Zeu­gen­ver­neh­mung unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit – und die Ent­bin­dung von der Schweigepflicht

Eine Ent­bin­dung von der Schwei­ge­pflicht muss der unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit ver­nom­me­nen Zeu­gin nicht in öffent­li­cher Sit­zung mit­ge­teilt werden.

Zeu­gen­ver­neh­mung unter Aus­schluss der Öffent­lich­keit – und die Ent­bin­dung von der Schweigepflicht

Der für die Dau­er der Ver­neh­mung eines Zeu­gen ange­ord­ne­te Aus­schluss der Öffent­lich­keit umfasst alle Ver­fah­rens­vor­gän­ge, die – wie etwa die Beleh­rung des Zeu­gen, die Ver­hand­lung über sei­ne Ent­las­sung und Ver­ei­di­gung sowie die Ent­las­sung oder Ver­ei­di­gung des Zeu­gen selbst – mit der Ver­neh­mung in enger Ver­bin­dung ste­hen oder sich aus ihr ent­wi­ckeln und die daher zu die­sem Ver­fah­rens­ab­schnitt gehö­ren [1].

Zu den in engem Zusam­men­hang mit der Zeu­gen­ver­neh­mung ste­hen­den Ver­fah­rens­vor­gän­gen gehört auch die Infor­ma­ti­on des Zeu­gen über eine vor­lie­gen­de Ent­bin­dung von sei­ner Schwei­ge­pflicht. Für die Mit­tei­lung der Schwei­ge­pflichts­ent­bin­dung hat es daher kei­ner Wie­der­her­stel­lung der Öffent­lich­keit bedurft.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Novem­ber 2020 – 4 StR 223/​20

  1. st. Rspr.; vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 12.11.2015 – 5 StR 467/​15, NStZ 2016, 118 mwN; vom 20.09.2005 – 3 StR 214/​05, NStZ 2006, 117; Urtei­le vom 14.05.1996 – 1 StR 51/​96, NJW 1996, 2363; vom 17.12.1987 – 4 StR 614/​87, BGHR GVG § 171b Abs. 1 Augen­schein 1; vom 10.07.1984 – 5 StR 246/​84, bei Pfeiffer/​Miebach, NStZ 1985, 204, 206; vgl. Schmitt in Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 63. Aufl., § 172 GVG Rn. 17 mwN[]

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