Anfor­de­run­gen an die Beru­fungs­be­grün­dung

Ein Be­ru­fungs­füh­rer ge­nügt grund­sätz­lich sei­ner ge­setz­li­chen Pflicht, in der Be­ru­fungs­be­grün­dung die Grün­de der An­fech­tung an­zu­ge­ben, wenn er in der Be­ru­fungs­be­grün­dung an sei­ner in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht hin­rei­chend kon­kret er­läu­ter­ten Auf­fas­sung fest­hält, durch den mit der Kla­ge an­ge­grif­fe­nen Be­scheid ver­letzt zu sein, und da­durch zum Aus­druck bringt, dass er von den ge­gen­tei­li­gen Aus­füh­run­gen des an­ge­foch­te­nen Ur­teils nicht über­zeugt ist (wie BVerwG, Be­schluss vom 02.06.2005 – 10 B 4.05)).

Anfor­de­run­gen an die Beru­fungs­be­grün­dung

Die Beru­fungs­be­grün­dung muss sub­stan­ti­iert und kon­kret auf den zu ent­schei­den­den Fall bezo­gen sein; sie hat in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht im Ein­zel­nen aus­zu­füh­ren, wes­halb das ange­foch­te­ne Urteil nach der Auf­fas­sung des Beru­fungs­füh­rers unrich­tig ist und geän­dert wer­den muss 1.

Ein Beru­fungs­klä­ger genügt grund­sätz­lich sei­ner gesetz­li­chen Begrün­dungs­pflicht, wenn er in der Beru­fungs­be­grün­dung an sei­ner in tat­säch­li­cher und recht­li­cher Hin­sicht inso­weit hin­rei­chend kon­kret erläu­ter­ten Auf­fas­sung fest­hält, der ange­grif­fe­ne Bescheid sei recht­mä­ßig, und dadurch zum Aus­druck bringt, dass er von den gegen­tei­li­gen Erwä­gun­gen des ange­foch­te­nen Urteils nicht über­zeugt ist. Auch die­ser gene­ra­li­sie­ren­de Rechts­satz ist der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zu § 124a Abs. 3 Satz 4 VwGO ent­nom­men 2.

Hier­mit wird klar­ge­stellt, dass der Beru­fungs­füh­rer sich in der Beru­fungs­be­grün­dung mit dem Gedan­ken­gang des ange­foch­te­nen Urteils nicht in den Details aus­ein­an­der­set­zen muss, son­dern sich damit begnü­gen darf, kon­kret zu erläu­tern, wes­halb er abwei­chen­der Auf­fas­sung ist, bzw. deut­lich zu machen, dass er eine bereits vor­her kon­kret erläu­ter­te abwei­chen­de Auf­fas­sung wei­ter­hin als trag­fä­hig erach­tet. Ent­spricht die Beru­fungs­be­grün­dung die­sen Anfor­de­run­gen, so bringt sie auch ohne eine Detail­kri­tik an den Grün­den der ange­foch­te­nen Ent­schei­dung hin­rei­chend klar zum Aus­druck, aus wel­chen tat­säch­li­chen und recht­li­chen Erwä­gun­gen an dem ver­folg­ten Rechts­schutz­ziel fest­ge­hal­ten wird, und erfüllt damit die der Beru­fungs­be­grün­dung zukom­men­de Funk­ti­on, die übri­gen Betei­lig­ten und das Beru­fungs­ge­richt über die zur Stüt­zung des Beru­fungs­be­geh­rens maß­geb­li­chen Grün­de zu unter­rich­ten.

Wel­che Min­dest­an­for­de­run­gen an die Beru­fungs­be­grün­dung sich aus die­sen Grund­sät­zen erge­ben, hängt wesent­lich von den Umstän­den des kon­kre­ten Ein­zel­falls ab 3.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 16. Febru­ar 2012 – 9 B 71.11

  1. BVerwG, Beschlüs­se vom 23.09.1999 – 9 B 372.99, Buch­holz 310 § 124a VwGO Nr. 12 S. 8; vom 09.12.2004 – 2 B 51.04; und vom 02.07.2008 – 10 B 3.08[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 02.06.2005 – 10 B 4.05[]
  3. BVerwG, Urteil vom 23.04.2001 – 1 C 33.00, BVerw­GE 114, 155, 158; Beschluss vom 02.06.2005 a.a.O. Rn. 3[]