Abgren­zung zwi­schen Erschlie­ßungs- und Stra­ßen­aus­bau­bei­trags­recht

Die mit­un­ter schwie­ri­ge Abgren­zung zwi­schen dem Erschlie­ßungs­bei­trags­recht und dem Stra­ßen­aus­bau­bei­trags­recht war jetzt Gegen­stand einer Ent­schei­dung des Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richts:

Abgren­zung zwi­schen Erschlie­ßungs- und Stra­ßen­aus­bau­bei­trags­recht

In den betref­fen­den Ver­fah­ren hat die Stadt Suhl gegen den Frei­staat Thü­rin­gen geklagt, weil das Thü­rin­ger Lan­des­ver­wal­tungs­amt ihre Bei­trags­be­schei­de, die sie gegen­über den Anwoh­nern einer Stra­ße erlas­sen hat, im Wider­spruchs­ver­fah­ren auf­ge­ho­ben hat. Mit den Beschei­den soll­ten Bei­trä­ge für die Erneue­rung die­ser Stra­ße und des Geh­we­ges abge­rech­net wer­den. Das Lan­des­ver­wal­tungs­amt war der Ansicht, dass die zum Bei­trag her­an­ge­zo­ge­nen Anwoh­ner in dem nach der Stra­ßen­aus­bau­bei­trags­sat­zung maß­geb­li­chen Zeit­punkt der Ent­ste­hung der sach­li­chen Bei­trags­pflicht noch nicht Eigen­tü­mer der betref­fen­den Grund­stü­cke gewe­sen sind. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Mei­ni­gen hat­te die Kla­gen der Stadt abge­wie­sen 1.

Das Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hat in der münd­li­chen Ver­hand­lung zu erken­nen gege­ben, dass er die Auf­fas­sung des Lan­des­ver­wal­tungs­amts zum maß­geb­li­chen Zeit­punkt der Ent­ste­hung der Bei­trags­pflicht grund­sätz­lich tei­le, dass das aber für den Aus­bau des Geh­wegs nicht gel­te:

Weil die­ser Geh­weg im Bereich des Stadt­parks vor dem 3. Okto­ber 1990 noch nicht in einer den ört­li­chen Aus­bau­ge­pflo­gen­hei­ten ent­spre­chen­den Wei­se her­ge­stellt gewe­sen sei, kön­ne Rechts­grund­la­ge für den Bei­trags­be­scheid nicht das lan­des­recht­li­che Stra­ßen­aus­bau­bei­trags­recht, son­dern inso­weit nur das bun­des­recht­li­che Erschlie­ßungs­bei­trags­recht sein. Danach kom­me es für die per­sön­li­che Bei­trags­pflicht dar­auf an, wer im Zeit­punkt der Bekannt­ga­be des Bescheids Eigen­tü­mer gewe­sen ist. Die Stadt Suhl hat dar­auf­hin in der münd­li­chen Ver­hand­lung ihre Beru­fung nur noch auf­recht­erhal­ten, soweit ihre Beschei­de als Erschlie­ßungs­bei­trags­be­schei­de für die erst­ma­li­ge Her­stel­lung des Geh­wegs anzu­se­hen sind. Im Übri­gen hat die Stadt Suhl ihre Beru­fung in allen Ver­fah­ren zurück­ge­nom­men.

Soweit die Stadt Suhl ihre Beru­fung auf­recht­erhal­ten hat, hat das Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­nen am Schluss der Sit­zung ver­kün­de­ten Urtei­len ihrer Beru­fung statt­ge­ge­ben.

Thü­rin­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 14.02.2011 – 4 KO 507/​08 u.a.

  1. VG Mei­nin­gen, Urtei­le vom 15.07.2008 – 1 K 378/​07 Me[]