100 Hun­de

Auch Tier­lie­be muss ihre Gren­zen haben, auch wenn sie in der Gestalt eines "Gna­den­ho­fes" daher kommt. Plas­tisch zeigt dies ein jetzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver ent­schie­de­ner Fall einer Hun­de­hal­te­rin aus Var­rel im Land­kreis Diep­holz:

100 Hun­de

Die Antrag­stel­le­rin bewohnt einen Rest­hof in einem Orts­teil von Var­rel und hielt dort neben zahl­rei­chen Tie­ren (Kat­zen, Hän­ge­bauch­schwei­nen, Pfer­den und Zie­gen) mehr als 100 Hun­de (bekannt als "Gna­den­hof Momo").

Nach einer tier­schutz­recht­li­chen Kon­trol­le hat­te der Land­kreis Diep­holz der Antrag­stel­le­rin zunächst ver­bo­ten, wei­te­re Hun­de bei sich auf­zu­neh­men und die sofor­ti­ge Rei­ni­gung von Räu­men im Innen- und Außen­be­reich sowie den Hof des Anwe­sens zu rei­ni­gen. Bei einer wei­te­ren Kon­trol­le stell­te der Land­kreis eine Stei­ge­rung der Hun­de­zahl auf 32 bei wei­ter­hin für tier­schutz­wid­rig gehal­te­nen Ver­hält­nis­sen fest. Er gab der Tier­hal­te­rin dar­auf­hin auf, den Hun­de­be­stand bis auf maxi­mal 10 Hun­de zu redu­zie­ren, für die­se Hun­de ein Bestands­buch zu füh­ren und zwei geson­dert genann­te Tie­re zu deren Schutz geson­dert zu hal­ten. Wei­ter ver­bot er der Antrag­stel­le­rin die Zucht von Hun­den und die Auf­nah­me wei­te­rer Hun­de, auch wenn sich deren Zahl auf unter 10 redu­ziert haben soll­te. Wegen der Viel­zahl der vor­ge­fun­de­nen Hun­de und der Äuße­rung der Antrag­stel­le­rin, die Hun­de für den Ver­ein "Ani­mals Hope", zu hal­ten unter­sag­te der Land­kreis der Antrag­stel­le­rin in einer wei­te­ren Ver­fü­gung, die Hun­de für ande­re in einem Tier­heim zu hal­ten. Bei einer wei­te­ren Kon­trol­le fand der Land­kreis nun 103 Hun­de vor. Die Hal­tungs­be­din­gun­gen hat­ten sich nicht ver­bes­sert. Der Land­kreis nahm der Antrag­stel­le­rin dar­auf­hin bis auf 6 alle wei­te­ren Hun­de weg. Sie wur­den auf Tier­hei­me und Pfle­ge­stel­len ver­teilt, ein Hund muss­te ein­ge­schlä­fert wer­den.

Die Antrag­stel­le­rin wen­det sich mit Kla­gen und Eil­an­trä­gen gegen alle vier Ver­fü­gun­gen. Zur Begrün­dung führt sie an, sie unter­hal­te einen Gna­den­hof für alte und schwa­che Tie­re, die nicht wei­ter­ver­mit­telt wer­den könn­ten. Die Hal­tungs­be­din­gun­gen sei­en nicht zu bean­stan­den.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver lehn­te die vier Eil­an­trä­ge ab: Nach den durch Pho­to­do­ku­men­ta­tio­nen fest­ge­stell­ten Hal­tungs­be­din­gun­gen – ein ver­dreck­ter, über­füll­ter Raum im Haus, dunk­le ver­schmutz­te Zwin­ger im Stall ohne Trink­was­ser, eine Hün­din mit Wel­pen in einem licht­lo­sen Raum ohne geeig­ne­te Lie­ge­flä­chen, ver­ko­te­te Frei­flä­chen mit gefähr­li­chem Sperr­müll und nur einer nutz­ba­ren Hun­de­hüt­te – zeig­ten nach Auf­fas­sung der Kam­mer, dass der Land­kreis die ange­foch­te­nen Anord­nun­gen zu Recht getrof­fen habe. Die vor­ge­fun­de­nen Ver­hält­nis­se lie­ßen die Hal­tung von mehr als den der Antrag­stel­le­rin belas­se­nen sechs Hun­den nicht zu. Auch die Hal­tung die­ser Tie­re set­ze vor­aus, dass die Antrag­stel­le­rin bereit und in der Lage sei, der ers­ten Ver­fü­gung nach­zu­kom­men und die Räu­me und Frei­flä­chen so zu rei­ni­gen und in einem Zustand zu hal­ten, der eine den Bedürf­nis­sen der Tie­re ent­spre­chen­de Unter­brin­gung gewähr­leis­te.

Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver, Beschlüs­se vom 14. Dezem­ber 2010 – 11 B 2353/​10; 11 B 2416/​10; 11 B 2453/​10 und 11 B 5477/​10