Abschie­bungs­haft – und die Tat­sa­chen­grund­la­ge für die Haftanordnung

Die Haft­an­ord­nung kann man­gels einer unzu­rei­chen­den Tat­sa­chen­grund­la­ge rechts­wid­rig sein.

Abschie­bungs­haft – und die Tat­sa­chen­grund­la­ge für die Haftanordnung

Die Haft­ge­rich­te sind auf Grund von Art.20 Abs. 3 und Art. 104 Abs. 1 und Abs. 2 Satz 1 GG ver­fas­sungs­recht­lich und auf Grund von § 26 FamFG ein­fach­recht­lich ver­pflich­tet, das Vor­lie­gen der gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Anord­nung von Siche­rungs­haft in recht­li­cher und tat­säch­li­cher Hin­sicht umfas­send zu prüfen.

Ent­schei­dun­gen, die den Ent­zug der per­sön­li­chen Frei­heit betref­fen, müs­sen auf zurei­chen­der rich­ter­li­cher Sach­auf­klä­rung beru­hen und eine in tat­säch­li­cher Hin­sicht genü­gen­de Grund­la­ge haben, die der Bedeu­tung der Frei­heits­ga­ran­tie ent­spricht und die Frei­heits­ent­zie­hung rechtfertigen.

Die Frei­heits­ent­zie­hung darf auch nur für einen Zeit­raum ange­ord­net wer­den, für den eine aus­rei­chen­de Tat­sa­chen­grund­la­ge fest­ge­stellt ist. Ange­sichts des hohen Ran­ges des Frei­heits­grund­rechts gilt dies in glei­chem Maße, wenn die nach­träg­li­che Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit einer frei­heits­ent­zie­hen­den Maß­nah­me in Rede steht1.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Juni 2021 – XIII ZB 59/​20

  1. zum Gan­zen BGH, Beschluss vom 20.04.2021 – XIII ZB 47/​20 15 mwN[]