Ände­rungs­pla­nung bei einer Bun­des­fern­stra­ße

Die Ände­rung einer Bun­des­fern­stra­ße kann nur dann zuläs­si­ger­wei­se Gegen­stand der fern­stra­ßen­recht­li­chen Plan­fest­stel­lung sein, wenn es sich bei der Stra­ße auch nach ihrer Umge­stal­tung wei­ter­hin mate­ri­ell um eine Bun­des­fern­stra­ße han­deln wird.

Ände­rungs­pla­nung bei einer Bun­des­fern­stra­ße

Das Grund­ge­setz trifft eine dif­fe­ren­zier­te Rege­lung der Ver­wal­tungs­kom­pe­ten­zen für das Stra­ßen­we­sen. Nach Art. 90 Abs. 2 GG ver­wal­ten die Län­der oder die nach Lan­des­recht zustän­di­gen Selbst­ver­wal­tungs­kör­per­schaf­ten die Bun­des­au­to­bah­nen und sons­ti­gen Bun­des­stra­ßen des Fern­ver­kehrs im Auf­trag des Bun­des. Für ande­re öffent­li­che Stra­ßen gehört der Geset­zes­voll­zug nach Art. 30 GG zu den eige­nen Ange­le­gen­hei­ten der Län­der. Zur Auf­trags­ver­wal­tung nach Art. 90 Abs. 2 GG zählt ins­be­son­de­re auch die Pla­nung des Neu- und Umbaus von Bun­des­fern­stra­ßen 1. § 17 Satz 1 FStrG regelt die Zulas­sung dies­be­züg­li­cher Plan­vor­ha­ben, indem er den Bau und die Ände­rung von Bun­des­fern­stra­ßen der fern­stra­ßen­recht­li­chen Plan­fest­stel­lung mit ihren spe­zi­fi­schen for­mell- und mate­ri­ell­recht­li­chen Vor­ga­ben unter­wirft.

Dar­aus darf aber nicht der Schluss gezo­gen wer­den, Ände­rungs­pla­nun­gen, die bestehen­de Bun­des­fern­stra­ßen betref­fen, sei­en unge­ach­tet der künf­ti­gen Ver­kehrs­funk­ti­on und der dadurch bestimm­ten Stra­ßen­grup­pe der ver­än­der­ten Stra­ße nach den fern­stra­ßen­recht­li­chen Bestim­mun­gen durch­zu­füh­ren. Pla­nung ist ein zukunfts­ge­rich­te­ter Vor­gang, mit dem bestimm­te (Planungs-)Ziele erreicht wer­den sol­len. Fach­pla­nun­gen haben sich des­halb auf die Zie­le des jewei­li­gen Fach­pla­nungs­ge­set­zes aus­zu­rich­ten. Im Fal­le der Fern­stra­ßen­pla­nung sind dies die mit dem Bun­des­fern­stra­ßen­ge­setz all­ge­mein ver­folg­ten Zie­le, die in § 1 Abs. 1 FStrG mit sei­ner Defi­ni­ti­on der Bun­des­fern­stra­ßen Aus­druck gefun­den haben, nament­lich die Stei­ge­rung der Leis­tungs­fä­hig­keit des dem weit­räu­mi­gen Ver­kehr die­nen­den Stra­ßen­net­zes 2. Dem ent­spre­chend hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt mehr­fach ent­schie­den, dass das Bun­des­fern­stra­ßen­ge­setz den Bau einer Stra­ße, die nach ihrer bei der Pla­nung vor­aus­ge­setz­ten Ver­kehrs­funk­ti­on die für eine spä­te­re Wid­mung zur Bun­des­fern­stra­ße maß­ge­ben­den Qua­li­fi­ka­ti­ons­merk­ma­le des § 1 Abs. 1 FStrG erfül­len soll, aus­schließ­lich den dafür ein­schlä­gi­gen pla­nungs­recht­li­chen Vor­schrif­ten des Bun­des­fern­stra­ßen­rechts unter­wirft und sie damit zugleich der lan­des­recht­li­chen Plan­fest­stel­lung ent­zieht 3. Umge­kehrt kann sich eine auf die Her­stel­lung einer Stra­ße mit der Ver­kehrs­funk­ti­on einer Landes‑, Kreis- oder Gemein­de­stra­ße gerich­te­te Pla­nung nicht auf die Befug­nis zur fern­stra­ßen­recht­li­chen Plan­fest­stel­lung nach § 17 Satz 1 FStrG stüt­zen 4. Glei­ches gilt auch dann, wenn es sich nicht um ein Neubau‑, son­dern ein Ände­rungs­vor­ha­ben han­delt; denn die dem fina­len Cha­rak­ter von Pla­nung ent­spre­chen­de Aus­rich­tung auf die Zie­le des jewei­li­gen Fach­pla­nungs­ge­set­zes ist jeder Ermäch­ti­gung zur Plan­fest­stel­lung eigen. Sie fin­det deut­li­chen Aus­druck in dem Erfor­der­nis der Plan­recht­fer­ti­gung, die besagt, dass das Vor­ha­ben gemes­sen an den jewei­li­gen Ziel­vor­ga­ben des Fach­pla­nungs­ge­set­zes ver­nünf­ti­ger­wei­se gebo­ten sein muss 5. Die­sem Erfor­der­nis muss jedes Plan­vor­ha­ben ent­spre­chen, gleich­viel, ob es sich um ein Neu­bau- oder ein Ände­rungs­vor­ha­ben han­delt. Dem­ge­mäß kann auch die Ände­rung einer Bun­des­fern­stra­ße nur dann zuläs­si­ger­wei­se Gegen­stand der fern­stra­ßen­recht­li­chen Plan­fest­stel­lung sein, wenn es sich bei der Stra­ße auch nach ihrer plan­ge­mä­ßen Umge­stal­tung wei­ter­hin mate­ri­ell um eine Bun­des­fern­stra­ße han­deln wird.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 13. Juli 2010 – 9 B 104.09

  1. BVerfG, Urteil vom 03.07.2000 – 2 BvG 1/​96, BVerfGE 102, 167, 173[]
  2. vgl. BVerwG, Urteil vom 24.11.1989 – 4 C 41.88, BVerw­GE 84, 123, 133[]
  3. BVerwG, Urteil vom 23.01.1981 – 4 C 4.78, BVerw­GE 61, 295, 297; Beschluss vom 23.12.1992 – 4 B 188.92, Buch­holz 316 § 74 VwVfG Nr. 20 S. 35[]
  4. vgl. BVerwG, Beschluss vom 08.10.1999 – 4 B 53.99 – Buch­holz 11 Art. 28 GG Nr. 123 S. 5[]
  5. vgl. BVerwG, Urtei­le vom 22.03.1985 – 4 C 15.83, BVerw­GE 71, 166, 168; und vom 24.11.1989, a.a.O., S. 130[]