Alt­las­ten­sa­nie­rung vs. Baum­schutz

Die Vor­schrif­ten zum Natur- und Baum­schutz begrün­den für die Bewoh­ner benach­bar­ter Grund­stü­cke kei­ne sub­jek­ti­ven Abwehr­rech­te gegen eine Alt­las­ten­sa­nie­rung, da sie aus­schließ­lich im öffent­li­chen Inter­es­se bestehen.

Alt­las­ten­sa­nie­rung vs. Baum­schutz

Mit die­ser Begrün­dung lehn­te jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver in einer Eil­ent­schei­dung zum „Calen­ber­ger Loch“ den Antrag einer Anwoh­ne­rin ab, die am süd­li­chen Ende der Glock­see­stra­ße wohnt uns sich mit einem Eil­an­trag gegen die geplan­te Alt­las­ten­sa­nie­rung auf dem Gelän­de des ehe­ma­li­gen Gas­werks Glock­see gewandt hat. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver lehn­te heu­te ihren Antrag auf Gewäh­rung vor­läu­fi­gen Rechts­schut­zes ab, weil die Antrag­stel­le­rin durch die Maß­nah­me nicht in öffent­li­chen Nach­bar­rech­ten ver­letzt wird.

Im Zuge der von der Lan­des­haupt­stadt Han­no­ver betrie­be­nen Hoch­was­ser­schutz­pla­nun­gen für die Ihme wur­den auf dem Gelän­de des ehe­ma­li­gen Gas­werks Glock­see flä­chen­de­cken­de Schad­stoff­be­las­tun­gen durch poly­cy­cli­sche aro­ma­ti­sche Koh­len­was­ser­stof­fe, Ben­zo­le, Toluo­le, Xylo­le, Cya­ni­de u. ä. vor­ge­fun­den. Weil das Grund­stück nach Betriebs­auf­ga­be im Jah­re 1930 um rd. 3,00 m auf­ge­füllt und vor­han­de­ne Bau­lich­kei­ten wie das Ofen­haus und die mit Che­mi­ka­li­en gefüll­ten Absetz- und Teer­be­cken ein­fach zuge­schüt­tet wur­den, bestehen beson­ders hohe Schad­stoff­kon­zen­tra­tio­nen an die­sen sog. Hot­spots. Ein Inge­nieur­bü­ro schätzt ins­be­son­de­re die Gefähr­dung für das Schutz­gut Grund­was­ser als sehr hoch ein.

Die Lan­des­haupt­stadt Han­no­ver stell­te des­we­gen einen Sanie­rungs­plan auf, der von der Regi­on Han­no­ver als zustän­di­ger Boden­schutz­be­hör­de unter dem 11.05.10 für ver­bind­lich erklärt wur­de. Das Kon­zept sieht neben wei­te­ren Maß­nah­men zur Grund­was­ser­si­che­rung vor, den ver­un­rei­nig­ten Boden soweit voll­stän­dig abzu­tra­gen, wie es für die als Hoch­was­ser­schutz­maß­nah­me geplan­te Vor­land­ab­tra­gung sowie­so erfor­der­lich ist, und die Hot­spots voll­stän­dig aus­zu­kof­fern.

Hier­ge­gen wand­te sich eine Anwoh­ne­rin der Glock­see­stra­ße um zu ver­hin­dern, dass die Lan­des­haupt­stadt Han­no­ver die etwa 100 Bäu­me auf dem Gelän­de fällt und mit den Vor­be­rei­tun­gen zur Boden­sa­nie­rung beginnt, bevor das Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren zum Hoch­was­ser­schutz abge­schlos­sen ist.

Die­sen Antrag das Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver ab: Aus Sicht des Gerichts ent­hält der Sanie­rungs­plan aus­rei­chen­de Schutz­vor­keh­run­gen, um die Anwoh­ner der Glock­see­stra­ße wäh­rend der Sanie­rungs­ar­bei­ten vor den hoch­gif­ti­gen und flüch­ti­gen Schad­stof­fen zu schüt­zen. Die Vor­schrif­ten zum Natur- und Baum­schutz dage­gen bestün­den aus­schließ­lich im öffent­li­chen Inter­es­se und ver­mit­tel­ten Pri­va­ten kei­ne sub­jek­ti­ven Abwehr­rech­te. Die Kam­mer sieht auch kei­ne Rech­te der Anwoh­ne­rin im Hoch­was­ser­schutz­ver­fah­ren als ver­ei­telt an. Die Alt­las­ten­sa­nie­rung sei nach der vor­lie­gen­den Gefähr­dungs­pro­gno­se aus Grün­den des Grund­was­ser­schut­zes drin­gend erfor­der­lich und zwar unab­hän­gig von der Fra­ge, ob und ggf. wel­che Hoch­was­ser­schutz­maß­nah­men für die Ihme spä­ter beschlos­sen wür­den. Das was­ser­recht­li­che Plan­fest­stel­lungs­ver­fah­ren habe nur inso­fern Ein­fluss auf die Alt­sa­nie­rung, als mög­li­cher­wei­se spä­ter auf die Wie­der­auf­schüt­tung des aus­ge­kof­fer­ten Gelän­des ver­zich­tet wer­den kön­ne.

Ver­wal­tungs­ge­richt Han­no­ver, Beschluss vom 15. Novem­ber 2010 – 4 B 5090/​10