Abschie­bung im Dub­lin-III-Asyl­ver­fah­ren – und die Kla­ge­frist

In den Fäl­len des § 34a AsylVfG beträgt die Kla­ge­frist gemäß § 74 I HS 1 AsylVfG zwei Wochen; § 74 I HS 2 AsylVfG fin­det inso­weit kei­ne Anwen­dung.

Abschie­bung im Dub­lin-III-Asyl­ver­fah­ren – und die Kla­ge­frist

§ 74 Abs. 1, 1. Hs. AsylVfG sieht vor, dass die Kla­ge­frist im Grund­satz zwei Wochen beträgt. Die Aus­nah­me gemäß § 74 Abs. 1, 2. Hs. AsylVfG, wonach die Kla­ge­frist auf eine Woche ver­kürzt ist, wenn ein Antrag nach § 80 Abs. 5 VwGO bin­nen einer Woche zu stel­len ist, greift vor­lie­gend nicht: Der auf § 36 Abs. 3 Satz 1 AsylVfG hin­wei­sen­de Klam­mer­zu­satz ver­deut­licht, dass nur in den dort genann­ten Fäl­len die Ver­kür­zung der Kla­ge­frist erfolgt 1.

Der teils ver­tre­te­nen Auf­fas­sung, § 74 Abs. 1, 2. Hs. AsylVfG müs­se ent­spre­chen­de Anwen­dung auf die Fäl­le des § 34a AsylVfG fin­den, da Sinn, Zweck und Geset­zes­sys­te­ma­tik gleich­ge­la­gert sei­en 2, folgt das Ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg nicht.

Zum einen fehlt es an einer plan­wid­ri­gen Rege­lungs­lü­cke. Den Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en zur Neu­fas­sung des § 34a Abs. 2 AsylVfG durch Gesetz vom 28.08.2013 3 kann ein Begeh­ren des Gesetz­ge­bers, die Kla­ge­frist in den Fäl­len des § 34a Abs. 1 AsylVfG zu ver­kür­zen, nicht ent­nom­men wer­den 4. Viel­mehr spricht gegen die gesetz­ge­be­ri­sche Absicht, die Kla­ge­frist zu ver­kür­zen, der Umstand, dass betrof­fe­ne Aus­län­der durch die Neu­fas­sung des § 34a Abs. 2 AsylVfG gera­de bes­ser­ge­stellt wer­den, indem ihnen einst­wei­li­ger Rechts­schutz eröff­net wird.

Zum ande­ren ist auch eine ver­gleich­ba­re Inter­es­sen­la­ge in den Fäl­len des § 36 AsylVfG einer­seits und des § 34a AsylVfG ande­rer­seits nicht gege­ben. Die Ver­kür­zung der Kla­ge­frist auf eine Woche bei als unbe­acht­lich oder offen­sicht­lich unbe­grün­det abge­lehn­ten Asyl­an­trä­gen muss im Zusam­men­hang mit dem in § 36 Abs. 3 AsylVfG stark beton­ten Beschleu­ni­gungs­prin­zip gese­hen wer­den. Ins­be­son­de­re sieht § 36 Abs. 3 Satz 5 AsylVfG vor, dass eine gericht­li­che Ent­schei­dung über einen Antrag nach § 80 Abs. 5 VwGO bin­nen einer Woche nach Ablauf der ein­wö­chi­gen – mit der Antrags­frist gleich­lau­fen­den – Aus­rei­se­frist erge­hen soll. Eine sol­che Ent­schei­dung kann jedoch dann noch nicht erge­hen, wenn der Aus­län­der, des­sen Asyl­an­trag als unbe­acht­lich oder offen­sicht­lich unbe­grün­det abge­lehnt wur­de, in der Haupt­sa­che noch kei­ne Kla­ge erho­ben hat, ihm die­se Mög­lich­keit aber noch offen steht, weil die Kla­ge­frist noch nicht abge­lau­fen ist.

Eine ver­gleich­ba­re Situa­ti­on kann in den Fäl­len des § 34a AsylVfG nicht ein­tre­ten, da hier eine § 36 Abs. 3 Satz 5 AsylVfG ent­spre­chen­de Rege­lung gera­de nicht besteht.

Ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg, Beschluss vom 15. Sep­tem­ber 2014 – 5 B 47/​14

  1. vgl. VG Gel­sen­kir­chen, Beschluss vom 09.07.2014 – 6a L 911/​14.A 7; VG Regens­burg, Urteil vom 05.03.2014 – RN 4 K 14.3912219; VG Aachen, Beschluss vom 07.02.2014 – 4 L 64/​14.A 8; VG Ans­bach, Urteil vom 08.01.2014 – AN 11 K 13.31110 23[]
  2. so etwa VG Ans­bach, Urteil vom 08.04.2014 – AN 11 K 14.30189 15[]
  3. BGBl. I, S. 3474[]
  4. vgl. ins­be­son­de­re BT-Drs. 17/​13556, S. 7[]