Abschie­be­haft – und die unter­las­se­ne Unter­rich­tung des Kon­su­lats des Hei­mat­lands

Die unter­las­se­ne Unter­rich­tung des Kon­su­lats des Hei­mat­lands des Betrof­fe­nen gemäß Art. 36 WÜK führt nicht zur Rechts­wid­rig­keit der Abschie­be­haft.

Abschie­be­haft – und die unter­las­se­ne Unter­rich­tung des Kon­su­lats des Hei­mat­lands

Eine Rechts­wid­rig­keit der Haft­an­ord­nung folgt auch nicht aus einem etwai­gen Feh­ler bei der gebo­te­nen Beleh­rung – hier – nach Art. 36 WÜK und ver­gleich­ba­ren Vor­schrif­ten bila­te­ra­ler Abkom­men.

Rich­tig ist zwar, dass sol­che Feh­ler, dar­un­ter auch die feh­len­de Unter­rich­tung des Kon­su­lats des Hei­mat­lands des Betrof­fe­nen nach erfolg­ter Beleh­rung, nach der frü­he­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ohne Wei­te­res zur Rechts­wid­rig­keit der Haft­an­ord­nung führ­ten [1]. Die­se Recht­spre­chung hat der Bun­des­ge­richts­hof aber auf­ge­ge­ben [2], weil das natio­na­le Gericht die Haft zur Siche­rung einer Abschie­bung nach Art. 15 der Richt­li­nie 2008/​115/​EG nach der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on wegen der Ver­let­zung von Ver­tei­di­gungs­rech­ten des Betrof­fe­nen nur dann auf­he­ben darf, wenn es der Ansicht ist, dass das Ver­wal­tungs­ver­fah­ren zu einem ande­ren Ergeb­nis hät­te füh­ren kön­nen [3]. Des­halb führt auch die Ver­let­zung der Unter­rich­tungs­pflicht nach erfolg­ter Beleh­rung gemäß Art. 36 WÜK zur Rechts­wid­rig­keit der Haft nur, wenn das Ver­fah­ren bei pflicht­ge­mä­ßem Vor­ge­hen zu einem ande­ren Ergeb­nis hät­ten füh­ren kön­nen. Das hat der Betrof­fe­ne dar­zu­le­gen [4].

Dar­an fehlt es hier. Der Betrof­fe­ne hat zwar einen Ver­stoß gegen die Unter­rich­tungs­pflicht nach Art. 36 WÜK gerügt. Er hat aber nicht dar­ge­legt, dass das Ver­fah­ren bei Beach­tung der Rege­lung zu einem ande­ren Ergeb­nis hät­te füh­ren kön­nen. Des­halb führt ein etwai­ger Ver­stoß gegen die Beleh­rungs­pflicht nicht zur Rechts­wid­rig­keit der Haft.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. März 2017 – V ZB 128/​16

  1. BGH, Beschlüs­se vom 18. No- vem­ber 2010 – V ZB 165/​10, FGPrax 2011, 99 Rn. 4; vom 14.07.2011 – V ZB 275/​10, FGPrax 2011, 257 Rn. 6; und vom 30.10.2013 – V ZB 33/​13 6[]
  2. BGH, Beschluss vom 22.10.2015 – V ZB 79/​15, NVwZ 2016, 711 Rn. 10 f.[]
  3. EuGH, Urteil vom 10.09.2013 – C‑383/​13 – PPU – G. und R., ECLI:EU:C:2013:533 Rn. 45[]
  4. BGH, Beschluss vom 22.10.2015 – V ZB 79/​15, NVwZ 2016, 711 Rn. 13[]