Abschie­bungs­haft – und der not­wen­di­ge Inhalt des Haftantrags

Ein zuläs­si­ger Haft­an­trag der betei­lig­ten Behör­de ist eine in jeder Lage des Ver­fah­rens von Amts wegen zu prü­fen­de Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung. Zuläs­sig ist der Haft­an­trag nur, wenn er den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung entspricht.

Abschie­bungs­haft – und der not­wen­di­ge Inhalt des Haftantrags

Erfor­der­lich sind Darlegungen

  • zur zwei­fels­frei­en Ausreisepflicht, 
  • zu den Abschie­bungs- oder Überstellungsvoraussetzungen, 
  • zur Erfor­der­lich­keit der Haft, 
  • zur Durch­führ­bar­keit der Abschie­bung oder Über­stel­lung und
  • zur not­wen­di­gen Haft­dau­er (§ 417 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 bis 5 FamFG).

Zwar dür­fen die Aus­füh­run­gen zur Begrün­dung des Haft­an­trags knapp gehal­ten sein; sie müs­sen aber die für die rich­ter­li­che Prü­fung wesent­li­chen Punk­te anspre­chen. Sind die­se Anfor­de­run­gen nicht erfüllt, darf die bean­trag­te Siche­rungs­haft nicht ange­ord­net wer­den1.

Die erfor­der­li­che Dau­er der Haft muss­te die betei­lig­te Behör­de nicht näher erläu­tern. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs bedarf es des­sen nicht, wenn – wie hier – eine Abschie­bung mit Sicher­heits­be­glei­tung vor­ge­se­hen ist und sich die Behör­de auf eine Aus­kunft der zustän­di­gen Stel­le oder ent­spre­chen­de eige­ne Erfah­rungs­wer­te beruft, wonach die­ser Zeit­raum bis zu sechs Wochen beträgt2. Die betei­lig­te Behör­de hat hier nicht im Ein­zel­nen erläu­tert, wes­halb sie eine Sicher­heits­be­glei­tung für erfor­der­lich hält. Die Grün­de erge­ben sich aber zwang­los aus den Erläu­te­run­gen zur „Ver­hält­nis­mä­ßig­keit“. Dort hat die betei­lig­te Behör­de vor allem auf den Umstand abge­stellt, dass der Betrof­fe­ne unter bewuss­tem Ver­stoß gegen das Ein­rei­se- und Auf­ent­halts­ver­bot ein­ge­reist ist und ein Auf­ent­halts­recht in Bel­gi­en, auf das er sich beru­fen hat­te, nicht fest­zu­stel­len war. Das reicht vor dem Hin­ter­grund aus, dass die Not­wen­dig­keit einer Sicher­heits­be­glei­tung von den Haft­ge­rich­ten grund­sätz­lich wegen der Zustän­dig­keit der Ver­wal­tungs­ge­rich­te nicht zu prü­fen ist3. Die Not­wen­dig­keit einer Sicher­heits­be­glei­tung liegt hier auch nicht so fern, dass der Zeit­auf­wand für ihre Vor­be­rei­tung dem Beschleu­ni­gungs­ge­bot wider­spricht4.

Weiterlesen:
Abschiebungshaft - und die erforderliche Begründung des Haftantrags

Zu mil­de­ren Mit­teln muss sich die betei­lig­te Behör­de im Haft­an­trag nicht näher äußern, wenn sie die Not­wen­dig­keit von Siche­rungs­haft erläu­tert hat5.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Juni 2021 – XIII ZB 59/​20

  1. st. Rspr., vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 15.09.2011 – V ZB 123/​11, InfAuslR 2012, 25 Rn. 8; vom 12.11.2019 – XIII ZB 5/​19, InfAuslR 2020, 165 Rn. 8; vom 14.07.2020 – XIII ZB 74/​19 7; und vom 23.03.2021 – XIII ZB 6/​20 6[]
  2. st. Rspr., vgl. nur BGH, Beschlüs­se vom 20.09.2018 – V ZB 4/​17, InfAuslR 2019, 23 Rn. 11; vom 14.07.2020 – XIII ZB 74/​19 7; und vom 23.03.2021 – XIII ZB 6/​20 8[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 23.05.2019 – V ZB 236/​17 9; vom 25.08.2020 – XIII ZB 45/​19 21; vom 06.10.2020 – XIII ZB 85/​19 28; und vom 23.03.2021 – XIII ZB 3/​20 14[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 23.03.2021 – XIII ZB 3/​20, aaO[]
  5. BGH, Beschluss vom 30.03.2017 – V ZB 128/​16, FGPrax 2017, 185 Rn. 11[]