Absi­che­rung von ÖPNV-För­der­mit­teln

Ein Bus­un­ter­neh­men aus dem Mär­ki­schen Kreis hat sich vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg erfolg­reich dage­gen zu Wehr gesetzt, dass ihm öffent­li­che För­der­mit­tel nur nach Vor­la­ge einer (kos­ten­pflich­ti­gen) Bank­bürg­schaft zur Siche­rung eines even­tu­el­len Rück­zah­lungs­an­spru­ches aus­ge­zahlt wur­den. Das Unter­neh­men hat­te Zuwen­dun­gen für die Anschaf­fung von drei Bus­sen bean­tragt, die über­wie­gend im Lini­en­ver­kehr ein­ge­setzt wer­den. Die zustän­di­ge Kreis­ver­wal­tung ent­sprach den Anträ­gen. Aller­dings wies sie in ihren zwei Beschei­den jeweils dar­auf hin, dass die Zuwen­dung erst dann aus­ge­zahlt wer­de, wenn die Antrag­stel­le­rin eine dem Zuwen­dungs­be­trag ent­spre­chen­de Bürg­schafts­ur­kun­de vor­le­ge. Die­se Neben­be­stim­mun­gen hob das Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg mit sei­nen Urtei­len vom 6. Mai 2009 auf.

Absi­che­rung von ÖPNV-För­der­mit­teln

Der Kreis hat­te die Not­wen­dig­keit der Bank­bürg­schaft damit begrün­det, dass nach Prü­fung der wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on Beden­ken bestün­den, ob das Unter­neh­men die Gewähr für eine ord­nungs­ge­mä­ße Ver­wen­dung der Mit­tel und Unter­hal­tung der geför­der­ten Fahr­zeu­ge bie­te. Grund­la­ge die­ser Prü­fung waren – nach stän­di­ger Pra­xis des Krei­ses – die Han­dels­bi­lan­zen des antrag­stel­len­den Unter­neh­mens, die hier seit dem Jah­re 2004 Ver­lus­te aus­wie­sen.

Das Gericht hielt das Vor­ge­hen des Krei­ses im Ein­zel­fall für ermes­sens­feh­ler­haft. Es sei unbe­rück­sich­tigt geblie­ben, dass der Bus­be­trieb nach steu­er­recht­li­chen Maß­stä­ben kei­nes­wegs defi­zi­tär gewirt­schaf­tet habe. Das Unter­neh­men habe in den letz­ten Jah­ren durch­ge­hend steu­er­li­che Gewin­ne erzielt und jähr­lich in jeweils fünf­stel­li­ger Höhe Gewer­be­steu­er gezahlt, wel­che die objek­ti­vier­te Ertrags­kraft des Betriebs erfas­se. Schon im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren habe die kla­gen­de Fir­ma dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die han­dels­recht­li­chen Ver­lus­te ins­be­son­de­re auf einen in 2004 voll­zo­ge­nen Rechts­form­wech­sel vom Ein­zel­un­ter­neh­men zur GmbH & Co. KG zurück­zu­füh­ren sei­en, der dazu geführt habe, dass erheb­lich höhe­re Abschrei­bun­gen in den Han­dels­bi­lan­zen – nicht hin­ge­gen bei der steu­er­li­chen Bilan­zie­rung – anzu­set­zen gewe­sen sei­en. Die­sen Son­der­fall mit sei­nen han­dels- und steu­er­recht­li­chen Fol­ge­wir­kun­gen habe der Beklag­te nicht ange­mes­sen gewür­digt.

Unver­hält­nis­mä­ßig sei fer­ner, dass dem Unter­neh­men ledig­lich die Mög­lich­keit ein­ge­räumt wor­den sei, die Bürg­schafts­sum­me jähr­lich um 10 % des Anfangs­be­tra­ges zu redu­zie­ren. Die Höhe eines etwai­gen Rück­for­de­rungs­an­spru­ches, zu des­sen Siche­rung die Bürg­schaft die­ne, ste­he im umge­kehr­ten Ver­hält­nis zu der bereits erreich­ten Zweck­bin­dung des Fahr­zeugs. Gemäß den Ver­wal­tungs­vor­schrif­ten ende die­se Zweck­bin­dung nach „10 Jah­ren oder 600.000 km“. Wer­de die Kilo­me­ter­gren­ze auf­grund hoher Lauf­leis­tung vor Ablauf von 10 Jah­ren über­schrit­ten, was hier kon­kret in Betracht kom­me, füh­re die allein zeit- bzw. alters­ab­hän­gi­ge linea­re Redu­zie­rung der Bürg­schafts­sum­me zu einer unnö­ti­gen Über­si­che­rung des Zuwen­dungs­ge­bers, deren Kos­ten der Zuwen­dungs­emp­fän­ger zu tra­gen habe. Die von der Bank ver­lang­te Ver­gü­tung für die Über­nah­me der Bürg­schaf­ten belau­fe sich hier – aus­ge­hend von den Anga­ben des kla­gen­den Bus­un­ter­neh­mens – über die gesam­te Bürg­schafts­dau­er auf mehr als 28.000 €.

Ver­wal­tungs­ge­richt Arns­berg, Urtei­le vom 6. Mai 2009 – 1 K 1283/​07 und 1 K 2620/​07