Abschie­be­haft – und die Ver­ant­wor­tung der Haft­ge­rich­te

Die Haft­ge­rich­te sind auf Grund von Art.20 Abs. 3 und Art. 104 Abs. 1 und Abs. 2 Satz 1 GG ver­fas­sungs­recht­lich und auf Grund von § 26 FamFG ein­fach­recht­lich ver­pflich­tet, das Vor­lie­gen der gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Anord­nung von Siche­rungs­haft in recht­li­cher und tat­säch­li­cher Hin­sicht umfas­send zu prü­fen.

Abschie­be­haft – und die Ver­ant­wor­tung der Haft­ge­rich­te

Die Frei­heits­ge­währ­leis­tung des Art. 2 Abs. 2 Satz 2 GG setzt auch inso­weit Maß­stä­be für die Auf­klä­rung des Sach­ver­halts und damit für die Anfor­de­run­gen in Bezug auf die tat­säch­li­che Grund­la­ge der rich­ter­li­chen Ent­schei­dun­gen.

Es ist unver­zicht­ba­re Vor­aus­set­zung rechts­staat­li­chen Ver­fah­rens, dass Ent­schei­dun­gen, die den Ent­zug der per­sön­li­chen Frei­heit betref­fen, auf zurei­chen­der rich­ter­li­cher Sach­auf­klä­rung beru­hen und eine in tat­säch­li­cher Hin­sicht genü­gen­de Grund­la­ge haben, die der Bedeu­tung der Frei­heits­ga­ran­tie ent­spricht 1.

Der Rich­ter hat nach Art. 104 Abs. 2 Satz 1 GG die Ver­ant­wor­tung für das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen der von ihm ange­ord­ne­ten oder bestä­tig­ten Haft zu über­neh­men. Dazu muss er die Tat­sa­chen fest­stel­len, die die Frei­heits­ent­zie­hung recht­fer­ti­gen 2.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 20. Okto­ber 2016 – V ZB 167/​14

  1. BVerfGK 15, 139, 144 f.; Bun­des­ge­richts­hof, Beschlüs­se vom 20.01.2011 – V ZB 226/​10, FGPrax 2011, 144 Rn. 15; vom 11.05.2011 – V ZB 265/​10, FGPrax 2011, 201 Rn. 8; und vom 16.06.2016 – V ZB 12/​15 14[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 10.06.2010 – V ZB 204/​09, NVwZ 2010, 1172 Rn. 26; vom 17.10.2013 – V ZB 172/​12, InfAuslR 2014, 52 Rn. 14; und vom 16.06.2016 – V ZB 12/​15 aaO[]