Abschie­bungs­haft – und die ver­brauch­ter Abschie­bungs­an­dro­hung

Zu den vom Haft­rich­ter zu prü­fen­den Voll­stre­ckungs­vor­aus­set­zun­gen gehört grund­sätz­lich eine Abschie­bungs­an­dro­hung nach § 59 Auf­en­thG 1. Eine sol­che Andro­hung muss auch dann erfol­gen, wenn der Aus­län­der gemäß § 14 Auf­en­thG uner­laubt ein­ge­reist und des­halb nach § 58 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Auf­en­thG voll­zieh­bar aus­rei­se­pflich­tig ist 2.

Abschie­bungs­haft – und die ver­brauch­ter Abschie­bungs­an­dro­hung

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall lag die­se Vor­aus­set­zung aller­dings nach dem Kennt­nis­stand bei der Haft­an­ord­nung vor. Der Haft­an­trag ent­sprach ins­be­son­de­re dem sich aus § 417 Abs. 2 Satz 2 Nr. 5 FamFG erge­ben­den Begrün­dungs­er­for­der­nis 3, weil die Andro­hung in der dem Haft­an­trag bei­gefüg­ten Ver­fü­gung der betei­lig­ten Behör­de vom 03.04.2013 ent­hal­ten war und der Sach­ver­halt sich so dar­stell­te, dass der Betrof­fe­ne der Aus­rei­se­auf­for­de­rung der Behör­de nicht nach­ge­kom­men, son­dern nach Zustel­lung der behörd­li­chen Ver­fü­gung bis zu sei­nem Auf­grei­fen bei einer Ver­kehrs­kon­trol­le im Dezem­ber 2013 im Bun­des­ge­biet unter­ge­taucht war.

Tat­säch­lich fehl­te es jedoch an der Voll­stre­ckungs­vor­aus­set­zung, weil der Betrof­fe­ne nach den Fest­stel­lun­gen des Beschwer­de­ge­richts nach der Auf­for­de­rung der betei­lig­ten Behör­de in die Tür­kei aus­ge­reist und erst spä­ter über Bul­ga­ri­en, wo er sich einen gefälsch­ten Pass hat­te anfer­ti­gen las­sen, wie­der in die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ein­ge­reist ist. Die Aus­rei­se nach erfolg­ter Abschie­bungs­an­dro­hung hat­te – wie von der Rechts­be­schwer­de zutref­fend bemerkt – zur Fol­ge, dass die­se "ver­braucht" war, weil eine vor­sorg­li­che Andro­hung auch für den Fall uner­laub­ter Wie­der­ein­rei­se – von der Son­der­re­ge­lung für das Flug­ha­fen­ver­fah­ren (§ 18a Abs. 2 AsylVfG) abge­se­hen – nicht zuläs­sig ist 4. Sie ist hier von der betei­lig­ten Behör­de auch nicht ange­ord­net wor­den.

Das Beschwer­de­ge­richt hät­te daher bei der von ihm auf der Grund­la­ge des Vor­trags des Betrof­fe­nen getrof­fe­nen Ent­schei­dung die Haft­an­ord­nung des Amts­ge­richts auf des­sen Beschwer­de auf­he­ben müs­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. Janu­ar 2016 – V ZB 18/​14

  1. vgl. näher BGH, Beschluss vom 16.05.2013 – V ZB 44/​12, FGPrax 2013, 229 Rn. 9 ff.[]
  2. BGH, Beschluss vom 12.07.2013 – V ZB 92/​12, FGPrax 2013, 279 Rn. 26 f.[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 22.10.2014 – V ZB 61/​14, InfAuslR 2015, 60 Rn. 6; Beschluss vom 22.10.2015 – V ZB 46/​14 3[]
  4. BGH, Beschluss vom 01.10.2015 – V ZB 44/​15 7; BVerw­GE 124, 166, 170[]
  5. BGH, Beschluss vom 12.12 2013 – V ZB 214/​12[]