5 Etagen im Gründerzeitviertel

Ein überwiegend mit zweigeschoßigen Villen aus der Gründerzeit bebautes Stadtviertel verträgt kein fünfgeschossiges Mehrfamilienhaus.

5 Etagen im Gründerzeitviertel

So hat jetzt das Verwaltungsgericht Osnabrück im Eilverfahren die aufschiebende Wirkung eines Nachbarwiderspruchs gegen eine Baugenehmigung für ein Mehrfamilienhaus an der Natruper Straße am Westerberg in Osnabrück angeordnet. Folge davon ist, dass die schon begonnenen Bauarbeiten nicht fortgeführt werden dürfen.

Die Grundstücksnachbarn hatten Widerspruch gegen die dem Bauherrn erteilte Baugenehmigung eingelegt, weil sie sich durch das genehmigte Mehrfamilienhaus mit 10 Wohneinheiten in ihren Nachbarrechten verletzt sahen.

Diese Auffassung teilte das Verwaltungsgericht Osnabrück: die Stadt Osnabrück habe mit der Baugenehmigung zu Unrecht zahlreiche Befreiungen von den Festsetzungen des dort geltenden Bebauungsplanes erteilt. Die Befreiungen betrafen insbesondere die überbaubare Fläche des Grundstücks, die Grundflächenzahl sowie – in erheblicher Weise – die Geschossflächenzahl. Dies führe dazu, dass das genehmigte Mehrfamilienhaus im dortigen Baugebiet wie ein fünfgeschossiger Fremdkörper wirke.

Das in der Gründerzeit entstandene Gebiet sei geprägt durch großzügig zugeschnittene Grundstücke mit regelmäßig einem repräsentativen zweigeschossigen Wohnhaus. Mit dem genehmigten Mehrfamilienhaus entstehe dort eine unverhältnismäßig dichte und massive Bebauung. Das Vorhaben weiche durch die weitaus intensivere Ausnutzung des bereits mit einer Gründerzeitvilla bebauten Grundstücks erheblich von der das Gebiet prägenden Bebauung ab.

Verwaltungsgericht Osnabrück, Beschluss vom 15. Juni 2011 – 2 B 8/11