Abschie­be­haft – und der erfor­der­li­che Haft­an­trag

Das Vor­lie­gen eines zuläs­si­gen Haft­an­trags ist eine in jeder Lage des Ver­fah­rens von Amts wegen zu prü­fen­de Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung.

Abschie­be­haft – und der erfor­der­li­che Haft­an­trag

Zuläs­sig ist der Haft­an­trag der betei­lig­ten Behör­de nur, wenn er den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung ent­spricht.

Erfor­der­lich sind Dar­le­gun­gen

Zwar dür­fen die Aus­füh­run­gen zur Begrün­dung des Haft­an­trags knapp gehal­ten sein, sie müs­sen aber die für die rich­ter­li­che Prü­fung des Falls wesent­li­chen Punk­te anspre­chen. Fehlt es dar­an, darf die bean­trag­te Siche­rungs­haft nicht ange­ord­net wer­den 1.

Dem wur­de im hier ent­schie­de­nen Fall der Haft­an­trag nicht gerecht:

Die betei­lig­te Behör­de hat die Erfor­der­lich­keit der Haft­zeit von drei Mona­ten damit begrün­det, dass die Abschie­bung auf­grund ver­gan­ge­ner Straf­ta­ten des Betrof­fe­nen durch Sicher­heits­kräf­te beglei­tet wer­den müs­se. Die Buchung eines beglei­te­ten Flu­ges erfol­ge über die Bun­des­po­li­zei in Koblenz und neh­me "erfah­rungs­ge­mäß eini­ge Zeit in Anspruch", da neben dem eigent­li­chen Flug auch die Flü­ge der Sicher­heits­be­glei­ter durch die Bun­des­po­li­zei orga­ni­siert wer­den müss­ten. Sobald das Flug­da­tum fest­ste­he, müs­se mit die­sen Infor­ma­tio­nen das bereits zuge­sag­te Passersatz­pa­pier von der marok­ka­ni­schen Bot­schaft beschafft wer­den, was ein­schließ­lich Antrag­stel­lung, dor­ti­ger Aus­stel­lung und Zusen­dung des Papiers etwa drei bis vier wei­te­re Wochen in Anspruch neh­men wer­de.

Damit wer­den zwei der bean­trag­ten drei Haft­mo­na­te allein mit der Buchung eines beglei­te­ten Flu­ges begrün­det, ohne dass die hier­für erfor­der­li­chen Schrit­te und deren jewei­li­ge Dau­er mit­ge­teilt wer­den. Die­se all­ge­mein gehal­te­nen Aus­füh­run­gen sind vor dem Hin­ter­grund, dass die Haft auf die kür­zest mög­li­che Dau­er zu beschrän­ken ist (§ 62 Abs. 1 Satz 2 Auf­en­thG; näher BGH, Beschluss vom 10.05.2012 – V ZB 246/​11, FGPrax 2012, 225 Rn. 10; vgl. auch Beschluss vom 10.10.2013 – V ZB 67/​13 9), unzu­rei­chend 2.

Die­ser Feh­ler ist nicht geheilt wor­den.

Män­gel des Haft­an­tra­ges kön­nen beho­ben wer­den, indem die Behör­de von sich aus oder auf rich­ter­li­chen Hin­weis ihre Dar­le­gun­gen ergänzt und dadurch die Lücken in ihrem Haft­an­trag schließt oder indem der Haft­rich­ter selbst die Vor­aus­set­zun­gen zur Durch­führ­bar­keit der Ab- oder Zurück­schie­bung des Aus­län­ders und zu der erfor­der­li­chen Haft­dau­er in sei­ner Ent­schei­dung fest­stellt 3. Zwin­gen­de wei­te­re Vor­aus­set­zung für eine Hei­lung ist in einem sol­chen Fall, dass der Betrof­fe­ne zu den ergän­zen­den Anga­ben per­sön­lich ange­hört wird 4.

Vor­lie­gend hat die betei­lig­te Behör­de zwar im Beschwer­de­ver­fah­ren ergän­zend vor­ge­tra­gen, die Abschie­bung sei für den 5.04.2017 vor­ge­se­hen und ein Flug bereits gebucht. Die­se Anga­ben waren auch grund­sätz­lich aus­rei­chend, um die Erfor­der­lich­keit der ver­blei­ben­den Haft­zeit zu bele­gen. Der Betrof­fe­ne wur­de hier­zu aber durch das Beschwer­de­ge­richt nicht per­sön­lich ange­hört.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Sep­tem­ber 2017 – V ZB 74/​17

  1. st. Rspr., vgl. BGH, Beschluss vom 18.12 2014 – V ZB 192/​13 6 mwN; Beschluss vom 15.09.2016 – V ZB 30/​16 5; Beschluss vom 30.03.2017 – V ZB 128/​16, NVwZ 2017, 1231 Rn. 6[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 12.10.2016 – V ZB 8/​15 7; Beschluss vom 01.06.2017 – V ZB 39/​17 14[]
  3. vgl. zum Gan­zen BGH, Beschluss vom 16.07.2014 – V ZB 80/​13, InfAuslR 2014, 384 Rn. 21 ff.[]
  4. vgl. schon die Aus­set­zungs­ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hofs im hie­si­gen Ver­fah­ren: Beschluss vom 31.03.2017 – V ZB 74/​17 3 mwN[]