Alters­teil­zeit im öffent­li­chen Dienst und die Wahl in den Gemein­de­rat

Ein bei einer Kom­mu­nal­wahl gewähl­tes Rats­mit­glied, das zwar bei der Kom­mu­ne beschäf­tigt ist, sich zu die­ser Zeit aber in der Frei­stel­lungs­pha­se der Alters­teil­zeit befin­det, hat Anspruch dar­auf, vom Bür­ger­meis­ter als Rats­mit­glied ver­pflich­tet zu wer­den. Mit die­ser Begrün­dung hat jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier eine Kla­ge der Ver­bands­ge­mein­de Man­der­scheid abge­wie­sen.

Alters­teil­zeit im öffent­li­chen Dienst und die Wahl in den Gemein­de­rat

Der Bür­ger­meis­ter der Ver­bands­ge­mein­de Man­der­scheid hat­te die Ver­pflich­tung eines bei der Kom­mu­nal­wahl am 7. Juni 2009 in den Ver­bands­ge­mein­de­rat gewähl­ten Mit­glieds wegen Unver­ein­bar­keit von Amt und Man­dat abge­lehnt, obwohl sich das gewähl­te Mit­glied seit dem 1. Mai 2009 in der Frei­stel­lungs­pha­se der Alters­teil­zeit befand. In einem dar­auf­hin durch­ge­führ­ten Eil­ver­fah­ren hat die Ver­wal­tungs­ge­richt Trier dem Bür­ger­meis­ter der Ver­bands­ge­mein­de auf­ge­ge­ben, den Gewähl­ten vor­läu­fig zu ver­pflich­ten. Eine ent­spre­chen­de Ver­pflich­tung sprach der Kreis­rechts­aus­schuss im Anschluss an die­se Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Trier auch für die Haupt­sa­che aus. Die­se Auf­fas­sung bestä­tig­ten die Tie­rer Ver­wal­tungs­rich­ter nun mit ihrem Urteil, mit dem sie die Kla­ge des Bür­ger­meis­ters gegen die Ent­schei­dung des Kreis­rechts­aus­schus­ses abwie­sen.

Mit Beginn der Frei­stel­lungs­pha­se der Alters­teil­zeit sei, so das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier in sei­ner Urteils­be­grün­dung, das akti­ve Dienst­ver­hält­nis been­det und dem Zweck der Ver­mei­dung von Inter­es­sen­kol­li­sio­nen, dem die Inkom­pa­ti­bi­li­täts­be­stim­mun­gen des Kom­mu­nal­wahl­ge­set­zes dien­ten, genü­ge getan. Durch die Bewil­li­gung der Alters­teil­zeit ver­än­der­ten sich die wech­sel­sei­ti­gen Rech­te und Pflich­ten des Beschäf­tig­ten und des Dienst­herrn. Der Beschäf­tig­te neh­me ins­ge­samt nicht mehr nach den Direk­ti­ven des Dienst­stel­len­lei­ters an der Erfül­lung öffent­li­cher Auf­ga­ben der Dienst­stel­le teil. So ver­lie­re er auch das akti­ve Wahl­recht zum Per­so­nal­rat und eine even­tu­ell bestehen­de Mit­glied­schaft erlö­sche. Fer­ner sei­en sowohl der Beschäf­tig­te als auch der Dienst­herr dar­in gehin­dert, die gesetz­lich fest­ge­leg­te Frei­stel­lung vom Dienst nach Bewil­li­gung der Alters­teil­zeit auf­zu­he­ben, sodass ein Wie­der­auf­le­ben der akti­ven Tätig­keit des Beschäf­tig­ten und damit eine zu befürch­ten­de Inter­es­sen­kol­li­si­on auf Dau­er aus­ge­schlos­sen sei­en. Dem­ge­gen­über müs­se der hohe Wert der Wahl­rechts­gleich­heit in der Demo­kra­tie beach­tet wer­den, der Aus­schlüs­se vom pas­si­ven Wahl­recht nur in beson­de­ren Aus­nah­me­fäl­len zulas­se.

Ver­wal­tungs­ge­richt Trier, Urteil vom 23. Febru­ar 2010 – 1 K 666/​09.TR

UPDATE: Die hier­ge­gen von der Ver­bands­ge­mein­de Man­der­scheid ein­ge­leg­te Beru­fung wur­de vom Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz zurück­ge­wie­sen.