Zu Unrecht geahndete Geschwindigkeitsüberschreitungen – So wehren sich Betroffene richtig

Zu hohe Geschwindigkeiten sind der häufigste Grund für Strafzettel in Deutschland. Jährlich werden etwa drei Millionen Bürger mit überhöhter Geschwindigkeit von einem festen oder mobilen Blitzer ertappt. Doch nicht immer sind die Radarfallen richtig eingestellt oder die Beschilderung über das gültige Höchsttempo hat gefehlt.

Zu Unrecht geahndete Geschwindigkeitsüberschreitungen - So wehren sich Betroffene richtig

Zu Unrecht geahndete Geschwindigkeitsüberschreitungen - So wehren sich Betroffene richtigWer unterwegs geblitzt wird, ärgert sich meist zweimal. Wurde vielleicht ein Schild übersehen oder war man in einem Moment unachtsam? Nach ein paar Wochen Bearbeitungszeit kommt die Gewissheit per Post ins Haus. Im schlimmsten Fall drohen Punkte in Flensburg oder ein Fahrverbot. Dabei ist eine überhöhte Geschwindigkeit der „Hauptgrund für einen Bußgeldbescheid in Deutschland.“ (Quelle: geschwindigkeitsueberschreitung.net)

Ein Bußgeldrechner liefert erste Hinweise und zeigt beim entsprechenden Fehlverhalten an, welches Strafmaß zu erwarten ist. Danach gilt es, den offiziellen Bescheid abzuwarten. Die meisten Autofahrer akzeptieren ein solches Bußgeld blind und bezahlen einfach. Schließlich ist ein unberechtigtes Knöllchen für Laien auf den ersten Blick kaum erkennbar.

Jeder dritte Strafzettel ungültig – Anwalt einschalten

Ob das Gerät falsch geeicht ist, die Höchstgeschwindigkeit nicht stimmt oder das Foto zu undeutlich – es gibt verschiedene Gründe den Strafzettel anzuzweifeln. Eine Schätzung besagt, dass etwa jeder dritte Bußgeldbescheid fehlerhaft sein könnte. Dies kann dazu führen, dass das gesamte Bußgeld oder zumindest die Punkte oder das Fahrverbot entfallen. Selbst kleinere Fehler können so zu einer Milderung der Strafe führen, sodass vielleicht nur ein geringes Bußgeld statt eines Fahrverbots zu erwarten ist. Im Zweifelsfall hilft ein Rechtsanwalt weiter und erhebt Einspruch gegen den Bußgeldbescheid. Das lohnt sich vor allem, wenn…

  • … es Hinweise auf Messfehler gibt.
  • … sogar wegen einer Verkehrsstraftat ermittelt wird.
  • … man sich definitiv keiner Schuld bewusst ist.

Eigeninitiative: Anhörungsbogen ausfüllen

Wer einen unberechtigten Vorwurf vermutet, sollte handeln. Am besten natürlich mit anwaltlicher Hilfe. Will man dagegen ohne Anwalt durch das Bußgeldverfahren, müssen sie den Anhörungsbogen entsprechend ausfüllen oder, wenn schon ein Bußgeldbescheid ergangen ist, hiergegen Widerspruch einlegen.

Wichtig: Ist schon ein Bußgeldbescheid ergangen, dürfen Sie die zweiwöchige Einspruchsfrist nicht ungenutzt verstrichen lassen; der Einspruch muss in jedem Fall innerhalb dieser Frist bei der Bußgeldbehörde eingehen.

Akzeptieren die Behörden den Einspruch nicht, wird die Sache von der Bußgeldbehörde über die Staatsanwaltschaft an das zuständige Amtsgericht abgegeben. Spätestens jetzt empfiehlt es sich nicht mehr, auf anwaltliche Hilfe zu verzichten. Allerdings erscheinen die hohen Anwaltskosten bei recht geringen Bußgeldern nicht verhältnismäßig. Abhilfe schafft beispielsweise eine Verkehrsrechtsschutz, die aber schon vor dem Verkehrsverstoß (und ggfs. auch einer im Versicherungsvertrag vereinbarten Wartezeit) abgeschlossen sein muss. Stiftung Warentest erklärt, wann eine solche Versicherung Sinn ergibt und was man beim Vertrag beachten sollte.

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Beispiele: Auto ist unbekannt oder Foto unkenntlich

Manchmal werden Autofahrer geblitzt und das Bußgeldverfahren setzt sich gegen den Falschen in Gang. Ist Ihnen beispielsweise das geblitzte Auto unbekannt oder das Foto zeigt eine andere oder eine nicht erkennbare Person, sollten Sie sich in jedem Fall -wie oben beschrieben- hiergegen wehren.

Wenn Sie gegen den Bußgeldbescheid fristgerecht Einspruch eingelegt haben, brauchen Sie zunächst weder das Bußgeld zu bezahlen noch schlimmstenfalls ihren Führerschein abzugeben. Diese Folgen treffen Sie erst nach rechtskräftigem Abschluss des Bußgeldverfahrens, bei fristgerecht eingelegtem Einspruch also erst nach der Entscheidung der Gerichte – oder wenn Sie den Einspruch später dann doch zurück nehmen.

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