Abschie­bungs­haft – und der zuläs­si­ge Haft­an­trag

Das Vor­lie­gen eines zuläs­si­gen Haft­an­trags ist eine in jeder Lage des Ver­fah­rens von Amts wegen zu prü­fen­de Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung. Zuläs­sig ist der Haft­an­trag der betei­lig­ten Behör­de nur, wenn er den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung ent­spricht.

Abschie­bungs­haft – und der zuläs­si­ge Haft­an­trag

Erfor­der­lich sind Dar­le­gun­gen

Zwar dür­fen die Aus­füh­run­gen zur Begrün­dung des Haft­an­trags knapp gehal­ten sein, sie müs­sen aber die für die rich­ter­li­che Prü­fung des Falls wesent­li­chen Punk­te anspre­chen. Fehlt es dar­an, darf die bean­trag­te Siche­rungs­haft nicht ange­ord­net wer­den 1.

Die­sen Anfor­de­run­gen wur­de im hier ent­schie­de­nen Fall der Haft­an­trag der betei­lig­ten Behör­de nicht gerecht. Zur Dau­er der bean­trag­ten Haft führt die betei­lig­te Behör­de dar­in ledig­lich aus, dass eine Abschie­bung inner­halb von drei Mona­ten mög­lich sei. Die­se Aus­füh­run­gen sind vor dem Hin­ter­grund, dass die Haft auf die kür­zest mög­li­che Dau­er zu beschrän­ken ist (§ 62 Abs. 1 Satz 1 Auf­en­thG) 2, unzu­rei­chend. Die Behör­de hät­te jeden­falls auf den kon­kre­ten Fall bezo­gen 3 knapp erläu­tern müs­sen, wel­che orga­ni­sa­to­ri­schen Ver­fah­rens­schrit­te den bean­trag­ten Zeit­raum von drei Mona­ten erfor­der­lich mach­ten und war­um eine frü­he­re Flug­bu­chung nicht erfol­gen konn­te. Dar­an fehlt es.

Der Man­gel des Haft­an­tra­ges ist auch nicht nach­träg­lich geheilt wor­den. Die Behör­de hat zwar im Beschwer­de­ver­fah­ren mit­ge­teilt, dass für den 11.12.2017 ein Flug nach Tune­si­en gebucht sei. Das Beschwer­de­ge­richt hat den Betrof­fe­nen auch ange­hört. Das hat aber nicht zur Behe­bung des Man­gels geführt.

Eine Hei­lung im Beschwer­de­ver­fah­ren setzt grund­sätz­lich vor­aus, dass das Beschwer­de­ge­richt eigen­stän­dig prüft, ob die Haft­an­ord­nung ange­sichts der ver­voll­stän­dig­ten Ent­schei­dungs­grund­la­ge und des Ergeb­nis­ses der Anhö­rung 4 auf­recht­erhal­ten wer­den kann oder ob sie der Abän­de­rung oder Auf­he­bung bedarf. Erst mit die­ser Ent­schei­dung tritt die Hei­lung mit Wir­kung für die Zukunft ein 5. An einer sol­chen Ent­schei­dung fehlt es hier. Das Beschwer­de­ge­richt stützt sich allein auf die Beschwer­de­rück­nah­me und hat zu den Vor­aus­set­zun­gen, zur Durch­führ­bar­keit der Abschie­bung und zu der dafür erfor­der­li­chen Haft­dau­er in sei­ner Ent­schei­dung kei­ne Fest­stel­lun­gen getrof­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 9. Mai 2019 – V ZB 12/​18

  1. st. Rspr., vgl. BGH, Beschluss vom 18.12 2014 – V ZB 192/​13, Rn. 6 mwN; Beschluss vom 15.09.2016 – V ZB 30/​16, Rn. 5; Beschluss vom 30.03.2017 – V ZB 128/​16, NVwZ 2017, 1231 Rn. 6; Beschluss vom 25.10.2018 – V ZB 83/​18, Rn. 6[]
  2. vgl. hier­zu BGH, Beschluss vom 19.05.2002 – V ZB 246/​11, FGPrax 2012, 225 Rn.20; Beschluss vom 31.01.2013 – V ZB 20/​12, FGPrax 2013, 130 Rn. 15[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 20.09.2018 – V ZB 4/​17 11[]
  4. vgl. dazu BGH, Beschluss vom 13.07.2017 – V ZB 69/​17, InfAuslR 2017, 454 Rn. 10[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 25.01.2018 – V ZB 71/​17, FGPrax 2018, 136 Rn. 6 u. 9; Beschluss vom 20.09.2018 – V ZB 102/​16 12[]