Abschie­bungs­haft, der erfor­der­li­che Haft­an­trag – und die Hei­lung von Antrags­män­geln

Män­gel des Haft­an­tra­ges kön­nen beho­ben wer­den, indem die Behör­de von sich aus oder auf rich­ter­li­chen Hin­weis ihre Dar­le­gun­gen ergänzt und dadurch die Lücken in ihrem Haft­an­trag schließt oder indem der Haft­rich­ter selbst die Vor­aus­set­zun­gen zur Durch­führ­bar­keit der Abo­der Zurück­schie­bung des Aus­län­ders und zu der erfor­der­li­chen Haft­dau­er in sei­ner Ent­schei­dung fest­stellt 1.

Abschie­bungs­haft, der erfor­der­li­che Haft­an­trag – und die Hei­lung von Antrags­män­geln

Zwin­gen­de wei­te­re Vor­aus­set­zung für eine Hei­lung ist in einem sol­chen Fall, dass der Betrof­fe­ne zu den ergän­zen­den Anga­ben per­sön­lich ange­hört wird 2.

So auch in dem hier ent­schie­de­nen Fall: Die betei­lig­te Behör­de hat in der münd­li­chen Anhö­rung des Betrof­fe­nen durch die Haft­rich­te­rin ergän­zen­de Anga­ben zur erfor­der­li­chen Haft­dau­er gemacht und mit­ge­teilt, die Beschaf­fung von Passersatz­pa­pie­ren neh­me der Zen­tra­len Aus­län­der­be­hör­de zufol­ge und nach einer Infor­ma­ti­on aus dem Zen­tra­len Aus­län­der­infor­ma­ti­ons­ver­fah­ren "zwi­schen drei und 12 Wochen" in Anspruch. Zur Vor­füh­rung Anfang April 2017 sol­le der Antrag auf Passersatz­pa­pie­re vor­be­rei­tet wer­den. Nach Vor­la­ge der Passersatz­pa­pie­re sei für die Flug­bu­chung ein Zeit­raum von zwei bis drei Wochen erfor­der­lich. Die­se Anga­ben sind aus­rei­chend, denn sie stel­len die im Ein­zel­nen erfor­der­li­chen Schrit­te und die hier­für jeweils nach Ein­schät­zung der Behör­de zu ver­an­schla­gen­den Zeit­dau­er dar. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass für die Passersatz­be­schaf­fung im Hin­blick auf die erfor­der­li­che Mit­wir­kung aus­län­di­scher Behör­den nur ein unge­fäh­rer Zeit­raum ange­ge­ben wer­den konn­te 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Sep­tem­ber 2018 – V ZB 145/​17

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 16.07.2014 – V ZB 80/​13, InfAuslR 2014, 384 Rn. 21 ff.[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 14.07.2016 – V ZB 32/​15, InfAuslR 2016, 432 Rn. 10; Beschluss vom 20.09.2017 – V ZB 74/​17, Rn. 11; Beschluss vom 17.05.2018 – V ZB 92/​16, Rn. 8[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 29.06.2017 – V ZB 40/​16, InfAuslR 2017, 450 Rn. 14[]