Abschie­be­haft – und die Anga­ben zur Haft­dau­er im Haft­an­trag

Siche­rungs­haft darf nur ange­ord­net wer­den, wenn der Haft­an­trag den Anfor­de­run­gen des § 417 Abs. 2 FamFG nicht genügt. Denn ein die­sen Anfor­de­run­gen nicht ent­spre­chen­der Haft­an­trag bie­tet kei­ne Grund­la­ge für die Anord­nung von Abschie­bungs­haft 1.

Abschie­be­haft – und die Anga­ben zur Haft­dau­er im Haft­an­trag

In dem Haft­an­trag muss nach § 417 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 FamFG unter ande­rem die erfor­der­li­che Dau­er der Frei­heits­ent­zie­hung dar­ge­legt wer­den. Die Dar­le­gung darf knapp gehal­ten sein, muss aber die für die rich­ter­li­che Prü­fung wesent­li­chen Punk­te des Falls anspre­chen 2. Sie muss auf den kon­kre­ten Fall zuge­schnit­ten sein; Leer­for­meln und Text­bau­stei­ne genü­gen nicht 3.

Dem ent­sprach der Haft­an­trag der betei­lig­ten Behör­de im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall: Die­se legt in dem Antrag dar, dass und wes­halb der Betrof­fe­ne voll­zieh­bar aus­rei­se­pflich­tig ist und wel­cher Zeit­raum für die Durch­füh­rung der Abschie­bung benö­tigt wird. Sie durf­te sich für des­sen Bestim­mung auf die Erfah­run­gen der ört­li­chen Bun­des­po­li­zei­di­rek­ti­on stüt­zen 4. An der Zuläs­sig­keit des Haft­an­trags ändert es nichts, dass sich dem Antrag nichts dafür ent­neh­men lässt, wes­halb statt der nach den Dar­le­gun­gen der betei­lig­ten Behör­de für die Beschaf­fung der Passersatz­pa­pie­re und die Vor­be­rei­tung der Abschie­bung erfor­der­li­chen 6 bis 8 Wochen eine Haft von fast 12 Wochen bean­tragt wird. Zweck des Begrün­dungs­er­for­der­nis­ses ist es, den Rich­ter und den Betrof­fe­nen durch die Anga­ben der Behör­de in die Lage zu ver­set­zen, die Recht­mä­ßig­keit des Haft­an­trags zu prü­fen. Ob die Anga­ben in dem Haft­an­trag der betei­lig­ten Behör­de sach­lich rich­tig sind oder – wor­um es hier geht – eine trag­fä­hi­ge Grund­la­ge für die bean­trag­te Haft bie­ten, ist dage­gen kei­ne Fra­ge der Zuläs­sig­keit, son­dern der Begründ­etheit des Haft­an­trags 5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Okto­ber 2016 – V ZB 167/​14

  1. BGH, Beschluss vom 16.07.2014 – V ZB 80/​13, InfAuslR 2014, 384 Rn. 15[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 15.09.2011 – V ZB 123/​11, FGPrax 2011, 317 f. Rn. 9[]
  3. BGH, Beschluss vom 27.10.2011 – V ZB 311/​10, FGPrax 2012, 82 Rn. 13[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 30.06.2016 – V ZB 143/​14 7[]
  5. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 12.12 2013 – V ZB 214/​12 9; und vom 16.06.2016 – V ZB 12/​15 10[]