, die mit der Ver­neh­mung in enger Ver­bin­dung ste­hen oder sich aus ihr ent­wi­ckeln und die daher zu die­sem Ver­fah­rens­ab­schnitt gehö­ren 1.

Zeit­lich beschränk­ter Aus­schluss der Öffent­lich­keit – und das wäh­rend­des­sen geführ­ten Ver­stän­di­gungs­ge­spräch

Auch im hier vom Bun­des­ge­richts­hof beur­teil­ten Fall lag ein unmit­tel­ba­rer inne­rer Zusam­men­hang zwi­schen der Ein­las­sung, die Umstän­de des inti­men per­sön­li­chen Lebens­be­reichs des Ange­klag­ten zur Spra­che brach­te, und der Erör­te­rung gemäß § 257b StPO vor, mit der Straf­ma­ß­er­war­tun­gen the­ma­ti­siert und Fra­gen einer Ver­stän­di­gungs­mög­lich­keit geklärt wer­den soll­ten. Denn zum Ver­fah­ren einer Ver­stän­di­gung nach § 257c StPO hät­te auch die Klar­stel­lung gehört, von wel­chem Sach­ver­halt, auf den sich ein Geständ­nis bezie­hen könn­te, das Gericht und die übri­gen Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten aus­ge­hen 2. Die Ein­las­sung des Ange­klag­ten, für deren Dau­er die Öffent­lich­keit aus­ge­schlos­sen war, war mit­hin zwangs­läu­fig Gegen­stand einer ver­stän­di­gungs­vor­be­rei­ten­den Erör­te­rung gemäß § 257b StPO. Zudem ergab sich hier erst im Lau­fe der Äuße­rung des Ange­klag­ten zur Sache die Anre­gung des Vor­sit­zen­den zu einem Gespräch über Straf­er­war­tun­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Novem­ber 2015 – 5 StR 467/​15

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 10.07.1984 – 5 StR 246/​84, NStZ 1985, 206 bei Pfeiffer/​Miebach; und vom 25.01.1994 – 5 StR 508/​93, NStZ 1994, 354, zur Ent­fer­nung des Ange­klag­ten nach § 247 StPO; vom 17.12 1987 – 4 StR 614/​87, NStZ 1988, 190, zur Augen­scheins­ein­nah­me; vom 09.11.1994 – 3 StR 420/​94, BGHR GVG § 171b Abs. 1 Dau­er 8, zur Anord­nung wei­te­rer Zeu­gen­ver­neh­mun­gen; vom 14.05.1996 – 1 StR 51/​96, NJW 1996, 2663, zur Ent­schei­dung über die Ver­ei­di­gung; Beschlüs­se vom 02.02.1999 – 1 StR 636/​98, NStZ 1999, 371, zum Hin­weis auf eine ver­än­der­te Sach­la­ge und zur Stel­lung eines Beweis­an­tra­ges; vom 15.04.2003 – 1 StR 64/​03, NJW 2003, 2761, zur Ent­las­sung eines Zeu­gen; vom 20.09.2005 – 3 StR 214/​05, NStZ 2006, 117, zu Erklä­run­gen des Ange­klag­ten nach § 257 StPO; sie­he auch KK-Die­mer, StPO, 7. Aufl., § 172 GVG Rn. 3; Mey­er-Goß­ner StPO, 58. Aufl., § 172 GVG Rn. 17[]
  2. vgl. zur dahin­ge­hen­den Pro­to­kol­lie­rungs­pflicht nach § 273 Abs. 1a Satz 1 StPO auch BVerfGE 133, 168, 217 Rn. 86[]