Abschieb­haft – über 3 Mona­te

§ 62 Abs. 3 Satz 3 Auf­en­thG lässt erken­nen, dass im Regel­fall die Dau­er von drei Mona­ten nicht über­schrit­ten wer­den soll und eine Haft­dau­er von sechs Mona­ten (§ 62 Abs. 4 Satz 1 Auf­en­thG) nicht ohne wei­te­res als ver­hält­nis­mä­ßig ange­se­hen wer­den darf 1.

Abschieb­haft – über 3 Mona­te

Eine über die­sen Zeit­raum hin­aus­ge­hen­de Haft­an­ord­nung ist nur dann zuläs­sig, wenn aus von dem Aus­län­der zu ver­tre­ten­den Grün­den die Abschie­bung erst nach mehr als drei Mona­ten durch­ge­führt wer­den kann 2.

Ob ein Umstand, der zur Ver­zö­ge­rung der Abschie­bung geführt hat, von dem Aus­län­der zu ver­tre­ten ist, ist eine Fra­ge der Zurech­nung, die nicht gene­rell­abs­trakt beant­wor­tet wer­den kann, son­dern unter Wür­di­gung der gesam­ten Umstän­de zu ent­schei­den ist.

Dabei hat der Aus­län­der auch sol­che Umstän­de zu ver­tre­ten, die, von ihm zure­chen­bar ver­an­lasst, dazu geführt haben, dass ein Abschie­bungs­hin­der­nis über­haupt erst ein­ge­tre­ten ist 3.

Das kann der Fall sein, wenn der Aus­län­der ein­reist, ohne Aus­weis­pa­pie­re mit sich zu füh­ren (vgl. § 3 Abs. 1, § 14 Abs. 1 Nr. 1 Auf­en­thG). Der Aus­län­der, der kei­ne Aus­weis­pa­pie­re besitzt und der auch bei der Passersatz­be­schaf­fung nicht mit­wirkt, muss des­halb Ver­zö­ge­run­gen hin­neh­men, die dadurch ent­ste­hen, dass die Behör­den sei­nes Hei­mat­staa­tes um die Fest­stel­lung sei­ner Iden­ti­tät und die Ertei­lung eines Passersatz­pa­piers ersucht wer­den müs­sen 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 2. Juni 2016 – V ZB 26/​16

  1. BGH, Beschluss vom 12.05.2016 – V ZB 25/​16; Beschluss vom 30.06.2011 – V ZB 261/​10, InfAuslR 2011, 396 Rn. 18 mwN[]
  2. BGH, Beschluss vom 09.02.2012 – V ZB 305/​10[]
  3. BGH, Beschluss vom 11.07.1996 – V ZB 14/​96, BGHZ 133, 235, 238 zu § 57 Abs. 2 Satz 4 Aus­lG[]
  4. BGH, Beschluss vom 25.03.2010 – V ZA 9/​10, NVwZ 2010, 1175 Rn.20; Beschluss vom 12.05.2016 – V ZB 25/​16 6[]