Abschie­bungs­haft – und der erfor­der­li­che Haft­an­trag

Das Vor­lie­gen eines zuläs­si­gen Haft­an­trags ist eine in jeder Lage des Ver­fah­rens von Amts wegen zu prü­fen­de Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung.

Abschie­bungs­haft – und der erfor­der­li­che Haft­an­trag

Zuläs­sig ist der Haft­an­trag der betei­lig­ten Behör­de nur, wenn er den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung ent­spricht.

Erfor­der­lich sind Dar­le­gun­gen

  • zu der zwei­fels­frei­en Aus­rei­se­pflicht,
  • zu den Abschie­bungs­vor­aus­set­zun­gen,
  • zu der Erfor­der­lich­keit der Haft,
  • zu der Durch­führ­bar­keit der Abschie­bung und
  • zu der not­wen­di­gen Haft­dau­er, § 417 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 bis 5 FamFG [1].

Die­sen Anfor­de­run­gen wur­de der Haft­an­trag in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall gerecht:

In dem Antrag wird dar­ge­legt, dass für die Beschaf­fung marok­ka­ni­scher Passersatz­pa­pie­re erfah­rungs­ge­mäß zehn Wochen und für die anschlie­ßen­de Orga­ni­sa­ti­on der Rück­füh­rung per Flug­zeug wei­te­re zwei Wochen benö­tigt wür­den. An der Zuläs­sig­keit des Haft­an­trags ändert es nichts, dass sich dem Antrag nichts dafür ent­neh­men lässt, wes­halb statt der nach den nach­voll­zieh­ba­ren Dar­le­gun­gen erfor­der­li­chen zwölf Wochen eine Haft von 13 Wochen bean­tragt wird.

Ob die Anga­ben in dem Haft­an­trag der betei­lig­ten Behör­de sach­lich rich­tig sind oder wor­um es hier geht eine trag­fä­hi­ge Grund­la­ge für die bean­trag­te Haft bie­ten, ist kei­ne Fra­ge der Zuläs­sig­keit, son­dern der Begründ­etheit des Haft­an­trags [2].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 12. Febru­ar 2020 – XIII ZB 15/​19

  1. st. Rspr.; s. nur BGH, Beschluss vom 16.05.2019 – V ZB 1/​19 10 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 20.10.2016 – V ZB 167/​14 7; und vom 29.06.2017 – V ZB 40/​16, InfAuslR 2017, 450 Rn. 11 jeweils mwN[]