Abschie­bungs­haft – und die kür­zest­mög­li­che Haft­dau­er

Die Zurück­wei­sung eines Antrags auf Haft­auf­he­bung ver­letzt den Betrof­fe­nen u.a. dann in sei­nen Rech­ten, wenn die Haft schon nicht hät­te ange­ord­net wer­den dür­fen, weil es an einem zuläs­si­gen, den Begrün­dungs­an­for­de­run­gen des § 417 Abs. 2 FamFG ent­spre­chen­den Haft­an­trag fehl­te 1.

Abschie­bungs­haft – und die kür­zest­mög­li­che Haft­dau­er

So ver­hält es sich in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall:

In dem Haft­an­trag der betei­lig­ten Behör­de wird aller­dings unter Dar­stel­lung der ein­zel­nen Schrit­te erläu­tert, dass die zur Abschie­bung des Betrof­fe­nen nach Geor­gi­en not­wen­di­ge Passer­satz­aus­stel­lung – mit oder ohne Iden­ti­täts­nach­weis – inner­halb von zwei Mona­ten erfol­gen wer­de und daher des­sen Abschie­bung inner­halb der bean­trag­ten Haft­dau­er von drei Mona­ten mög­lich sei. Damit ist jedoch nur die Zuläs­sig­keit der bean­trag­ten Siche­rungs­haft nach § 62 Abs. 3 Satz 4 Auf­en­thG aF (jetzt Satz 3) dar­ge­legt wor­den; die­se darf nicht ange­ord­net wer­den, wenn fest­steht, dass aus Grün­den, die der Aus­län­der nicht zu ver­tre­ten hat, die Abschie­bung nicht inner­halb der nächs­ten drei Mona­te nicht durch­ge­führt wer­den kann.

Es fehlt jedoch eine Begrün­dung dafür, wes­halb eine Haft von drei Mona­ten erfor­der­lich erschien und ein Haft von kür­ze­rer Dau­er nicht aus­reich­te. Eine sol­che Erläu­te­rung ist unver­zicht­ba­rer Bestand­teil eines zuläs­si­gen Haft­an­trags, weil die Abschie­bungs­haft nach § 62 Abs. 1 Satz 2 Auf­en­thG auf die kür­zest mög­li­che Dau­er zu beschrän­ken ist und die Frist von drei Mona­ten vor­be­halt­lich des § 62 Abs. 4 Auf­en­thG die obe­re Gren­ze der mög­li­chen Haft und nicht deren Nor­maldau­er bestimmt 2.

Die­ser Man­gel des Haft­an­trags ist weder durch ergän­zen­de Aus­füh­run­gen der Behör­de 3 noch durch rich­ter­li­che Fest­stel­lun­gen in den ange­grif­fe­nen Beschlüs­sen 4 beho­ben wor­den. Die gegen den Betrof­fe­nen ange­ord­ne­te Haft beruht daher auf einer Ver­let­zung einer Ver­fah­rens­ga­ran­tie, deren Beach­tung von Art. 104 Abs. 1 GG gefor­dert ist 5, wes­halb die Zurück­wei­sung des Haft­auf­he­bungs­an­trags sich als eine Ver­let­zung der Rech­te des Betrof­fe­nen dar­stellt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Janu­ar 2016 – V ZB 178/​14

  1. BGH, Beschluss vom 15.12 2011 – V ZB 302/​10 14[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 10.05.2012 – V ZB 246/​11 10[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 15.09.2011 – V ZB 136/​11, FGPrax 2011, 318 Rn. 8; Beschluss vom 17.10.2013 – V ZB 172/​12, InfAuslR 2014, 52 Rn. 10[]
  4. BGH, Beschluss vom 16.07.2014 – V ZB 80/​13, InfAuslR 2014, 384 Rn. 23[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 16.07.2014 – V ZB 80/​13, aaO Rn. 16[]