Abschie­bungs­haft – und die Min­dest­an­for­de­run­gen an den erfor­der­li­chen Haft­an­trag

Das Vor­lie­gen eines zuläs­si­gen Haft­an­trags ist eine in jeder Lage des Ver­fah­rens von Amts wegen zu prü­fen­de Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung.

Abschie­bungs­haft – und die Min­dest­an­for­de­run­gen an den erfor­der­li­chen Haft­an­trag

Zuläs­sig ist der Haft­an­trag der betei­lig­ten Behör­de nur, wenn er den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung ent­spricht.

Erfor­der­lich sind Dar­le­gun­gen

Zwar dür­fen die Aus­füh­run­gen zur Begrün­dung des Haft­an­trags knapp gehal­ten sein, sie müs­sen aber die für die rich­ter­li­che Prü­fung des Falls wesent­li­chen Punk­te anspre­chen.

Fehlt es dar­an, darf die bean­trag­te Siche­rungs­haft nicht ange­ord­net wer­den 1.

Die­sen Anfor­de­run­gen genüg­te im vor­lie­gen­den Fall der Haft­an­trag der betei­lig­ten Behör­de nicht:

Dies folg­te zwar nicht schon dar­aus, dass der schrift­li­che Antrag der Behör­de kei­ne aus­rei­chen­den Anga­ben zu den Voll­stre­ckungs­vor­aus­set­zun­gen und zu der erfor­der­li­chen Haft­dau­er ent­hielt. Zutref­fend ist aller­dings die Rüge, dass die Anga­be in dem schrift­li­chen Antrag der Behör­de, die Sperr­wir­kung der Abschie­bung sei befris­tet wor­den, im vor­lie­gen­den Fall kei­ne hin­rei­chen­de Dar­le­gung des Vor­lie­gens einer Abschie­bungs­an­dro­hung ent­hält, weil weder mit­ge­teilt wird, wann eine sol­che ergan­gen ist, noch dass und wann die Ent­schei­dung dem Betrof­fe­nen in einer für ihn ver­ständ­li­chen Spra­che über­mit­telt wur­de. Fehlt es an dem Vor­trag der Behör­de, dass eine Abschie­bungs­an­dro­hung ent­we­der bereits ergan­gen ist oder aber wegen Vor­lie­gens einer ande­ren Rück­kehr­ent­schei­dung aus­nahms­wei­se ent­behr­lich ist, liegt ein Ver­stoß gegen den gesetz­li­chen Begrün­dungs­zwang vor, der zur Unzu­läs­sig­keit des Haft­an­trags führt 2.

Wei­ter ent­hielt der schrift­li­che Haft­an­trag nicht die nach § 417 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 FamFG gebo­te­nen Dar­le­gun­gen zur erfor­der­li­chen Dau­er der Frei­heits­ent­zie­hung. Es heißt hier­in ledig­lich, eine Abschie­bung nach Alge­ri­en sei nach Rück­spra­che mit der Zen­tra­len Aus­län­der­be­hör­de inner­halb von 3 Mona­ten "mög­lich". Die­se Aus­füh­run­gen sind vor dem Hin­ter­grund, dass die Haft auf die kür­zest mög­li­che Dau­er zu beschrän­ken ist (§ 62 Abs. 1 Satz 2 Auf­en­thG) 3 unzu­rei­chend. Die Anga­be, inner­halb wel­chen Zeit­raums die Abschie­bung "mög­lich" ist, beschreibt nur die zu erwar­ten­de Höchst­dau­er, ent­hält aber nicht die gebo­te­ne Dar­le­gung, mit wel­chem Zeit­raum im kon­kre­ten Fall des Betrof­fe­nen nach Ein­schät­zung der Behör­de zu rech­nen ist 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Sep­tem­ber 2018 – V ZB 145/​17

  1. st. Rspr., vgl. BGH, Beschluss vom 18.12 2014 – V ZB 192/​13 6 mwN; Beschluss vom 30.03.2017 – V ZB 128/​16, NVwZ 2017, 1231 Rn. 6; Beschluss vom 20.09.2017 – V ZB 74/​17, Rn. 6[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 14.07.2016 – V ZB 32/​15, InfAuslR 2016, 432 Rn. 10 mwN[]
  3. näher BGH, Beschluss vom 10.05.2012 – V ZB 246/​11, FGPrax 2012, 225 Rn. 10[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 17.05.2018 – V ZB 92/​16 6[]