Zuläs­sig­keit einer Orga­ni­sa­ti­ons­haft

Eine gesetz­wid­ri­ge und dem zu voll­stre­cken­den Urteil wider­spre­chen­de Umkeh­rung der Voll­stre­ckungs­rei­hen­fol­ge liegt bei der sog. Orga­ni­sa­ti­ons­haft vor, wenn die Voll­stre­ckungs­be­hör­de in Umset­zung des gericht­li­chen Rechts­fol­gen­aus­spruchs nicht unver­züg­lich die Über­stel­lung des Ver­ur­teil­ten in den Maß­re­gel­voll­zug ein­lei­tet und her­bei­führt 1.

Zuläs­sig­keit einer Orga­ni­sa­ti­ons­haft

Die von Ver­fas­sungs wegen noch ver­tret­ba­re Orga­ni­sa­ti­ons­frist kann dabei nur im jewei­li­gen Ein­zel­fall unter Berück­sich­ti­gung der Bemü­hun­gen der Straf­voll­stre­ckungs­be­hör­de um eine beschleu­nig­te Unter­brin­gung des Ver­ur­teil­ten im Maß­re­gel­voll­zug bestimmt wer­den. In die­sem Zusam­men­hang ist es ver­fas­sungs­recht­lich gebo­ten, dass die Voll­stre­ckungs­be­hör­den auf den kon­kre­ten, von der Rechts­kraft des jewei­li­gen Urteils abhän­gi­gen Behand­lungs­be­darf unver­züg­lich reagie­ren und in beschleu­nig­ter Wei­se die Über­stel­lung des Ver­ur­teil­ten in eine geeig­ne­te Ein­rich­tung, wel­che sich unter Umstän­den auch außer­halb des jewei­li­gen Bun­des­lan­des befin­den kann, her­bei­füh­ren 2.

Die Tätig­keit der Voll­stre­ckungs­be­hör­de darf sich dabei nicht allein auf eine Unter­brin­gung bin­nen eines Zeit­raums von drei Mona­ten beschrän­ken, son­dern muss die gebo­te­nen Bemü­hun­gen erken­nen las­sen, eine mög­lichst früh­zei­ti­ge Unter­brin­gung im Maß­re­gel­voll­zug her­bei­zu­füh­ren 3.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Beschluss vom 5. August 2014 – 5 Ws 231 u. 232/​14

  1. vgl. BVerfG, NJW 2006, 427, 428; Beschluss des hie­si­gen 4. Straf­se­nats vom 25.11.2003 – 4 Ws 537 u. 569/​03, NStZ-RR 2004, 381; Bran­den­bur­gi­sches OLG, StV 2001, 23, 25[]
  2. vgl. BVerfG, NJW 2006, 427, 428 f.; OLG Cel­le, StV 2003, 32 f.; OLG Dres­den, NStZ 1993, 511 f.[]
  3. so BVerfG, NJW 2006, 427, 429; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 57. Aufl., Vor § 112 Rdnr. 7[]