Abschie­bun­gen nach Soma­lia

Nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg besteht kein gene­rel­les Ver­bot von Abschie­bun­gen nach Soma­lia.

Abschie­bun­gen nach Soma­lia

Nach gegen­wär­ti­ger Erkennt­nis­la­ge bestehe in Soma­lia kei­ne der­art pre­kä­re huma­ni­tä­re Situa­ti­on und ins­be­son­de­re kei­ne der­art unzu­rei­chen­de all­ge­mei­ne Ver­sor­gungs­la­ge, dass eine Rück­füh­rung dort­hin, ins­be­son­de­re nach Moga­di­schu, in Anwen­dung eines natio­na­len Abschie­bungs­ver­bots gene­rell aus­ge­schlos­sen wäre. Mit die­ser Begrün­dung hat der Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg der Beru­fung des Bun­des­amts für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge (BAMF) gegen das im Fal­le eines soma­li­schen Flücht­lings zur Fest­stel­lung eines Abschie­bungs­ver­bots ver­pflich­ten­de Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Stutt­gart statt­ge­ge­ben.

Der in Moga­di­schu gebo­re­ne und dort bis zur Aus­rei­se wohn­haf­te Klä­ger ist soma­li­scher Staats­an­ge­hö­ri­ger und war im Juli 2016 nach Deutsch­land gekom­men und hat­te einen Asyl­an­trag gestellt. Auf die gegen den ableh­nen­den Asyl­be­scheid erho­be­ne Kla­ge hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt Stutt­gart das Bun­des­amt ver­pflich­tet fest­zu­stel­len, dass beim Klä­ger die Vor­aus­set­zun­gen eines Abschie­bungs­ver­bots für Soma­lia vor­lie­gen. Die Kam­mer sei davon über­zeugt, dass Rück­keh­rer nach Soma­lia, unab­hän­gig davon, aus wel­chem Lan­des­teil sie stamm­ten, einer kon­kre­ten Gefahr für Leib und Leben wegen der dor­ti­gen Lebens­mit­tel­knapp­heit aus­ge­setzt sei­en. Die Beru­fung des Bun­des­amts hat­te Erfolg.

Der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof konn­te sich nach Aus­wer­tung einer Viel­zahl von Erkennt­nis­mit­teln ins­be­son­de­re zur Ver­sor­gungs­la­ge in Soma­lia nicht davon über­zeu­gen, dass dem Klä­ger als arbeits­fä­hi­gem jun­gen Mann ohne gesund­heit­li­che Beein­träch­ti­gun­gen im Fal­le einer Rück­füh­rung nach Moga­di­schu Lebens­be­din­gun­gen droh­ten, die als unmensch­li­che oder ernied­ri­gen­de Behand­lung im Sin­ne der Euro­päi­schen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on zu qua­li­fi­zie­ren sei­en. Spe­zi­ell mit Blick auf die vom Ver­wal­tungs­ge­richt zur Begrün­dung sei­ner Ent­schei­dung maß­geb­lich her­an­ge­zo­ge­nen Lebens­mit­tel­knapp­heit auf­grund der im Jahr 2017 bestehen­den Dür­re­si­tua­ti­on sei nach gegen­wär­ti­ger Erkennt­nis­la­ge eine nicht uner­heb­li­che Ver­bes­se­rung der Ernäh­rungs­la­ge fest­zu­stel­len. Dies sei ins­be­son­de­re dar­auf zurück­zu­füh­ren, dass nach den Erkennt­nis­sen der Food Secu­ri­ty and Nut­ri­ti­on Ana­ly­sis Unit – FSNAU -, einer von der Welt­ernäh­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on FAO ver­wal­te­ten Orga­ni­sa­ti­ons­ein­heit, die sich maß­geb­lich mit der Nah­rungs­mit­tel­si­cher­heit in Soma­lia befasst, die Nie-der­schlä­ge wäh­rend der Regen­zeit in den Mona­ten April und Mai 2018 sowie im Monat Mai 2019 zu den ergie­bigs­ten im Berichts­zeit­raum 2001 – 2019 gezählt hät­ten.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Urteil vom 17. Juli 2019 – 9 S 1566/​18