Abschie­bungs­haft­sa­chen – und das Rechts­mit­tel der Ver­trau­ens­per­son

Der Antrag einer Ver­trau­ens­per­son auf Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit der Haft ist unzu­läs­sig, wenn die Antrag­stel­lung nicht dem Wil­len des Betrof­fe­nen ent­spricht.

Abschie­bungs­haft­sa­chen – und das Rechts­mit­tel der Ver­trau­ens­per­son

Der mit dem Haft­auf­he­bungs­an­trag nach § 426 Abs. 2 FamFG ver­bun­de­ne 1 Antrag der Ver­trau­ens­per­son auf Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit der Haft ist regel­mä­ßig zuläs­sig, so dass das Amts­ge­richt hät­te ent­schei­den müs­sen.

Nicht nur der Betrof­fe­ne selbst, son­dern auch die von ihm benann­te, im ers­ten Rechts­zug betei­lig­te Ver­trau­ens­per­son ist berech­tigt, im Inter­es­se des Betrof­fe­nen nach Erle­di­gung des Haft­auf­he­bungs­an­trags einen Fest­stel­lungs­an­trag zu stel­len. Dies ergibt sich schon aus § 429 Abs. 2 Nr. 2 FamFG i.V.m. § 62 Abs. 1 und 2 Nr. 1 FamFG und dem damit gesetz­lich aner­kann­ten Recht der erst­in­stanz­lich betei­lig­ten Ver­trau­ens­per­son, für den Betrof­fe­nen des­sen Reha­bi­li­tie­rungs­in­ter­es­se wahr­zu­neh­men 2.

Mit der Erklä­rung des Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten des Betrof­fe­nen, dass er kei­nen Antrag gemäß § 62 FamFG auf Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit der Haft­an­ord­nung stel­le, ist der Fest­stel­lungs­an­trag der Ver­trau­ens­per­son aber unzu­läs­sig gewor­den. Aus den Rege­lun­gen in § 418 Abs. 3 Nr. 2 FamFG und § 429 Abs. 2 Nr. 2 FamFG ergibt sich, dass die von dem Betrof­fe­nen benann­te – selbst in ihren Rech­ten nicht betrof­fe­ne – Ver­trau­ens­per­son nur in des­sen Inter­es­se tätig wer­den darf. Das Inter­es­se des Betrof­fe­nen ist aus sei­ner Sicht zu beur­tei­len 3. Die von ihm benann­te Ver­trau­ens­per­son ist daher nicht berech­tigt, unter Hin­weg­set­zung über den von dem Betrof­fe­nen oder sei­nem Ver­fah­rens­be­voll­mäch­tig­ten geäu­ßer­ten Wil­len die Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit von Abschie­bungs­haft zu bean­tra­gen. Ein sol­cher Antrag ist unzu­läs­sig.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Juni 2014 – V ZB 5/​14

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 11.10.2012 – V ZB 238/​11, FGPrax 2013, 39 Rn. 6[]
  2. vgl. nur BGH, Beschluss vom 07.10.2013 – V ZB 24/​13; Beschluss vom 29.11.2012 – V ZB 115/​12, InfAuslR 2013, 158 Rn. 3, 6[]
  3. vgl. BT-Drs. 16/​6308, S. 265 f., 273, 291, 294; Münch-Komm-FamFG/​Wendtland, 2. Aufl., § 418 Rn. 7; Keidel/​Budde, FamFG, 18. Aufl., § 274 Rn. 17[]