Abitur mit 16 – aber kei­ne Noten­ver­bes­se­rung

Ein Abitur mit 16 recht­fer­tigt kei­ne Noten­ver­bes­se­rung für die Zulas­sung zum Medi­zin­stu­di­um.

Abitur mit 16 – aber kei­ne Noten­ver­bes­se­rung

So hat es das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter jetzt abge­lehnt, die West­fä­li­sche Wil­helms-Uni­ver­si­tät Müns­ter im Wege der einst­wei­li­gen Anord­nung zu ver­pflich­ten, die Abitu­ri­en­tin vor­läu­fig zu dem auf das Som­mer­se­mes­ter 2015 bezo­ge­nen fach­spe­zi­fi­schen Stu­dier­fä­hig­keits­test der medi­zi­ni­schen Fakul­tät ein­zu­la­den.

Die Antrag­stel­le­rin bestand 2014 im Alter von 16 Jah­ren das Abitur mit der Durch­schnitts­no­te von 1,5. In der Fol­ge­zeit bewarb sie sich um einen Platz im Stu­di­en­gang Medi­zin, dabei auch um einen Stu­di­en­platz, den die West­fä­li­sche Wil­helms-Uni­ver­si­tät Müns­ter selbst ver­gibt. Dabei bean­trag­te sie unter Beru­fung auf ent­spre­chen­de Rege­lun­gen, ihre Abitur­durch­schnitts­no­te im Wege des Nach­teils­aus­gleichs auf 1,4 zu ver­bes­sern. Zur Begrün­dung gab sie im Wesent­li­chen an: Nach der gut­ach­ter­li­chen Stel­lung­nah­me ihrer Schu­le sei­en ihren dama­li­gen Fach­leh­rern in gesell­schafts­wis­sen­schaft­li­chen Fächern und im Fach Deutsch ein im Ver­gleich zu den deut­lich älte­ren Mit­schü­lern noch sehr jugend­li­ches Ver­hal­ten und die noch in gewis­sem Maße defi­zi­tä­re Lebens­er­fah­rung auf­ge­fal­len. Sie hät­te in die­sen Fächern eine bes­se­re Note errei­chen kön­nen, wenn sie sich alters­ge­mäß in einem wei­ter­ent­wi­ckel­ten Rei­fe­grad befun­den hä ;tte. Die Hoch­schu­le ließ die Antrag­stel­le­rin nicht zum Aus­wahl­ver­fah­ren zu und lud sie auch nicht zum fach­spe­zi­fi­schen Stu­dier­fä­hig­keits­test der Fakul­tät ein. Eine Noten­ver­bes­se­rung erfolg­te nicht. Nach der maß­geb­li­chen Sat­zung der Uni­ver­si­tät neh­men an dem Aus­wahl­ver­fah­ren für Medi­zin­stu­di­en­plät­ze nur die­je­ni­gen Bewer­ber teil, die nach dem Grad der Qua­li­fi­ka­ti­on zu den bes­ten 160 Bewer­bern für die­se Hoch­schu­le zäh­len. Hier­zu gehör­te die Antrag­stel­le­rin mit ihrer Abitur­no­te von 1,5 nicht.

Dar­auf­hin hat die Antrag­stel­le­rin um gericht­li­chen Eil­rechts­schutz nach­ge­sucht, den das Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter nun ablehn­te:

Dem ange­führ­ten, in Rela­ti­on zu Mit­schü­lern gese­hen deut­lich jün­ge­ren Lebens­al­ter der Antrag­stel­le­rin kön­ne kei­ne im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang rele­van­te Bedeu­tung bei­gemes­sen wer­den. Eine Ver­bes­se­rung der Durch­schnitts­no­te im Abitur im Wege des Nach­teils­aus­gleichs kom­me nach dem gel­ten­den Recht nur dann in Betracht, wenn der Bewer­ber aus nicht selbst zu ver­tre­ten­den Grün­den dar­an gehin­dert gewe­sen sei, eine bes­se­re Durch­schnitts­no­te zu errei­chen. Dabei sei eine stren­ge Betrach­tungs­wei­se gebo­ten, weil jeder Nach­teils­aus­gleich zu Guns­ten eines Stu­di­en­be­wer­bers zugleich das Teil­ha­be­recht eines ande­ren beein­träch­ti­ge. Hier bezie­he sich der Antrag der Antrag­stel­le­rin auf die Aus­ge­stal­tung ihres Lebens- und Aus­bil­dungs­we­ges, der ersicht­lich durch ver­schie­de­ne Maß­nah­men der so genann­ten Akze­le­ra­ti­on (vor­zei­ti­ge Ein­schu­lung bzw. Über­sprin­gen von Klassen/​Schulstufen) gekenn­zeich­net sei. Der­ar­ti­ge auf die Schul­lauf­bahn bezo­ge­ne Maß­nah­men wür­den regel­mä­ßig in einem engen Abstim­mungs­pro­zess zwi­schen dem jewei­li­gen Schü­ler, sei­nen Erzie­hungs­be­rech­tig­ten und der Schul­ver­wal­tung ein­ver­nehm­lich ergrif­fen. Sie stell­ten sich damit als – auch auf die schu­li­schen Ergeb­nis­se ein­wir­ken­de – wil­lens­ge­tra­ge­ne Lebens­um­stän­de dar, wie sie zahl­rei­che Schü­ler mit ihren per­sön­li­chen, fami­liä­ren und schu­li­schen Fak­to­ren ein­bräch­ten. Hier­in kön­ne ein dem Nach­teils­aus­gleich zugäng­li­cher Umstand nicht gese­hen wer­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Müns­ter – Beschluss vom 29. April 2015 – 9 L 578/​15