Zeug­nis­ver­wei­ge­rungs­recht – und die Beleh­rung in der Haupt­ver­hand­lung

Ein zur Zeug­nis­ver­wei­ge­rung berech­tig­ter Zeu­ge kann die Ver­wer­tung sei­ner in einer poli­zei­li­chen Ver­neh­mung getä­tig­ten Anga­ben wirk­sam gestat­ten, wenn er zuvor über die Fol­gen des Ver­zichts aus­drück­lich und nach den Anfor­de­run­gen, die von der Recht­spre­chung hier­für for­mu­liert wor­den sind, belehrt wor­den ist 1.

Zeug­nis­ver­wei­ge­rungs­recht – und die Beleh­rung in der Haupt­ver­hand­lung

Zum Inhalt die­ser Beleh­rung gehört nicht, dass die Anga­ben des Zeu­gen vor dem Ermitt­lungs­rich­ter auch ohne sei­ne Zustim­mung in der Haupt­ver­hand­lung ver­wer­tet wer­den kön­nen; eine sol­che "qua­li­fi­zier­te" Beleh­rung soll nach Auf­fas­sung des 2. Straf­se­nats des Bun­des­ge­richts­hofs durch den Ermitt­lungs­rich­ter bei der Ver­neh­mung eines zur Zeug­nis­ver­wei­ge­rung berech­tig­ten Zeu­gen erfol­gen, damit die­se Anga­ben trotz spä­te­rer Zeug­nis­ver­wei­ge­rung in der Haupt­ver­hand­lung ver­wer­tet wer­den kön­nen 2.

In der Haupt­ver­hand­lung muss hin­ge­gen der dann das Zeug­nis ver­wei­gern­de Zeu­ge ledig­lich aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den, wel­che Kon­se­quen­zen die Gestat­tung der Ver­wer­tung sei­ner frü­he­ren vor der Poli­zei getä­tig­ten Anga­ben hat 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Febru­ar 2015 – 1 StR 20/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 23.09.1999 – 4 StR 189/​99, BGHSt 45, 203, 208; BGH, Beschlüs­se vom 26.09.2006 – 4 StR 353/​06, NStZ 2007, 352, 353; und vom 13.06.2012 – 2 StR 112/​12, BGHSt 57, 254, 256[]
  2. vgl. BGH, Anfra­ge­be­schluss vom 04.06.2014 – 2 StR 656/​13, NStZ 2014, 596; abwei­chend hier­zu BGH, Beschlüs­se vom 16.12 2014 – 4 ARs 21/​14, NStZ-RR 2015, 48; vom 08.01.2015 – 3 ARs 20/​14; und vom 14.01.2015 – 1 ARs 21/​14[]
  3. vgl. auch BGH, Beschluss vom 04.06.2014 – 2 StR 656/​13, NStZ 2014, 596, 598[]