Abschie­bungs­haft, Haft­an­trag – und die Anga­ben zur Haft­dau­er

Das Vor­lie­gen eines zuläs­si­gen Haft­an­trags ist eine in jeder Lage des Ver­fah­rens von Amts wegen zu prü­fen­de Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung. Zuläs­sig ist der Haft­an­trag der betei­lig­ten Behör­de nur, wenn er den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung ent­spricht.

Abschie­bungs­haft, Haft­an­trag – und die Anga­ben zur Haft­dau­er

Erfor­der­lich sind Dar­le­gun­gen zu der zwei­fels­frei­en Aus­rei­se­pflicht, zu den Abschie­bungs­vor­aus­set­zun­gen, zu der Erfor­der­lich­keit der Haft, zu der Durch­führ­bar­keit der Abschie­bung und zu der not­wen­di­gen Haft­dau­er (§ 417 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 bis 5 FamFG). Zwar dür­fen die Aus­füh­run­gen zur Begrün­dung des Haft­an­trags knapp gehal­ten sein; sie müs­sen aber die für die rich­ter­li­che Prü­fung des Falls wesent­li­chen Punk­te anspre­chen. Fehlt es dar­an, darf die bean­trag­te Siche­rungs­haft nicht ange­ord­net wer­den [1].

Die­sen Anfor­de­run­gen wur­de der Haft­an­trag im hier ent­schie­de­nen Fall nicht gerecht. Im Antrags­schrei­ben der betei­lig­ten Behör­de vom 09.04.2019 wur­de im Hin­blick auf die bean­trag­te Haft­dau­er ledig­lich aus­ge­führt, nach Mit­tei­lung der Zen­tral­stel­le für Flug­ab­schie­bun­gen in Nord­rhein-West­fa­len wür­den für die Orga­ni­sa­ti­on einer Rück­füh­rung mit Sicher­heits­be­glei­tung nach Marok­ko bis zu drei Mona­te benö­tigt. Eine nähe­re Erläu­te­rung des erfor­der­li­chen Zeit­auf­wands erfolg­te nicht. Eine sol­che ist bei einer Abschie­bung mit­tels eines Flu­ges mit Sicher­heits­be­glei­tung nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs aber in aller Regel nur dann nicht gebo­ten, wenn sich die Behör­de auf eige­ne Erfah­run­gen oder auf eine Aus­kunft der zustän­di­gen Stel­le beruft, wonach der für die Durch­füh­rung der Abschie­bung erfor­der­li­che Zeit­raum bis zu sechs Wochen beträgt [2].

Die Aus­füh­run­gen der betei­lig­ten Behör­de las­sen nicht erken­nen, war­um eine Haft­dau­er von drei Mona­ten erfor­der­lich ist, und sind vor dem Hin­ter­grund, dass die Haft auf die kür­zest mög­li­che Dau­er zu beschrän­ken ist, für die Begrün­dung der bean­trag­ten Haft unzu­rei­chend [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Juni 2020 – XIII ZB 107/​19

  1. BGH, Beschluss vom 13.09.2018 – V ZB 57/​18 5; Beschluss vom 12.11.2019 – XIII ZB 5/​19 8 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 20.09.2018 – V ZB 4/​17, InfAuslR 2019, 23 Rn. 11; vom 04.07.2019 – V ZB 173/​18 8; und vom 12.11.2019 – XIII ZB 5/​19 12[]
  3. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 12.02.2020 – XIII ZB 49/​19 9; und vom 12.04.2018 – V ZB 208/​17 6 mwN[]