Abga­ben für Was­ser- und Boden­ver­bän­de

Gewäs­ser­un­ter­hal­tungs­ver­bän­de haben ein wei­tes Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sen. Rech­te der Mit­glie­der und mit­tel­bar der Grund­ei­gen­tü­mer sind erst dann ver­letzt, wenn der Ver­band in Bezug auf Pla­nung und Durch­füh­rung der Gewäs­ser­un­ter­hal­tung die äußers­te kos­ten­mä­ßi­ge Ver­tret­bar­keits­gren­ze erkenn­bar über­schrei­tet 1. Ent­spre­chend liegt im Ver­fah­ren­ser­mes­sen der Gemein­den, wie sie die ihnen auf­er­leg­ten Gewäs­ser­un­ter­hal­tungs­bei­trä­ge umle­gen.

Abga­ben für Was­ser- und Boden­ver­bän­de

Ermäch­ti­gungs­grund­la­ge für den Erlass einer ent­spre­chen­den Bei­trags­sat­zung ist § 2 Abs. 1 des Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­set­zes für das Land Bran­den­burg (KAG) 2 in Ver­bin­dung mit § 80 Abs. 2 des Bran­den­bur­gi­schen Was­ser­ge­set­zes (BbgWG) 3. Gemäß § 80 Abs. 2 BbgWG kön­nen die Gemein­den die von ihnen an die Ver­bän­de zu zah­len­den Ver­bands­bei­trä­ge sowie die bei der Umle­gung der Ver­bands­bei­trä­ge ent­ste­hen­den Ver­wal­tungs­kos­ten auf die Grund­stücks­ei­gen­tü­mer der grund­steu­er­pflich­ti­gen Grund­stü­cke umle­gen. Nach § 2 Abs. 1 Satz 1 KAG, der gemäß § 80 Abs. 2 Satz 3 BbgWG auch inso­weit Anwen­dung fin­det, dür­fen Abga­ben nur auf­grund einer Sat­zung erho­ben wer­den. Die Sat­zung muss nach Satz 2 der Vor­schrift den Kreis der Abga­be­schuld­ner, den die Abga­be begrün­den­den Tat­be­stand, den Maß­stab und den Satz der Abga­be sowie den Zeit­punkt ihrer Fäl­lig­keit ange­ben.

Der Umla­ge­schuld­ner ist im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall § 80 Abs. 2 BbgWG ent­spre­chend bestimmt. Mit dem Eigen­tum bzw. Erb­bau­recht an einem grund­steu­er­pflich­ti­gen Grund­stück im Gemein­de­ge­biet bestimmt die Sat­zung zugleich den die Umla­ge begrün­den­de Tat­be­stand. Der Umla­ge­maß­stab ist in § 4 der Sat­zung unbe­denk­lich bestimmt. Die grund­sätz­lich recht­fer­ti­gungs­be­dürf­ti­ge Auf­run­dung 4 ist ange­sichts des­sen nicht zu bean­stan­den, dass dies allen­falls zu einer Meh­rerhe­bung in einer Grö­ßen­ord­nung von Cent­bruch­tei­len füh­ren kann. Die Fäl­lig­keit ist in § 6 Abs. 3 Satz 3 bestimmt.

Auch gegen den Umla­ge­satz ist nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Pots­damm nichts ein­zu­wen­den. Er ist in § 5 nach dem jewei­li­gen Ver­band in nicht zu bean­stan­den­der Wei­se bestimmt. Die Vor­schrift nimmt zuläs­si­ger­wei­se Bezug auf die Flä­chen der jewei­li­gen Was­ser- und Boden­ver­bän­de 5, so dass aus­rei­chend bestimmt ist, für wel­che Grund­stü­cke ein Satz von 0,00086 €/​m² gel­ten soll, und für wel­che ein Satz von 0,00081 €/​m². Die ein­zel­nen betrof­fe­nen Grund­stü­cke erge­ben sich aus den Sat­zun­gen der Ver­bän­de, die jeweils im Amts­blatt für Bran­den­burg ver­öf­fent­licht sind. Auch die damit sat­zungs­mä­ßig erfolg­te Abgren­zung der Ver­bands­ge­bie­te nach Gemein­de­gren­zen bzw. Gemar­kun­gen und damit poli­ti­schen Gege­ben­hei­ten anstel­le von (allein) hydro­lo­gi­schen Merk­ma­len ist, anders als die Klä­ge­rin annimmt, recht­lich nicht zu bean­stan­den 6.

Beden­ken gegen sei­ne Höhe bestehen nicht. Der Satz berück­sich­tigt – § 80 Abs. 2 Satz 1 BbgWG ent­spre­chend – zum einen den von der Gemein­de an den Ver­band zu leis­ten­den Bei­trag und zum ande­ren die ihr durch die Umle­gung ent­ste­hen­den Ver­wal­tungs­kos­ten.

Inso­weit ist zunächst nicht zu bean­stan­den, dass die Kal­ku­la­ti­on den von der Gemein­de an den Ver­band zu zah­len­den Bei­trag in unver­min­der­ter Höhe von 7,50 €/​ha ein­stellt. Das gilt frei­lich nicht schon auf­grund der Tat­sa­che, dass die Gemein­de den an sie gerich­te­ten Bei­trags­be­scheid nicht ange­grif­fen hat, son­dern bestands­kräf­tig hat wer­den las­sen. Denn die Umla­ge­schuld­ner kön­nen über die Ein­hal­tung der genann­ten Vor­ga­ben hin­aus auch noch nach Bestands­kraft des Bei­trags­be­schei­des den kon­kre­ten Umla­ge­satz zur recht­li­chen Prü­fung stel­len mit dem Ein­wand, bereits die Ver­an­la­gung der Gemein­de zum Ver­bands­bei­trag sei rechts­wid­rig, weil die dafür gel­ten­den Maß­stä­be ver­fehlt wor­den sei­en 7. Hier­zu ist aber nichts ersicht­lich. Ins­be­son­de­re ist nicht zu bean­stan­den, dass der Ver­band nach dem Vor­trag der Klä­ge­rin gro­ße Tei­le sei­ner Auf­ga­ben mit der ver­bands­ei­ge­nen Betriebs­hof GmbH erle­digt, für deren Tätig­keit Umsatz­steu­er in Höhe von 19 % anfal­le, womit er eine gegen­über einer inter­nen Beauf­tra­gung von vorn­her­ein um etwa ein Fünf­tel zu teu­re Gestal­tung gewählt habe. Rech­te der Mit­glie­der und mit­tel­bar der Grund­ei­gen­tü­mer sind erst dann ver­letzt, wenn der Ver­band in Bezug auf Pla­nung und Durch­füh­rung der Gewäs­ser­un­ter­hal­tung die äußers­te kos­ten­mä­ßi­ge Ver­tret­bar­keits­gren­ze erkenn­bar über­schrei­tet 8. Davon kann hier nicht gespro­chen wer­den. Es ist dem wei­ten Orga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sen des Ver­ban­des über­las­sen, ob und inwie­weit er sei­ne Auf­ga­ben durch eige­ne Kräf­te oder durch Ein­bin­dung exter­ner Lie­fe­ran­ten und Dienst­leis­ter erbringt. Die Grün­dung und Beauf­tra­gung einer ver­bands­ei­ge­nen "Betriebs­hof GmbH" führt nicht von vorn­her­ein zu unver­tret­bar höhe­ren Kos­ten als bei der Ver­ga­be der Auf­trä­ge am Markt. Auch in die­sem Fall wäre Umsatz­steu­er zu zah­len. Dass eine Erbrin­gung der Leis­tun­gen mit eige­nen Kräf­ten in jedem Fal­le wirt­schaft­li­cher wäre, ist behaup­tet aber nicht sicher. Dass der Ver­band dar­über hin­aus unver­tret­ba­ren Auf­wand zu nicht mehr zuläs­si­gen Kos­ten betrie­ben hät­te, ist nicht erkenn­bar.

Auch die der Sat­zung zugrun­de lie­gen­de Kos­ten­kal­ku­la­ti­on begeg­net kei­nen durch­grei­fen­den Beden­ken. Auch bei Berück­sich­ti­gung nur der Per­so­nal­kos­ten wie der der Daten­ver­ar­bei­tung ergibt sich bezo­gen auf die Gesamt­flä­che der der Umla­ge unter­fal­len­den Grund­stü­cke von 258.96.889 m² – hier­von 171.024.708 m² im Gebiet des hier in Rede ste­hen­den Ver­ban­des – ein Ver­wal­tungs­kos­ten­satz von 0,000129 €/​m², der über den gel­tend gemach­ten 0,000110 €/​m² liegt. Es kann hier­bei dahin­ste­hen, ob die im 2. Ände­rungs­be­scheid vom 17.07.2008 aus­drück­lich her­aus­ge­nom­me­nen Flä­chen von 10.953.400 m² zu Unrecht hier­in ein­be­rech­net oder her­aus­ge­las­sen wur­de, wie die Klä­ge­rin gel­tend macht. Sowohl der sich im einen Fall erge­ben­de Satz von 0,000123 €/​m² wie der sich im ande­ren erge­ben­de von 0,000134 €/​m² liegt über den ledig­lich gel­tend gemach­ten 0,000110 €/​m².

Die Rüge, die Gemein­de lege voll­stän­dig über­teu­er­te und damit unnö­ti­ge Com­pu­ter­kos­ten um, ver­fängt nicht. Sie wen­det sich damit nicht gegen die Ein­be­zie­hung von Kos­ten, die nicht durch die Umle­gung ent­ste­hen. Sie kri­ti­siert viel­mehr die kon­kre­te Art der Auf­ga­ben­er­fül­lung auf Sei­ten der Gemein­de. Hier­für bie­tet § 80 Abs. 2 BbgWG kei­ne Hand­ha­be. Die Aus­ge­stal­tung der gemeind­li­chen Auf­ga­ben­er­fül­lung obliegt dem auch über die Kos­ten­fra­ge gericht­lich nicht über­prüf­ba­ren Ver­fah­ren­ser­mes­sen der Ver­wal­tungs­lei­tung.

Ver­wal­tungs­ge­richt Pots­dam, Urteil vom 15. Janu­ar 2013 – 6 K 53/​12

  1. im Anschluss an OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 18.05.2011 – OVG 9 N 62.09; Beschluss vom 20.05.2009 – OVG 9 S 10.08 und OVG 9 S 45.08, LKV 2009, 423[]
  2. in der Fas­sung des Geset­zes vom 26.04.2005, GVBl. I Nr. 11/​2005, S. 170[]
  3. in der bis Ende 2008 gel­ten­den Fas­sung der Bekannt­ma­chung vom 08.12.2004, GVBl. I Nr. 5/​2005 S.50[]
  4. vgl. hier­zu OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 17.11.2011 – OVG 9 N 79.09[]
  5. vgl. VG Pots­dam, Urteil vom 08.11.2012 – VG 6 K 777/​10[]
  6. VG Pots­dam ebd.; OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 14.12.2012 – OVG 9 N 9.12[]
  7. vgl. VG Pots­dam ebd. unter Ver­weis etwa auf OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 21.03.2012 – OVG 1 B 63.11[]
  8. OVG Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 18.05.2011 – OVG 9 N 62.09 –; Beschluss vom 20.05.2009 – OVG 9 S 10.08 und OVG 9 S 45.08, LKV 2009, 423[]