Zeu­ge vom Hören­sa­gen

Die Anga­ben eines „Zeu­gen vom Hören­sa­gen“ bedür­fen wegen der erhöh­ten Gefahr unsach­li­cher Ein­flüs­se auf die Wahr­neh­mung, Erin­ne­rung und Wie­der­ga­be von Infor­ma­tio­nen aus zwei­ter Hand sowie wegen der redu­zier­ten Mög­lich­kei­ten für das Gericht und die Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten, die Infor­ma­tio­nen durch Rück­fra­gen bei der pri­mä­ren Aus­kunfts­per­son zu hin­ter­fra­gen, stets einer beson­ders sorg­fäl­ti­gen Beweis­wür­di­gung [1].

Zeu­ge vom Hören­sa­gen

Dazu müs­sen auch die Aus­sa­ge­ent­ste­hung und Aus­sa­ge­mo­ti­va­ti­on mög­lichst genau über­prüft wer­den, weil sich dar­aus Feh­ler­quel­len für den Aus­sa­ge­inhalt erge­ben kön­nen.

An einer der­art erschöp­fen­den Beweis­wür­di­gung fehl­te es in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall:

Nach den im land­ge­richt­li­chen Urteil mit­ge­teil­ten Umstän­den, vor allem der dama­li­gen Los­lö­sung des Zeu­gen K. aus der Betäu­bungs­mit­tel­sze­ne, „der dienst­li­chen Zusam­men­ar­beit“ mit dem Kri­mi­nal­ober­kom­mis­sar P. in Ver­bin­dung mit der „etwai­gen“ Gewäh­rung von Gegen­leis­tun­gen für sei­ne Aus­sa­ge und der Ertei­lung einer Ver­trau­lich­keits­zu­sa­ge durch den Kri­mi­nal­haupt­meis­ter A. aus Anlass einer Licht­bild­vor­la­ge zur Täter­iden­ti­fi­zie­rung, erscheint es mög­lich, dass der Zeu­ge K. eine Ver­güns­ti­gung gemäß § 46b Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 StGB (in der vom 01.09.2009 bis zum 31.07.2013 gel­ten­den Fas­sung) erstrebt haben kann. Dies hät­te ein Motiv dafür bil­den kön­nen, sein Wis­sen anders oder umfang­rei­cher dar­zu­stel­len, als es tat­säch­lich vor­han­den war. Auch könn­ten unbe­wuss­te Fehl­vor­stel­lun­gen bei dem Zeu­gen vom Hören­sa­gen bei sei­ner nach­träg­li­chen Iden­ti­fi­zie­rung der betei­lig­ten Per­so­nen oder der Kon­fron­ta­ti­on mit den Ange­klag­ten wirk­sam gewor­den sein; die „Schnell­schüs­se“ des Zeu­gen an ande­rer Stel­le unter­strei­chen eine sol­che Gefahr für die Fest­stel­lung der Wahr­heit. Des­halb ist die Mit­tei­lung des Land­ge­richts, es sei „auch kein Motiv fest­zu­stel­len, das den Zeu­gen K. ver­an­lasst haben könn­te, einen oder meh­re­re Ange­klag­te zu Unrecht zu belas­ten“, nicht aus­rei­chend.

Wegen der Lücken­haf­tig­keit der Beweis­wür­di­gung zur Fra­ge der Tat­be­ge­hung durch die Ange­klag­ten ist das Urteil ins­ge­samt auf­zu­he­ben. Das gilt auch hin­sicht­lich des Ange­klag­ten H. , des­sen Anwe­sen­heit in der Spiel­hal­le zur Zeit des Über­falls durch wei­te­re Zeu­gen­aus­sa­gen belegt ist, des­sen Betei­li­gung an der Tat als „Auf­pas­ser“ in der Rol­le eines schein­ba­ren Spiel­hal­len­kun­den jedoch nur auf­grund der Anga­ben des Zeu­gen K. fest­ge­stellt wur­de.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Janu­ar 2016 – 2 StR 7/​15

  1. vgl. BVerfG, Beschluss vom 26.05.1981 – 2 BvR 215/​81, BVerfGE 57, 250, 292; BGH, Urteil vom 01.08.1962 – 3 StR 28/​62, BGHSt 17, 382, 385 f.[]